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Markus Lanz: Karl Lauterbach gerät im ZDF ins Kreuzverhör

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Von: Teresa Vena

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TV-Talk am 1. November 2022 mit Markus Lanz im ZDF
TV-Talk am 1. November 2022 mit Markus Lanz im ZDF © Screenshot ZDF

Der Talk bei Markus Lanz zu den Plänen der Bundesregierung, Cannabis zu legalisieren, ein Ausblick auf die US-Zwischenwahlen sowie zu den Erwartungen an die bevorstehende China-Reise von Kanzler Scholz.

Hamburg – Zwei große Themen kamen in der Sendung vom 1. November 2022 bei Markus Lanz im ZDF zur Sprache. Es ging zum einen um China und wie Deutschland sich zu diesem wirtschaftlich expandierenden Land verhält oder verhalten sollte. Zum anderen um Cannabis und den Vorschlag der Regierung, den Konsum für Erwachsene in Deutschland zu legalisieren. Die Diskussionen mit den drei Gästen im Studio waren lebhaft. Gesundheitsminister Karl Lauterbach wurde von Moderator Markus Lanz sowie den beiden Journalisten Kerstin Münstermann und Elmar Theveßen regelrecht mit kritischen Argumenten überhäuft. Allerdings hielt sich Lauterbach angesichts dieses Kreuzverhörs wacker.

Ganz zu Beginn wurde die Leiterin des ZDF-Auslandsstudios für Ostasien, Miriam Steimer, in die Sendung im ZDF zugeschaltet. Sie berichtete, wie der Teilverkauf einer Anlage im Hamburger Hafen an das chinesische Unternehmen Cosco in Chinas als großer politischer Erfolg verhandelt wird. Die Ankündigung eines persönlichen Besuches des Bundeskanzlers Olaf Scholz schlachtet die Propaganda im Land für sich aus. „Das ist ein tolles Geschenk von Scholz“, meinte sie, „damit konsolidiert der Kanzler das deutsch-chinesische Verhältnis“. Während die USA als offenes Feindbild gälten, „alles Schlechte kommt von dort“, erklärte Steimer weiter, „werden die Deutschen positiv wahrgenommen.“ Das wirke sich auch ganz konkret auf die journalistische Arbeit aus, denn US-amerikanischen Kollegen lege man viel eher Steine in den Weg.

Markus Lanz (ZDF): Man macht sich abhängig von China

Für den anwesenden Journalisten Elmar Theveßen ist Scholz‘ Haltung im Fall Chinas nicht wirklich vereinbar mit der Chinastrategie der Bundesregierung. Lauterbach lenkte da insofern ein, als er die Kommunikation Scholz‘ zum Thema Cosco als „unglücklich“ bezeichnete, die Journalistin Münstermann nannte sie vielmehr „katastrophal“. Theveßen malte ein düsteres Zukunftsbild, wenn man weiter zulasse, dass sich China in verschiedenen Märkten in Europa und sonst in der Welt „hineindränge“. Man mache sich immer mehr erpressbar und abhängig von China, meinte er.

Lauterbach argumentierte bei Markus Lanz in eine andere Richtung. „Scholz versucht eine stabile, aber nicht unkritische Achse zwischen Deutschland und China aufrechtzuerhalten, das halte ich nicht für dumm“, sagte er. „Wenn wir wachsen wollen, brauchen wir China.“ Es gelte aber, China folgendes zu vermitteln: „Wir wollen den Handel, wir sind aber nicht dumm, wir sehen, was bei euch passiert.“ Entscheidend sei in diesem Sinn, dass Scholz, wenn er seinen Besuch für die Vertragsverhandlungen antrete, die Menschenrechtsverletzungen Chinas „artikulieren“ müsse.

Markus Lanz (ZDF): Karl Lauterbach weist auf Widerspüche hin

Im Übrigen sei er davon überzeugt, dass in Zukunft die Bedeutung Chinas sinken werde, wenn die Produktion von verschiedenen Dingen wie Wertstoffen für Medikamente oder auch von Mikrochips bald in Europa bewerkstelligt werden könne. Durch den stetigen technologischen Fortschritt werde man auch immer weniger abhängig von gewissen Rohstoffen wie etwa Magnesium sein. Lauterbach wies zudem darauf hin, dass seiner Meinung nach China als Wissenschaftsstandort weniger bedeutend sei als allgemein angenommen. „Es gibt nur sehr wenige ausländische Topwissenschaftler, die in China arbeiten, aber sehr viele chinesische Topwissenschaftler aus China im Westen.“

Nicht unberechtigterweise wies Lauterbach in der Sendung von Markus Lanz im ZDF auch auf einen offensichtlichen Widerspruch hin: „Ich finde es heuchlerisch, wenn wir alle ein iPhone in der Tasche haben und uns dann Gedanken machen, wie es produziert wird“. Auch Münstermann unterstützte diese Sichtweise. Man habe Angst, dass China sich Daten und Zugänge besorgen könne, wenn beispielsweise die Beteiligungen an Häfen und Unternehmen im Westen wachsen würden. Doch alle nutzten allerdings bereits einen Dienst wie Tik Tok, das einer chinesischen Firma gehöre und bereits Daten abgreife.

Markus Lanz liegt daneben: „Die USA braucht nichts und niemanden“

So viel differenzierte Argumentation war weder die Sache von Markus Lanz selbst, noch von Gast Theveßen. Immer wieder kamen die beiden auf die USA zu sprechen, die doch vorbildlich ihre harte Schiene gegen China als Handelspartner führen. Die USA hätten begriffen, wo die Beteiligung der Chinesen am gefährlichsten sei und unterbänden sie, meinte Theveßen. In diesem Kontext ließ sich Moderator Markus Lanz zu einer recht plumpen wie falschen Aussage hinreißen: „Die USA sind das unabhängigste Land auf diesem Planeten, die brauchen nichts und niemanden“. Auf die etwas zögerlichen Reaktionen der Anwesenden hin glaubte man, dass sich doch noch ein kleines Fragezeichen auf Lanz‘ Stirn abzeichne. Theveßen reagierte als einziger darauf und schwächte die Bemerkung etwas ab. Die USA machten zumindest alles dafür, um vollständig unabhängig zu werden, meinte er.

Markus Lanz am 1. November 2022 im ZDFDie Gäste der Sendung
Karl LauterbachGesundheitsminister
Kerstin MünstermannJournalistin
Elmar TheveßenJournalist
Miriam SteimerJournalistin

Was aber in der ganzen Diskussion fehlte, war eine kritischere Position gegenüber den USA. Dann kam doch der eine winzige Nebensatz im letzten Viertel der Sendung, der zu einem ernsthaften Argumentationsfluss unbedingt notwendig gewesen wäre: „Die Amerikaner haben aber nichts anderes gemacht“, sagte Theveßen. Und er meinte damit, dass die USA sich über Jahrzehnte weg genauso rücksichtslos wirtschaftlich, und damit zwangsläufig politisch, in alle Teile der Welt eingemischt haben, wenn es sich für ihre Zwecke lohnte. Hier hätte man weiter ansetzen sollen.

Doch dann schwenkte die Runde auf das Thema Cannabis hinüber. Für die Anwesenden erschlossen sich Lauterbachs Ausführungen zur geplanten Teillegalisierung der Droge nicht. „Legalisierung als Präventionsprogramm“, meinte Münstermann, sei unverständlich. „Wir schränken den Konsum ein, indem wir ihn legal machen“, das könne doch nicht funktionieren. Durch die Legalisierung werde der Schwarzmarkt ausgetrocknet, erklärte Lauterbach. Das Ziel sei es, Kinder und Jugendliche zu schützen, denn zurzeit vermelde man ein Konsumwachstum und eine steigende Konzentration des Stoffes. „Die Legalisierung dient der Einschränkung des Konsums bei jungen Leuten, sie dient dazu, die Schäden zu begrenzen“, sagte er weiter.

Man wisse nämlich, dass Jugendliche zwischen 18 und 25 Jahren durch den Konsum organische Veränderungen im Gehirn erlitten, die zu nicht reparablen Schäden und zu einem erhöhten Risiko an psychischen Erkrankungen führten. Dass der Konsum eingedämmt werden müsse, bezweifelte in der Sendung von Markus Lanz im ZDF keiner, doch von der Wirksamkeit der nun beabsichtigten Maßnahme blieben die Anwesenden dennoch wenig überzeugt. (Teresa Vena)

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