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Ein 18-jähriges Mädchen verschwindet auf ihrer Backpacker-Tour über die neuseeländische Insel Waiheke spurlos. Detective Senior Sergeant Jessica Savage (Kate Elliott) wird auf den Fall angesetzt, und kommt dabei einer größeren Sache auf die Spur.

TV-Kritik

Zu viel Druck im Action-Kessel des ZDF-Thrillers

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Eine neue deutsch-neuseeländischen Krimiserie leidet unter zu vielen Thriller-Versatzstücken.

Eine rund einstündige Fährfahrt von Auckland ist Waiheke Island entfernt, wo man zwischen Weinreben spazieren kann wie im Rheingau und in der Abendsonne dinieren, während man übers Wasser auf Aucklands Skyline blickt. Eine friedliche Insel; allerdings (an dieser Stelle stellen Sie sich bitte vor: dräuende Musik) wurde sie nun Schauplatz der deutsch-neuseeländischen Krimiserie „The Gulf“, die unter dem Titel „Tödliche Bucht. Auckland Detectives“ zunächst drei Mal am späten Sonntagabend im ZDF läuft. Nichts ist es also mit Idylle, die Insel ein ominöser Ort mit schwer verdächtigen Menschen.

Die neuseeländische Kritik war recht optimistisch, dass sich das Land mit „The Gulf“ internationalen Fernsehkrimi-Standards nähert. Die deutsche Kritikerin hätte sich eher weniger internationale Angepasstheit und deutlich weniger Thriller-Versatzstücke gewünscht. 

Denken Sie an Nina Rubin aus dem Berliner Tatort

Das beginnt damit, dass die Hauptermittlerin Jess Savage heißt und so unberechenbar, rotzig und überkandidelt ist, wie der Name nahelegt. Denken Sie an Nina Rubin aus dem Berliner Tatort, nur in einer hohlwangigeren, leidenderen Version. Jess Savage tritt auch sofort mit einem Trauma und einer retrograden Amnesie an, ist sie doch mit dem Auto ins Meer gestürzt, ihr Mann ertrunken. 

Noch im Krankenhaus erfährt sie, dass ein Junge mit einer ihrer Visitenkarten (!) in der Hand wieder aufgetaucht ist, der seit Jahren für tot gehalten wurde. Und da sie den Fall einst bearbeitet hat und es sich schließlich um ihre Visitenkarte (!) handelt – Sie ahnen es – entlässt sie sich gleich selbst aus dem Krankenhaus und zieht los wie Jeanne d’Arc. Obwohl sie doch gefühlt noch alle zehn Minuten einen Flashback hat, der auch der Zuschauerin nie erspart bleibt: Alles taumelt, stürzt, die Scheibenwischer arbeiten, das Wasser strömt, das Auto versinkt, der Mann neben ihr kämpft um sein Leben … 

Abhängig von Schmerzmitteln

In Folge zwei, „Spurlos“, ist Jess Savage (Kate Elliott) schon von Schmerzmitteln abhängig und muss in Folge drei, „Gefährliche Nähe“, eine Substitution mit Methadon machen.

Die Macher von „Tödliche Bucht“ mögen es steil, sehr steil. Und düster, sehr düster. Kinder verschwinden, werden missbraucht,  tauchen Jahre später wieder auf. Junge Frauen tauchen nur als Leiche aus dem Meer wieder auf. (Manche) Cops sind korrupt. Und der Kollege, Ido Drent als DS Justin Harding, ist ein arroganter Blödmann. Dazwischen dreht Detective Savage immer mal durch. Und sowieso hat sie ein gestörtes Verhältnis zu ihrer Tochter. Und sowieso ist die Tochter schwanger. Und keinesfalls genügt ein Toter pro Folge. 

Die Autorinnen Donna Malane und Paula Boock lassen die Dinge sich gern überstürzen. Und alles mit allem zusammenhängen. Ein bisschen weniger Druck im Action-Kessel, alles eine Nummer kleiner, ein bisschen mehr Zeit, den Figuren Nuancen zu geben – und „Tödliche Bucht“ würde nicht manchmal wirken, als hake es die TV-Thriller-Checkliste ab, um auf dem internationalen Fernsehmarkt mitzuspielen.

„Tödliche Bucht. Auckland Detectives“, ZDF, So., 22.15 Uhr, Folge 1 „Aus dem Nichts“ am 22. September. Im Netz: ZDF Mediathek.

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