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Rubin (Meret Becker) – diesmal ganz kühl.

TV-Kritik

Berlin-Tatort: Ermittlung im Kreis der Blasierten – Meret Becker bleibt kühl wie eine Gurke

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Der Berlin-Tatort „Das perfekte Verbrechen“ ist kompliziert und einfach zugleich, keine ideale Mischung.

Das perfekte Verbrechen ist nur dadurch in die Kunst verbannt, dass es im wirklichen Leben nicht bemerkt wird. Da es perfekt ist. Ein großes Problem für eitle Mörder und auch Mörderinnen. Die Unerträglichkeit, dauerhaft zu schweigen, wenn der Plan doch so genial war: ein ebenfalls beliebtes Krimithema.

Die Berliner Tatort-Folge „Das perfekte Verbrechen“ von Michael Comtesse (Buch) und Brigitte Maria Bertele (Regie) dreht sich analog zu Alfred Hitchcocks „Cocktail für eine Leiche“ um eine besonders blasierte Schar von Pseudoelitestudenten. Allerdings ist die Gemengelage anders gemischt. Hier ein rätselhafter Mord, dort ein Quartett blasierter Jurastudenten, dazu ein fünfter, der ebenfalls im Club aufgenommen werden will. Wer im Club aufgenommen ist – ein irre kompliziertes Verfahren allerdings –, hat keine Karrieresorgen mehr, wie man an den glänzenden Augen des Jungen sieht, als er seine befremdete Freundin einweiht. Man hat stattdessen einen guten Anwalt und Freunde mit Jagdschein, Adelsprädikat, Kristallgläsern und reichen Eltern.

Der Club nennt sich selbst natürlich nicht Club. Man spricht Latein. Während es im Grunde nicht zu glauben ist, glaubt man es irgendwie doch. Dummheit und Bildung, das ist eben überhaupt kein schwarzer Schimmel.

„Das perfekte Verbrechen“: Mögen die Jungen blasiert sein, der Alte ist knallhart

Auf dem Gendarmenmarkt liegt nun also eine Tote, soeben in den Hinterkopf geschossen. Die handverlesenen Blasierten – Franz Pätzold, Johannes Scheidweiler, Lukas Walcher und Max Krause – fallen auf, weil sie den Seminarraum nutzen, aus dem geschossen worden sein muss. Der Blasierte in spe, Anton von Lucke, der die Sendung hindurch aus üblen Gründen noch ziemlich zusammengehauen aussieht, fällt ebenfalls auf. 

Drei der Blasierten und (l.) der Blasierte in spe.

Hat er nicht kurz vor dem Mord einen weiteren Probeauftrag der Blasierten erhalten? Außerdem fällt Peter Kurth sehr auf, großartig, ausgerechnet einen beliebten Schauspieler fürs Grobe in die Rolle des Alten Herrn zu stecken. Mögen die Jungen blasiert sein, der Alte ist knallhart. Denn alles ist zu hundert Prozent so, wie es in solchen Szenarien immer ist.

„Das perfekte Verbrechen“ ist als Tatort eine Abwechslung

„Tatort: Das perfekte Verbrechen“, ARD, Sonntag, 15.03.2020, 20.15 Uhr.

Während Ermittlerin Rubin, Meret Becker, kühl wie eine Gurke bleibt und nur einmal zum Fassadenklettern wirklich gefordert ist, engagiert sich Karow, Mark Waschke, überdurchschnittlich. Nicht nur, weil auch er im Lateinunterricht aufgepasst und einige Semester Jura studiert hat. Er ist auch deutlich provozierter durch die Blasiertheit der Blasierten. Insofern ist „Das perfekte Verbrechen“ ein Tatort über kleine Jungs, die sich streiten, wer schlauer ist. Und ein Tatort darüber, was uns (hier: die kleinen Jungs) zu Höchstleistungen motiviert. Neid, Eifersucht, vielleicht einfach bloß Ärger. 

„Das perfekte Verbrechen“ ist als Tatort eine Abwechslung, als Berlin-Tatort eine Ausnahme unter völligem Verzicht auf die klassische Berlin-Stimmung, als Krimi ist es ein recht schwaches Glied in einer Reihe edelster Konstruktionen. Wer im falschen Moment Erdnüsse holt, muss außerdem noch mal von vorne anfangen, um die Lösung zu verstehen.

Von Judith von Sternburg

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