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Transgender-Blumenladenbesitzerin Pauline.

„Polizeiruf: Zehn Rosen“

Die Sache mit dem Blumenstrauß

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Der Magdeburg-Polizeiruf „Zehn Rosen“ verheddert sich in einer wilden Geschichte.

Bei ihrem nun fünften Fall als Magdeburger „Polizeiruf 110“-Ermittler pendeln sich Claudia Michelsen als Doreen Brasch und Matthias Matschke als Dirk Köhler eigentlich sehr schön in der Mitte ein: Sie sind unberechenbar genug, um einen zu überraschen, aber nicht in Richtung psychopathisch, wie manche „Tatort“-Kollegen. Sie machen einige tiefschwarze Witze, aber im richtigen Moment können sie Einfühlsamkeit zeigen. Na ja, eher zeigt doch Brasch sie. Die beiden mögen sich vermutlich nicht wirklich, arbeiten aber einigermaßen gut zusammen. Und sie haben die gleiche Haarfarbe und die gleiche dezent, aber konstant schlechte Laune.

Dem Chef ist sein Schatten abhanden gekommen

Dagegen startet ihr neuer Fall nach einem Buch von Wolfgang Stauch konventionell und pendelt sich dann nicht richtig ein. Zuletzt muss er im Schweinsgalopp und – nennen wir es mal: originell zu einem Ende gebracht werden. Der Zuschauerin schwirrt der Kopf. Da helfen auch die recht stimmungsvollen Bilder nicht, die Regisseur Torsten C. Fischer immerhin findet.

Brasch nimmt ihrem Chef erstmal sehr übel, dass er sich auf eine andere Stelle beworben hat. So übel, dass ein teurer Strauß dunkelroter Rosen (der Chef hat 30. Dienstjubiläum) zuerst ihr Wutbegleiter sein, dann auf dem Autorücksitz vor sich hin welken muss. Felix Vörtler gibt Kriminalrat Lemp einerseits dickfellig, etwas phlegmatisch, andererseits als stilles Wasser. Man nimmt ihm erstmal ab, dass er nicht mehr hinter dem Schreibtisch sitzen mag. Ein bisschen hochtrabend ist allerdings, wie er es formuliert: dass ihm schon vor einer Weile sein Schatten abhandengekommen sei. Man sieht Doreen Brasch innerlich die Augen rollen. Dann nimmt sie Lemp die Rosen wieder weg.

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Diese hat sie – Achtung: es gibt in „Zehn Rosen“ mehr als ein Blumenstrauß-Indiz – in einem Laden gekauft, deren Besitzerin in Verdacht gerät, eine junge Frau ermordet zu haben; vor allem weil sie schon einmal bei einem ganz ähnlichen Mord verdächtig war. Damals jedoch nicht als Pauline (Alessija Lause spielt sie scharfkantig und doch auch feinnervig), sondern als Paul. Inzwischen hat er eine Geschlechtsumwandlung zur Sie abgeschlossen. Und irgendwie kam es damals nie zu einer Anklageerhebung, obwohl vieles gegen Paul Schilling sprach. Es besteht Bedarf, den damaligen Ermittler (André Jung kann in solchen Rollen herrlich undurchschaubar sein) zu befragen, der, Überraschung, kurz vor der Verrentung steht auf genau der Stelle, auf die Kriminalrat Lemp wechseln will. Die beiden sind außerdem, na so was, mehr oder weniger befreundet. Die Konstellation wird hier zu einem krassen Ende führen.

Überhaupt schlägt der Handlungshase viele Haken, weicht aber dabei keinem unglaublichen Zufall aus. Jede verdächtige Person kennt jede andere verdächtige Person. Jede verdächtige Person ist noch ein bisschen seltsamer drauf als die andere. Psychologe Wilke, Steven Scharf, gibt seinen küchenpsychologischen Senf dazu, nach dem es immer irgendwie an der Mutter liegt. Brasch steigt bei einem Verdächtigen ein und pfeift wieder mal auf jede gerichtliche Verwertbarkeit. Köhler legt sich mit einem Kampfhund an und muss einer Frau Doktor zwischen die Beine fassen. Brasch ignoriert den Chef, bis er „Noch bin ich hier!“ donnert. Zuletzt brauchen die drei einen Schnaps, das ist verständlich.

„Polizeiruf: Zehn Rosen“, ARD, So., 20.15 Uhr.

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