TV-Kritik

ZDF-Talk bei Maybrit Illner: Bei einem Vorschlag muss selbst die Moderatorin lachen

  • Bettina Schuler
    vonBettina Schuler
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Bei Maybrit Illner im ZDF wird in der ersten Sendung nach der Sommerpause über die Corona-Pandemie diskutiert. Es geht um Markus Söder und die Zukunft des Karnevals.

  • In der ZDF-Talkshow von Maybrit Illner wird die Corona-Pandemie thematisiert
  • Es ist die erste Sendung von Maybrit Illner nach der Sommerpause
  • Zu Gast waren u.a. Malu Dreyer und Karl-Josef Laumann

In der ersten Sendung nach der Sommerpause geht es, wie könnte es anders sein auch bei Maybrit Illner, um die Corona-Pandemie. Ein Thema, das wie die Moderatorin selber zugibt, nicht besonders originell ist. Womit sie gleich die Beschreibung für den ganzen weiteren Verlauf der Talkshow mitgibt.

Denn wie nicht anders zu erwarten versucht sie als Erstes den beiden anwesenden Politiker*innen, Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz und Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Nordrhein-Westfalen schadenfrohe Kommentare zu den Test-Pannen in Bayern herauszulocken. Doch Laumann ist einfach nur froh, dass es nicht in NRW passiert ist und Malu Dreyer betont, dass man in dieser Situation zusammenhalten sollte. Dabei hätte man das angesichts des Macher-Gehabes von Markus Söder während des Corona-Lockdown ein bisschen Häme durchaus verstehen können.

Bei Maybrit Illner im ZDF wird über die Corona-Pandemie diskutiert.

ZDF: Gäste bei Maybrit Illner gehen nicht auf die brisanten Fragen ein

Selbst Ute Teichert, die Vorsitzende vom Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes erwidert auf die Frage, ob man sich zu spät darum gekümmert habe, was mit den Reiserückkehrern geschieht, dass „alle erstmal Lockerungen“ gebraucht hätten. Also gibt es auch vonseiten der Medizinerin keine Kritik. Keiner, so scheint es, will die Regierung ankreiden und alle sind sich einig, dass die deutsche Strategie aufgeht.

Stichwort zweite Corona-Welle, „Übertreibt die Bundeskanzlerin?“, fragt Maybrit Illner. Doch auch darauf springen weder Dreyer noch Laumann an. Und auch der anwesende Virologe Jonas Schmidt-Chanasit betont, dass die Strategie des kontrollierten Anstieges aufgehe und es im Gegensatz zu Frühjahr kein exponentielles Wachstum mehr gebe. Also versucht Illner es mit dem Begriff der Welle. Würde dadurch nicht der Bevölkerung suggeriert werden, dass der Virus kommt und geht und folglich auch gar nicht so schlimm ist? Wobei die Frage, ob der erste Lockdown die falsche Entscheidung gewesen ist, wie ein rosa im Elefant im Raum steht.

Maybrit Illner im ZDF: „Zweiter Lockdown nicht leistbar“, sagt Malu Dreyer

Doch Laumanns ehrlich Antwort, dass man bei den Bildern aus Italien einfach eine „riesen Angst“ gehabt habe und dass man, „wenn man Mitte März gewusst hätte, was man jetzt weiß“ sicher keinen Lockdown verhängt hätte nimmt auch dieser Frage den Wind aus den Segeln. Immerhin sagt Malu Dreyer, dass man sich Deutschland einen zweiten Lockdown nicht leisten kann. Aber auch das hat man schon vorher gewusst. Ebenso, wie dass es, so wie Dreyer fordert, dass bei den Hygienemaßnahmen endlich ein bundesweiter Rahmen gefunden werden muss, damit „jeder Bürger eine bessere Orientierung hat.“

Natürlich kommt auch das Thema Karneval zur Sprache, für das Malu Dreyer für den 11. November schon einmal eine ganz einfache Lösung hat: „auf Alkohol verzichten“. Da muss selbst Maybrit Illner lachen. Letztes Thema ist natürlich die Situation an den Schulen. Sollen die Kinder im Unterricht Maske tragen, ja oder nein? Erneut versucht Illner die Gäste zu spalten, doch selbst der Virologe, der sich für die Maskenpflicht ausspricht, gibt zu, dass bei dieser Entscheidung nicht nur medizinische, sondern auch soziologische Aspekte eine Rolle spielen.

Maybrit Illner: „Virus, Wissenschaft, Politik – viel gelernt, wenig getan?“

Die Sendung vom 20.08.2020 in der ZDF-Mediathek

Maybrit Illner im ZDF: Bundesweite Lösungen gefordert

Die Essenz am Ende ist, dass es dringend bundesweite Lösungen und einen Plan für die Herbstferien braucht. Das hat man schon vorher geahnt. Ansonsten rät Frau Maybrit Illner „Tief Luft holen. Es bleibt noch viel zu tun.“ Wie zum Beispiel für Fenster in den Schulen sorgen, die sich öffnen lassen. Denn das ist, so erfährt man in der Sendung, nicht an allen Schulen gegeben. Immerhin eine Neuigkeit. (Von Bettina Schuler)

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