„8 Tage - Frieden“: Familie Steiner: Jonas Steiner (Claude Heinrich), Susanne Steiner (Christiane Paul), Uli Steiner (Mark Waschke), Leonie Steiner (Lena Klenke) und Nora Frankenberg (Luisa-Céline Gaffron) sitzen mit traurigem Blick nebeneinander und halten sich im Arm oder an den Händen.
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Die Sky-Serie „8-Tage“ ist am 10.07.2020 bei ZDF-Neo zu sehen.

TV-Kritik

Endzeit-Miniserie „8 Tage“ bei ZDF-Neo: Dann lieber Weltuntergang

  • vonDavid Segler
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Serien seien das neue Kino, hört man immer wieder. Wer sich den Apokalypse-Quatsch „8 Tage“ von Sky ansieht, der jetzt bei ZDF-Neo ausgestrahlt wird, hat für diese These schlechte Argumente.

  • Serie „8 Tage“ bei ZDF-Neo im TV zu sehen
  • In der Serie geht es um einen drohenden Asteroideneinschlag, der Europa zerstören wird
  • Die TV-Kritik zur Endzeit-Miniserie

Ob es in der ZDF-Redaktion als Coup gilt, im vom Corona-Virus geplagten Sommer 2020 die Sky Serie „8 Tage“ aus dem vergangenen Jahr in ihr Programm zu nehmen? Immerhin sind die thematischen Ähnlichkeiten kaum von der Hand zu weisen. Eine globale Bedrohung stellt das Leben aller Menschen auf den Kopf.

Nicht in Form einer Pandemie, sondern durch den riesigen Asteroiden Horus, der droht mitten in Frankreich einzuschlagen und damit wohl im gesamten europäischen Kontinent das Leben auszulöschen. Schutzmasken würden hier kaum helfen. Vielleicht wären sie aber dennoch sinnvoll gewesen, um die Dialoge in dieser Serie nicht so genau verstehen zu müssen. Denn eins ist sicher: Geschickt ist es vom ZDF sicher nicht, diese Serie in ihr Programm zu nehmen. „8 Tage“ ist mindestens so misslungen wie teuer – und das will was heißen, wenn man sich die vielen Drehorte und das Star-Ensemble anschaut.

Sky-Serie „8 Tage“ bei ZDF-Neo im TV zu sehen: Endzeit Mini-Serie ginge glatt als Satire durch

Im Zentrum stehen einige Protagonist*innen aus Deutschland, welche die letzten acht Tage vor Einschlag des Asteroiden verbringen und dabei versuchen, dem drohenden Tod irgendwie zu entkommen - durch eine Flucht in die USA (Im Sommer 2020 eine Serie zu schauen, in der alle unbedingt nach Amerika wollen, welch ein Timing), durch Schutzsuche in den rar gesäten Bunkerplätzen der Regierung oder in selbst ausgebauten Kellern unterm Haus – es grüßen die sogenannten Prepper.

Die Frage was passieren würde, wenn man das Ende der Welt in nächster Zukunft absehen könnte, ist ohne Zweifel ein schaurig faszinierendes Gedankenexperiment. Leider weiß „8 Tage“ mit dieser Fragestellung nichts anzufangen. Die Figuren, die Erzählweise, die inszenatorischen Entscheidungen, der Soundtrack, alles ist so daneben, dass man es glatt als gute Satire verkaufen könnte, wenn die Serie sich nicht dauernd so ernst nehmen würde. Da es wenig fruchtbar wäre, hier genauer auf Figuren und Plot einzugehen, folgt nun eine Liste an Dingen, die wir in der deutschen Film - und TV – Landschaft nie wieder sehen wollen:

1. „Dialoge“
Menschen sprechen den ganzen Tag miteinander. Wieso es dann offenbar immer noch so schwer ist, halbwegs glaubhafte Gespräche in Filmen abzubilden, ist ein ungefähr genau so großes Rätsel wie die Suche nach dem Bernsteinzimmer. Höhepunkt in „8 Tage“: Henry Hübchen sagt zur Lebensgefährtin seines Sohnes gegen Ende der Serie, dass dieser sich extra für sie geprügelt hätte. „Einen tollen Mann hast du dir ausgesucht.“ Klingt auch nach Satire, ist aber wieder ernst gemeint. Die Szene führt gleich zum nächsten Punkt.

2. Schreiende Kerle, heulende Frauen
Unerträglich an „8 Tage“ ist auch die Geschichte um den opportunistischen Regierungsmitarbeiter Hermann (gespielt vom eigentlich großen Fabian Hinrichs) und seiner hochschwangeren Frau Marion (gespielt von der eigentlich großen Nora Waldstätten). Hermann hat einen Job, Marion ist schwanger, damit sind die Beiden hinreichend charakterisiert, mehr Eigenschaften sind nicht erkennbar. Eine der zahllosen, aber misslungenen Rückblenden verrät, dass Marion beim ersten Mal direkt schwanger geworden ist. Wieso die beiden zusammengeblieben sind, ist trotzdem rätselhaft. Es gibt auch nur eine einzige immer wiederkehrende Dynamik zwischen den beiden. Er schreit rum, sie weint. Wer glaubt, wir hätten einiges erreicht seit #Metoo und der überfälligen Debatte um starke Frauenfiguren im Fernsehen und Kino, sollte sich „8 Tage“ vielleicht doch antun und diese Behauptung dann nochmal überprüfen.

TV-Kritik ZDF-Neo: Serie „8 Tage“ - Bedeutungsschwangerer Chor als musikalische Untermalung

3. Bitte empfinden Sie jetzt!
Die sehr erfolgreiche aber ebenso missglückte „Wir können auch in Deutschland Stranger Things“-Serie „Dark“ auf Netflix war auch deshalb teilweise schwer auszuhalten, weil die Musik hier nicht unterstützend, leitend oder konterkarierend zur Handlung fungierte, sondern mit einem Hammer im Hau-den-Lukas-Format allen Zuschauer*innen mitteilen musste, wie man jetzt zu fühlen habe. „8 Tage“ setzt da noch eins drauf, weil die Serie auf alle musikalischen Fragen fast ausschließlich eine Antwort hat: einen bedeutungsschwangeren Countertenor. Egal wann, wie und wo eine Figur oder eine Szene musikalisch untermalt werden soll, er setzt immer wieder ein. Im Schnittprozess legt man unter Filme manchmal sogenannte „Layout“-Musik, die später ersetzt wird, um schon mal ein Gefühl für die Szene zu bekommen. Das Ersetzen wurde hier wohl vergessen.

5. Ja, okay, Berlin
Es wäre naiv zu denken, „8 Tage“ hätte keine Weltuntergangsparty mit Drogen und Rudelbums zu bieten. Spätestens damit wäre auch ohne vorherige Anzeichen klar gewesen, dass die Serie zu großen Teilen in Berlin spielt. Es gibt Techno-Musik, Leute in bescheuerten Kostümen und natürlich Drogen. Wenn eh die Welt untergeht, muss man die wenigstens nicht mehr versteckt auf Toilette nehmen, sondern kann sie viel komfortabler direkt von den nackten Brüsten junger Frauen ziehen. Immer und immer wieder. Wieso deutsche Filme und Serien die Berliner Feierkultur als so erzählenswert empfinden (ist sie nämlich nicht) und sie gleichzeitig so missverstehen, ein weiteres Rätsel.

4. Die Figuren sind frei, wer kann sie erraten?
Antwort: Jede*r. Es gibt in „8 Tage“ ausschließlich Schablonen, Charaktere, die sich auch innerhalb der acht Folgen nicht weiterentwickeln. Der wahnsinnig gewordene Junge, der die Religion für sich entdeckt und sich am Ende als lebendiger Messias ans Kreuz nageln lässt, der sadistische Familienvater, der seine kleine Welt erhalten will und dafür seine Tochter (Spitzname Igelchen...) in seinen selbst ausgebauten Bunker einsperrt; Der Familienvater, der seine Männlichkeit sucht und nicht findet, die Ehefrau, die eine Affäre hat und sie bereut, denn das ist ja ein unverzeihlicher Fehler – wenn es Frauen machen. Fehlt noch der Einzelkämpfer, den „Lonely Wolf“, in diesem Fall ein Polizist, hin- und hergerissen zwischen Egoismus und Helfersyndrom. Besonders fragwürdig: Diese Figur ist in der Serie ein Deutsch-Türke (gespielt von Murathan Muslu, ebenfalls ein toller Schauspieler), hat weder Familie noch Angehörige, weil das mit der Integration ja doch nie so richtig klappt, oder? Wenn das die Ablösung des Kinos sein soll, dann lieber Weltuntergang. (Von David Segler)
„8 Tage“, ZDF-Neo, Ab 10.07, 22:40

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