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Gösta hat eine Stelle als Kinder- und Jugendpsychologe angenommen.
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Gösta hat eine Stelle als Kinder- und Jugendpsychologe angenommen.

TV-Kritik

Seriendebüt „Gösta“ auf One (ARD): Ein Psychologe beschert sich komplizierte Probleme

  • Harald Keller
    vonHarald Keller
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Der ARD-Sender One zeigt das Seriendebüt „Gösta“ des schwedischen Autors und Regisseurs Lukas Moodysson.

  • Der schwedische Autor Lukas Moodysson feiert mit „Gösta“ sein Seriendebüt, ARD-One strahlt die Serie aus.
  • Mitgefühl und Großmut bringen den Kinder- und Jugendpsychologen Gösta in der Serie immer wieder in komplizierte Situationen.
  • Die Folgen werden auch in der ARD-Mediathek hochgeladen.

Pippi Langstrumpf lebt hier nicht mehr. Einer Meta-Studie der EU-Agentur Eurofund zufolge laufen 41 Prozent der 18- bis 24-Jährigen Schweden Gefahr, an einer Depression zu erkranken. Mit dieser Zahl nimmt das skandinavische Land in Europa eine traurige Spitzenstellung ein. Auch solch ein Thema kann man in eine serielle Erzählung kleiden. Es muss nicht immer Mord und Totschlag sein.

TV-Serie „Gösta“ auf ARD-One: Naturdokus machen traurig

Der schwedische Regisseur Lukas Moodysson, bekannt und mehrfach preisgekrönt für Kinofilme wie „Raus aus Åmål“ und „Lilja 4-ever“, hat mit „Gösta“ seine erste TV-Serie geschrieben und inszeniert. Die Titelfigur ist 28 Jahre alt und eben aus Stockholm nach Småland umgezogen, wo Gösta eine Stelle als Kinder- und Jugendpsychologe angenommen hat. Seine Behausung, eine im Schatten eines Bauernhofs gelegene bescheidene Holzhütte, ist kleiner als so manches Wohnmobil. Großzügig teilt er den knappen Raum mit dem Asylbewerber Hussein (Nidhal Fares), der aus dem Irak stammt und als Homosexueller dort verfolgt und gefoltert wurde und vom Tode bedroht ist. Hussein redet wenig und ist voller Schwermut.

In Husseins Situation verständlich, aber Gösta (Vilhelm Blomgren) scheint Menschen mit deformierter Seele und neurotischem Gehabe förmlich anzuziehen. Seine Freundin Melissa (Amy Deasismont) studiert Medizin in Stockholm und sehnt Gösta herbei. Am Telefon klingt sie deprimiert. Gösta ahnt, was ihr fehlt: „Hast du etwa wieder Naturdokus geguckt?“

TV-Serie „Gösta“ auf ARD-One: Mitleid für die Fahrraddiebe

Solche Sätze sind typisch für die Tonart dieser tragikomischen Serie. Gösta ist ein moderner Verwandter von Grimmelshausens „Simplicius Simplicissimus“. Besser gebildet, ein Akademiker, aber nicht minder idealistisch. Der Bettlerin vor dem Supermarkt überlässt er seine Einkäufe und legt auf mehrfaches Nachfragen noch Geld obendrauf. Einer alten Frau, die einen Schwächeanfall erlitten hat, trägt er die Einkäufe nach Hause und verpasst dadurch seinen Zug. Den letzten an diesem Tage. Den Rüpeln, die ihm sein Fahrrad stehlen, begegnet er nicht mit Zorn, sondern mit Mitleid.

Mitgefühl und Großmut bringen Gösta immer wieder in komplizierte Situationen. Bald jede gute Tat beschert ihm neue Probleme. Seine Freundin Melissa kommt überraschend aus Stockholm angefahren, später in der Nacht auch noch Göstas Vater Thomas (Mattias Silvell). Dessen Freundin hat ihn vor die Tür gesetzt. Thomas zeigt Borderline-Symptome, leidet unter Angstattacken. Er braucht eine Unterkunft, und natürlich nimmt Gösta ihn auf. Es wird zusehends eng in der kleinen Hütte, und doch nisten sich noch weitere Gäste ein, bis der Eigentümer sich gar gezwungen sieht, auf dem Holzdeck im Freien zu übernachten.

„Gösta“ auf One: ARD stellt nur vier Episoden der Serie für Rezensionszwecke bereit

Über zwölf Folgen hinweg kumuliert Lukas Moodysson die Malaisen, die sich ähnlich wie in seinem Kinofilm „Zusammen!“ in einer eigentümlichen Wohngemeinschaft ballen. Gösta kümmert sich, sorgt sich, wird ausgenutzt, hat für alles Verständnis. Und wird damit zum tragischen Helden.

Leider stellte die ARD nur vier Episoden der Serie für Rezensionszwecke bereit. Aus diesem Material wird nicht kenntlich, welche Aussage Moodysson eigentlich treffen möchte. Veralbert er Hilfsbereitschaft und uneigennütziges Samaritertum?

Die vier Folgen lassen allerdings bereits erkennen, dass sich das Konzept recht schnell erschöpft. Sofern das Erzählmuster über die gesamte Staffel durchgehalten wird, kommt es zu Wiederholungen und einigen Längen.

„Gösta“ auf ARD-One: Serien folgen eigenen Gesetzen

Womit sich einmal mehr erweist, dass Kinoregisseure nicht automatisch auch gute Serienautoren sind. Eine Binsenweisheit, aber sie wurde offenbar noch nicht überall gehört: Eine Fortsetzungsserie folgt ganz anderen dramaturgischen Gesetzen als ein abendfüllender Spielfilm. Deshalb ist es auch völlig unangebracht, despektierlich auf ‚gelernte’ und erfahrene Serienautorinnen und -autoren herabzublicken.

Der redaktionell vom WDR betreute Sender One zeigt alle Folgen von „Gösta“ am Samstag, 5. Dezember, ab 20:15 Uhr am Stück. Eine ungeschickte Programmierung. Sinnvoller ist es, die handwerklich durchaus gut gemachte, vor allem schauspielerisch manch deutscher Produktion sichtbar überlegene Serie häppchenweise zu schauen. Die Möglichkeit besteht: Ab 6. Dezember gibt es die Episoden in der ARD-Mediathek. (Harald Keller)

Aus für ARD-Serie: „Um Himmels Willen“ endet nach Staffel 20. 2021 soll Schluss sein.

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