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Zwei Gäste waren zugeschaltet, der Rest hielt im Studio Abstand.

„Wir müssen ein wenig bösgläubig bleiben“

Corona-Krise bei Illner: MaiLab-Macherin legt sich mit Wissenschaftlern und Wirtschaftsbossen an

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Bei Bei Maybrit Illner im ZDF streiten die Gäste über die Corona-Lockerungen. Eine "MaiLab"-Youtuberin  teilt ordentlich aus.

  • Im ZDF wurde bei Maybrit Illner über Corona-Maßnahmen gestritten
  • Lockerungen oder Vorsicht war die Frage der Sendung
  • Die Fronten bei Illner waren verhärtet

„Deutschland macht auf – mutig oder riskant?“ lautete das Thema bei Maybrit Illner, also eine Variante von Anne Wills Thema am Sonntag und Sandra Maischbergers Sendung am Tag zuvor. Aber was sollen die Talkshows derzeit auch anderes bieten als gedämpft fröhliches Spekulieren. Dabei ging es in Illners Runde (ohne einen CDU-Politiker!) recht seriös zu. Doch kam es tatsächlich zu einem ansatzweise kontroversen Dialog zwischen dem Bonner Virologen Hendrik Streeck und der Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim. Sie tritt für ein extrem vorsichtiges Agieren ein; sie ist sicher, die Infektionszahlen werden wieder ansteigen, und je früher reagiert werde, desto leichter werde es sein, die Pandemie in Grenzen zu halten. Bislang habe der Virus immer noch ein exponentielles Wachstum. 

Corona-Lockerungen bei Maybrit Illner: Streeck und Nguyen-Kim im Zwist

Hendrik Streeck, dessen Name für die Studie über den Verkauf der Pandemie in Heinsberg steht, glaubt, dass wir anfangen müssten „mit dem Virus zu leben“. Er verteidigte die Studie, um deren Methodik und die Umstände der Veröffentlichung durch eine PR-Agentur es Debatten gegeben hatte. Streeck betonte, seine Kollegen und er hätten „Wissen generiert“ und es mitteilen wollen. So sei als Zwischenergebnis etwa der Verlust des Geschmacks bei Infizierten herausgekommen und dass eine lediglich 15-prozentige Chance bestehe, sich innerhalb der Familie zu infizieren. 

Aber auch wenn dergleichen nur als vorläufig gelten könne, so sei bei der Bevölkerung doch angekommen, dass man locker lassen könne, argumentierte Mai Thi Nguyen-Kim. Streeck beteuerte, das habe er selbst nie gesagt. 

Özdemir findet Mahnungen bei Maybrit Illner angemessen

Doch die Folge der von der Regierung nun beschlossenen Erleichterungen sind auf den Straßen zu spüren. Und so sah sich Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, genötigt darauf hinzuweisen, dass sie und ihr Land nicht gemeint sein konnten mit der Kritik von Kanzlerin Angela Merkel am zu „forschen“ Vorgehen einiger Länder. Und es sei richtig, Schritt für Schritt kleine Lockerungen anzugehen. Doch müssten wir „immer ein wenig bösgläubig bleiben“ und die „drei goldenen Regeln“ befolgen: Abstand halten, Hygiene beachten und Masken tragen. 

Auch Cem Özdemir, Bundestagsabgeordneter der Grünen und von einer Infektion genesen, fand Merkels Mahnung angemessen. Wenn die Vorturner locker ließen, sähen sich auch andere in einer solchen Haltung bestärkt. Im übrigen sei es besser, „demütig“ zu bleiben, da sich die Kenntnisse über das Virus ständig änderten. Nach eigenen Erfahrungen mit Home Office nutzte er die Gelegenheit, sich für die Digitalisierung stark zu machen, bei der Deutschland noch Entwicklungsland sei. So müsse sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern. „Und die liberale Demokratie hat ja gezeigt: Sie kann's.“ 

Für Diess wird die Sendung bei Maybrit Illner zur PR-Veranstaltung

Illner hatte auch Herbert Diess eingeladen. Doch der Vorstands-Vorsitzende von Volkswagen verwechselte die Runde mit einer PR-Veranstaltung. Er lobte sein Unternehmen für die Wohltaten, die es unters Volk gebracht habe und sang im übrigen das immer gleiche Lied der Bosse: Nun gelte es, „die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen“. 

https://www.fr.de/panorama/corona-verschwoerungstheorien-mailab-youtuberin-nguyen-kim-video-xavier-naidoo-zr-13776424.html

Von Daland Segler

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