Ein Personenschützer der Bundespolizei beim Einsatz in Bagdad in einer Szene aus der Dokumentation „Personenschützer - Im Angesicht der Gefahr“. Die ZDF-Doku ist eine spannende Zeitreise.
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Ein Personenschützer der Bundespolizei beim Einsatz in Bagdad in einer Szene aus der Dokumentation „Personenschützer - Im Angesicht der Gefahr“. Die ZDF-Doku ist eine spannende Zeitreise.

TV-Kritik

„Personenschützer – Im Angesicht der Gefahr“: ZDF zeigt spannende Leibwächter-Doku

  • Harald Keller
    vonHarald Keller
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Eine spannende Zeitreise: Die Reihe „ZDF-History“ widmet sich mit „Personenschützer – Im Angesicht der Gefahr“ der Geschichte des polizeilichen Personenschutzes. Die TV-Kritik.

  • Die ZDF-Doku über Personenschützer entführt den Zuschauer in eine spannende Zeitreise.
  • Nur ein persönlicher Einblick in die Gedankenwelt der Bodyguards fehlt etwas.
  • TV-Kritik zu „ZDF-History: Personenschützer – Im Angesicht der Gefahr“.

Gute Nerven sind gefragt, wenn man als Europäer ein Fahrzeug durch Bagdad steuern muss. Umso mehr, wenn man der Leibwache des dortigen deutschen Botschafters angehört. Verantwortlich für die Sicherheit des Gesandten ist die Dienststelle Polizeiliche Schutzaufgaben Ausland, kurz PSA. Eine Abteilung, die nur bedingt Einblick in ihre Tätigkeit gewährt. Der Filmautor Uli Weidenbach erhielt Gelegenheit, die Gruppe bei der Vorbereitung auf ihren dreimonatigen Einsatz in Bagdad zu begleiten.

TV-Kritik zu „ZDF-History: Personenschützer – Im Angesicht der Gefahr“: Eine Bombe für Adenauer

Die Identitäten der Personenschützer, die dem mittleren oder gehobenen Polizeivollzugsdienst entstammen und eine Zusatzausbildung absolviert haben, bleiben geheim. Vor der Kamera nennen sie sich „Tobo“ oder „Funky“. Echt sind die Namen des international erfahrenen Botschafters Ekkehard Brose, der zur Zeit der Dreharbeiten im Jahr 2014 für zwei Jahre die deutsche Vertretung im Irak übernahm und mittlerweile der Bundesakademie für Sicherheitspolitik vorsteht, und die der Zeitzeugen.

Weidenbach beginnt seine Geschichtslektion im Jahr 1951, als Leibwächter den damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer regelmäßig von seinem Wohnort Rhöndorf im Rhein-Sieg-Kreis in die frühere Bundeshauptstadt Bonn eskortiert wurden. Beschaulichere Zeiten waren das. Die Begleiter waren, so die heutige Einschätzung, „bewaffnete Kammerdiener“, die dem Kanzler schon mal die Aktentasche oder den Regenschirm abzunehmen hatten. Ungefährlich war ihr Job dennoch nicht. 1952 starb ein Sprengmeister, als er eine per Päckchen an den Kanzler verschickte Bombe zu entschärfen versuchte.

ZDF-Doku über Personenschützer: Die Schüsse auf Kennedy sind ein Schlüsselerlebnis

Ein Schlüsselerlebnis auch für deutsche Sicherheitsbeamte war das Attentat auf John F. Kennedy im Jahr 1963. Damals war es üblich, dass Politiker in offenen Limousinen durch die Straßen paradierten und dem Publikum zuwinken. Diese Praxis endete spätestens mit den Terroranschlägen der 1970er-Jahre. Ein Kapitel, auf das im Film ausführlich eingegangen wird.

Zwischen den historischen Kapiteln blendet Weidenbach immer wieder zu der PSA-Gruppe. Auf dem Trainingsgelände werden verschiedene Bedrohungsszenarien simuliert, anschließend analysiert. „Tobo“ und „Funky“ sprechen über ihr Selbstverständnis, die Kollegin Kerstin G. über Frauen im Personenschutz. Für Romantiker und Abenteurer ist dieser Beruf nicht geeignet. Dieter Fox, der der Sondereinheit GSG 9 angehörte, spricht klare Worte: „Bodyguards sind die, die frisch von der Sonnenbank kommen. Und der Personenschützer ist der, der mit Taktik, Intelligenz und Strategieempfinden seinen Auftrag durchführt.“

„ZDF-History: Personenschützer – Im Angesicht der Gefahr“, Sonntag (19.07.2020), 23:45 Uhr, ZDF

„ZDF-History: Personenschützer – Im Angesicht der Gefahr“: Die Persönlichkeit fehlt etwas

Zur Bebilderung einschlägiger Hollywood-Klischees zitiert Uli Weidenbach Wolfgang Petersens 1993er Leinwandhit „In the Line of Fire“ mit dem Hauptdarsteller Clint Eastwood. Ein denkbar schlechtes Beispiel, denn der Film basiert lose auf der Geschichte eines echten Personenschützers und entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Secret Service. Mustergültigen Hollywood-Kitsch hätte vielmehr Mick Jacksons „Bodyguard“ geliefert, ein Melodram aus dem Jahr 1992 Kevin Costner in der Titelrolle und Whitney Houston als Schützling.

Solche Abstecher zum Kinospielfilm sind ohnehin verzichtbar, denn das für den Beitrag erschlossene dokumentarische Archivmaterial hält weitaus spannendere Momente bereit.

Von den vorgestellten Personenschützern hätte man gern erfahren, warum sie diesen gefährlichen Beruf ausüben und was sie motiviert. Aber vielleicht fiel auch das unter die Geheimhaltungsvereinbarung. (Harald Keller)

Die Ausgabe „Mythen der Gegenwart“ der Reihe „ZDF-History“ verspricht die Entlarvung moderner Legenden. Allerdings fehlt es der Sendung dabei an Tiefgang.

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