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Markus Lanz moderiert Talkshow.
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Joe Biden war auch bei Markus Lanz ein Thema.

Polit-Talk

TV-Talk bei Markus Lanz: Donald Trump ist weg - und schon herrscht Harmonie

  • Rolf-Ruediger Hamacher
    vonRolf-Ruediger Hamacher
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Auch Markus Lanz kommt in seiner ZDF-Talkshow nicht um die Amtseinführung von Joe Biden herum.

  • Markus Lanz spricht mit seinen Gästen über die Amtseinführung von Joe Biden.
  • In der ZDF-Talkshow geht es zunächst eher harmonisch zu.
  • Zum Schluss wird mit der Corona-Krise auch noch ein heißes Eisen angepackt.

Die ARD brachte ein Tagesschau-Special, Phoenix berichtete live aus Washington - und so war es vorauszusehen, dass die Amtseinführung des 46. US-Präsidenten Joe Biden im Mittelpunkt der Talkshow von Markus Lanz stehen würde.

Und der aus Washington zugeschaltete Elmar Theveßen zog auch gleich ein positives Résumé dieses durch die Ereignisse vom 6. Januar so historisch gewordenen Tages: „Es herrschte geradezu Erleichterung über die Rückeroberung des Allerheiligsten, des Parlaments, und auch Freude darüber, dass der scheidende Präsident Donald Trump nicht dabei war, zumal viele auch befürchtet hatten, dass er sich dann möglicherweise schlecht benommen hätte.“

Markus Lanz beschäftigt sich mit der Amtseinführung von Joe Biden

Immerhin gaben alle noch lebenden Ex-Präsidenten (mit ihren Frauen) der letzten Jahrzehnte - bis auf den 96-jährigen Jimmy Carter - dem neuen Präsidenten die Ehre. Von den Repräsentanten der Republikaner waren immerhin Mike Pence und seine Frau gekommen, standen aber, wie Theveßen beobachtet hatte, immer „etwas abseits“.

Gäste bei Markus Lanz waren:

  • Claus Kleber, Heute-Journal-Moderator und langjähriger USA-Korrespondent der ARD
  • Marcel Fratzscher, Ökonom und Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung
  • Svenja Flaßpöhler, Chefredakteurin des „Philosophie Magazins“
  • und aus Washington zugeschaltet: ZDF-Amerikakorrespondent Elmar Theveßen

Die Anwesenheit von Kevin McCarthy, dem Fraktionsvorsitzenden der Republikaner und dem Mehrheitsführer der Republikaner im Senat, Mitch McConnell, die Joe Biden sogar Geschenke überreichten, bezeichnete Claus Kleber als Doppelmoral und erinnerte daran, dass Mitch McConnell („Ein perfekter Manager der Macht“) ja schon einer der Hauptwidersacher von Barack Obama war.

Dass man auch bei der Amtseinführung auf Widerstand der Trump-Fans vorbereitet war , zeigte schon der martialisch anmutende Aufmarsch der zum Schutz der Veranstaltung aufgebotenen 25.000 Nationalgardisten. Dass man selbst an deren Loyalität gegenüber dem neuen Präsidenten zweifelte, bewies die Tatsache, dass man 12 von ihnen noch kurzfristig aus dem Aufgebot herausgenommen hat, wie Theveßen berichtete.

Kleber und Theveßen betonen noch einmal den versöhnlichen Stil von Bidens Antrittsrede, der sich auf eine emphatische Rede des großen Abraham Lincoln („In diesem Gesetz steckt mein ganzes Herz“) beruft und seine Landsleute eindringlich beschwört: „Hört mir zu.“

Gäste bei Markus Lanz diskutieren über Trump und Biden

Und während Donald Trump mit Fans seinen eigenen Abschied feiert und auf die letzte Minute noch schnell Dutzende seiner politischen Weggefährten begnadigt hat, hat Joe Biden erste Zeichen für die Zukunft gesetzt: Angesichts von 400.000 Covid 19-Toten, so berichtet Theveßen, hat Biden eine Maskenpflicht angeordnet, will der Weltgesundheitsorganisation WHO wieder beitreten, hat ein 1,9 Billionen schweres Hilfspaket aufgelegt - was die Republikaner bisher verhindert haben - hat den Mieterschutz verlängert und will illegal eingewanderten Migrantenkindern eine US-Staatsbürgerschaft-Perspektive bieten.

Natürlich darf bei diesem Blick in die innenpolitische Zukunft nicht der auf seine zukünftige Aussenpolitik fehlen, die beim Klimaabkommen beginnt und bei Nordstream 2 nicht aufhört.

Ein kurzes Schlaglicht wirft Theveßen noch auf die Vereidigungsrede von Vizepräsidentin Kamala Harris („Die hat wohl den meisten Applaus bekommen“) , auf die man im Kampf für soziale Gerechtigkeit und gegen den strukturellen Rassismus in Justiz und Polizei baut. „Obwohl man nicht vergessen darf“, wie Kleber erinnert, „dass sie als Oberstaatsanwältin in Kalifornien ein harter Hund war“.

Marcel Fratzscher räumt dann zum Ende des „Washington-Blocks“ noch einmal mit der von Donald Trump geschürten Mär auf, der habe ein gute Wirtschaftspolitik gemacht („Die bestand hauptsächlich in der Steuerentlastung für Wohlhabende“). Für das Ansteigen der unteren Einkommen hatte ja schon der wirtschaftliche Aufschwung unter der Vorgänger-Regierung den Grundstein gelegt.

Markus Lanz (ZDF): Auch Corona wird zum Thema

Nach der doch eher harmonischen Diskussion über die Lage in Washington und die Erwartungen an den neuen US-Präsidenten, fasste die Philosophin Svenja Flaßpöhler („Ich lasse mich nicht behandeln, wie ein ungezogenes Kind“) mit dem Corona-Thema noch mal ein heißes Eisen an und machte sich noch einmal stark für eine Auseinandersetzung mit dem Schwedischen Modell, anstatt es als gescheitert zu verdammen: „Keiner kann wissen, welche Strategie sich am Ende als richtig herausstellt. Muss man nicht mal fragen, ob der Lebensschutz tatsächlich das gesellschaftliche Leben von vorneherein aussticht?“

Jetzt nimmt die Diskussion etwas Fahrt auf, sorgt sogar für Irritation, als Flaßpöhler die Studie eines deutschen Soziologen erwähnt, der herausgefunden haben will, dass der „Querdenker“-Bewegung überwiegend gebildete Leute angehören. Und noch einmal nach Schweden: Warum wird hier nicht wie dort über eine „Vision Zero“ nachgedacht, die die Anzahl der Verkehrsopfer drastisch senken soll ? „3000 Verkehrstote im Jahr sind uns wurscht !?“, beklagt Flaßpöhler.

Zum Schluss plädiert Fratzscher noch einmal dafür, Gesundheit und Wirtschaft nicht gegeneinander auszuspielen und spricht sich für eher restriktive Maßnahmen aus, um nicht wieder diesen Jo-Jo-Effekt zu erzeugen: „Meine große Sorge ist, dass dieser Strukturwandel Richtung Klimaschutz, digitale Transformation aber auch Transformation der Sozialsysteme sonst hinten herunterfällt.“

Da bleibt Markus Lanz nichts weiter übrig, als einer seiner Lieblings-Marotten zu frönen - und ein selbstredend „sehr empfehlenswertes“ neues Buch seines Talk-Gastes Fratzscher („Die neue Aufklärung“) dem Zuschauer ans Herz zu legen. (Rolf-Ruediger Hamacher)

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