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TV Total: Sebastian Pufpaff legt ein richtig gutes Debüt hin.
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TV Total: Sebastian Pufpaff legt ein richtig gutes Debüt hin.

TV-Revival

TV Total-Comeback ohne Stefan Raab: Wie gut war die erste Sendung?

  • VonMirko Schmid
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Sebastian Pufpaff liefert ein beeindruckend souveränes Debüt am Schreibtisch von Stefan Raab. TV Total ist zurück. Und das ist gut so. Die TV-Kritik.

Frankfurt – TV Total ist zurück. Schon im Vorspann macht ein Hinweis, wonach Stefan Raab hier produziert, deutlich, dass diese Sendung den Geist des Erfinders atmet. Maximaler Druck für den neuen Gastgeber, könnte man meinen. Sebastian Pufpaff antwortet mit entwaffnender Selbstverständlichkeit.

Nach nur wenigen Minuten twittert jemand: „Erster Gedanke zu Beginn der Sendung: die Show lebte von Stefan Raab – nach fünf Minuten: Die Show ist die Show! Puffi macht es klasse.“ Diesen Eindruck hat er nicht exklusiv. Es dauert keine Viertelstunde und Raab ist (fast) vergessen. Das liegt auch daran, dass so viele nostalgische Elemente in das deutlich aufpolierte Setting einfließen.

Manfred Winkens: Die Stimme von TV Total erleichtert Sebastian Pufpaff Einstieg

Das beginnt mit dem bekannten Intro und sämtlichen Jingles, die auch sechs Jahre ohne TV Total später noch so verblüffend vertraut sind. Das liegt an den nach wie vor fantastischen Heavytones. Aber in allererster Linie liegt es an Manfred Winkens.

Manfred Winkens ist die fantastische Off-Stimme, die in ihrer unvergleichlichen Art auch die „Ordnungsbehördliche Verordnung zur Ausweisung von Landschaftsschutzgebieten in der Gebietskulisse der Städte Dorsten und Waltrop sowie in Teilen von Castrop-Rauxel, Datteln, Haltern am See und Marl im Bereich des Kreises Recklinghausen“ (gibt es wirklich) vorlesen könnte: Es wäre total ulkig.

Schon Winkens macht, dass sich TV Total wie TV Total anfühlt. Genau wie das Bühnenbild. Sebastian Pufpaff hinter den Kulissen, sichtlich beeindruckt von seiner Arbeitsumgebung: „Man kennt das, aber alles ist neu.“ Die neue Bühne ist im Grunde eine modernisierte Version der alten. Sie wirkt vertraut genug für nostalgische Gefühle, holt aber auch die Generationen (Alter absteigend) Facebook, Instagram und TikTok ab.

TV Total mit Pufpaff gegen „Wetten, dass..?“ mit Gottschalk: Der Elefant steht im Raum

Für diese Generationen könnten die quälend langen Werbepausen zum Hindernis werden. Streaming-Portale und Mediatheken, YouTube, Soziale Medien: Das lineare Fernsehen hat schwer zu kämpfen. Das Ausgraben von Kultformaten fällt in eine Zeit, in der die Konzentrationsspanne immer weiter ab- und das mediale Angebot zunimmt.

Gegen diesen Trend schicken die Sender nun also ihre eingemotteten Flaggschiffe TV Total und „Wetten, dass..?“ auf hohe See. Weil fast gleichzeitig wieder im TV präsent, schwingt der Vergleich der Formate ständig mit. Sebastian Pufpaff witzelt über Thomas Gottschalk und seine ZDF-Sendung: „Als der jung war, hatte Deutschland ganz andere Grenzen.“ Zuvor hatte der ProSieben-Comedian es mit ZDF-Jacke und Kamerateam fast bis auf Gottschalks Bühne geschafft.

SendungTV Total
ModerationSebastian Pufpaff
Folge2304
Erstausstrahlung8. März 1999
Sender ProSieben

Während Gottschalk sich mit ein paar plakativ sexistischen Witzchen unangenehm in seine Sendung mühte, zündet Pufpaff direkt. Manchmal klingen seine Pointen wie von Stefan Raab selbst gesprochen. In anderen Momenten deutet Pufpaff an, dass TV Total künftig ein ganz klein bisschen näher an den gesellschaftlichen Diskurs heranrücken könnte. Allerdings ohne irgendwem weh tun zu wollen. Als Pufpaff im Zusammenhang mit dem Podcast von Markus Lanz und Richard David Precht das Mitteilungsbedrüfnis von Markus Lanz veralbert, lässt er die kontrovers diskutierten Ansichten des Podcast-Duos zum Thema Impfen gegen Corona unkommentiert.

TV Total will nicht politisch sein, Sebastian Pufpaff niemanden verletzen

TV Total zeigt in solchen Momenten, dass es kein politisches Format sein will. TV Total will generationenübergreifend dazu einladen, sich freiwillig und gemeinsam durch anstrengende Werbeblöcke zu kämpfen. Die Pointen sitzen. Über den bei Bild gefeuerten Julian Reichelt und dessen Gebaren im Amt des Chefredakteurs kalauert Pufpaff: „Was schenkst du wem, der schon alle hatte?“ Reichelts treuen Fanboy Paul Ronzheimer nennt Pufpaff einen „dicken Harry Potter“. Es ist nicht die feine Klinge. Aber so drüber, dass es klappt.

Zwischendrin kommt es zu zweideutigen Momenten. Pufpaff erwähnt Raab nicht ein einziges Mal. Ganz ohne Trigger kommt er aber nicht aus: „Diese Sendung hatte immer einen heimlichen echten Star, aber der war bisher nicht da.“ Kunstpause. „Nein, nicht er.“ Gemeint ist stattdessen das legendäre Nippelboard. Die Anreihung all der Knöpfe auf dem Showschreibtisch also, mit denen Pufpaff wie einst Raab kurze Trash-Schnipsel einspielt, die schnell zu Memes werden.

Am Ende fragt Pufpaff augenzwinkernd: „Hat eigentlich schon mal jemand versucht, in einem original chinesischen Wok eine Bobbahn herunterzufahren?“ Interessante Idee. Sollte es endlich wieder eine Wok-WM geben: Sebastian Pufpaff würde auch dort als Gastgeber Raab schnell vergessen machen. Wie bei TV Total. „Wetten, dass..? (Mirko Schmid)

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