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Jo Schück und Salwa Houmsi auf dem Spielfeld zu „13 Fragen“.
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Jo Schück und Salwa Houmsi auf dem Spielfeld zu „13 Fragen“.

TV-Kritik

„13 Fragen“ in ZDFneo: Ein Format der Demokratie

  • VonHans-Jürgen Linke
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Die Sendereihe „13 Fragen“ präsentiert lehrbuchhaft gelingende Debattenkultur.

Waren das jetzt 13 Fragen? Oder vielleicht 39? Oder noch mehr? Darf und soll jede:r jede:n jederzeit fragen oder gibt es ein Moderatoren-Privileg? Wie viele Antworten gab es vorher, wie viele gibt es nachher?

Das ZDF-Format „13 Fragen“ basiert auf einem Debatten-Konzept, und es versteht und gestaltet Debatte als Grundbaustein eines demokratischen Gesellschaftsverständnisses. Bei der Frage, ob wir eine Migrationsquote brauchen, wird der Mikrokosmos des Themas in Ja/Nein-Felder eingeteilt, jede:r soll sich auf einer Seite einfinden. Sechs Personen bilden zwei gleich starke Parteien, die Moderatorin stellt die Fragen und bringt die Diskussion in Gang. Flankierend gibt es bescheidene physische Wege einer nuancierenden Stellungnahme: Zustimmung oder ihr Gegenteil werden mit einem ein Schritt vorwärts oder einem Schritt zurück markiert.

Sodann muss geklärt werden, wer dieses Wir ist. Weil es sechs Personen sind, die die Debatte führen, gibt es dazu sechs Ideen. Schnell zeigt sich aber, dass die Nein-Sager:innen durchaus auch hier und da ein überraschendes Ja im Köcher haben. Und natürlich umgekehrt. Merke: Argumente und Differenzierungen sind wichtiger als eindeutige Richtungsangaben. Und merke auch: Wenn mehrere Debattenteilnehmer durcheinander reden, drückt das zwar Authentizität und Spontaneität aus und dient der emotionalen Präsenz einzelner Anwesender, aber nicht der Wahrheitsfindung.

„13 Fragen“ in ZDFneo: Wohlgeordnet und umsichtig moderiert

Wenn dagegen nicht durcheinander geredet, sondern genau zugehört wird, entstehen Chancen, überzeugende Argumente gegen die eigene Meinung zumindest teilweise anzunehmen, auf jeden Fall aber zu würdigen. So entsteht auch die Chance, zu Kompromissen zu kommen. Wie all das geschieht, kann man in diesem Format relativ wohlgeordnet und umsichtig moderiert miterleben.

So viel zum formalen Ablauf.

Zur Sendung

Diversity for future! Brauchen wir eine Migrationsquote? Erste Folge der Online-Reihe „13 Fragen“ in ZDFneo. Sonntag, 20. Juni 2021, 23:15 Uhr

Es geht aber nicht nur um Umgangsformen, sondern auch um die inhaltlich relevante Frage der Migrantionsquote, um erlebte Diskriminierungs-Erfahrungen und um Vorschläge, wie sie vermieden werden könnten. Schnell zeigt sich, dass nicht einmal die drei, die für eine Migrationsquote sind, eventuell aufgrund einer solchen Quote irgendwo eingestellt werden wollten, als Migrationsquotenerfüller:in. Das wäre schließlich nur eine andere Ebene von Diskriminierung.

„13 Fragen“ in ZDFneo: Moderatorin Salwa Houmsi mit diskreter Zielstrebigkeit

Genauso schnell wird klar, dass im Zentrum Fragen des Zugangs zu Bildung und zu beruflichem Erfolg stehen. So ergibt sich als erste Kompromissformel, auf die sich alle sechs nachdrücklich nickend einigen: Bildung ist als Voraussetzung für jegliches Konzept gesellschaftlicher Gleichheit wichtiger als eine Quote, die eher eine polit-aktivistische Forderung wäre als eine Problemlösung. Mehrfach variiert taucht auch ein interessanter Gedanke auf, der in den kommenden Wahlkämpfen eine schillernde Rolle spielen wird: der des Verbotes. Warum verbietet man nicht einfach Diskriminierung und schafft dafür Beschwerdestellen und Sanktionen?

Oje. Da hört man im Geiste schon parteipolitisch motivierte Argumentationsmodelle, die in der Sendung zum Glück nicht vorkommen.

Unterhalb einer Verbots- und Sanktionierungsschwelle aber gäbe es eventuell auch Sensibilisierungs-Angebote und -Strategien. Moderatorin Salwa Houmsi steuert mit diskreter Zielstrebigkeit alle sechse auf ein System von Kompromissformeln. So funktioniert Demokratie, wenn sie formal und inhaltlich gelingt. Das ist erholsam, weil es zwangsläufig, und nicht nur bis zum 26. September, eine nervtötende Reihe von Vorführungen geben wird, in denen sie schlechter und unerfreulicher funktioniert. (Hans-Jürgen Linke)

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