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Michael Kretschmer bei Markus Lanz (ZDF): Der Ukraine-Krieg muss „eingefroren werden“

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Von: Tina Waldeck

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Michael Kretschmer bei Markus Lanz
Michael Kretschmer (rechts) bei Markus Lanz (links). © Screenshot ZDF

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer fordert bei Markus Lanz im ZDF mehr Pragmatismus beim Ukraine-Krieg.

Berlin - „Wie redet man mit jemanden, der nicht reden will?“, fragt Markus Lanz (ZDF) und lässt Michael Kretschmer (CDU-Ministerpräsident in Sachsen) gegen Nadine Lindner (Journalistin u. a. bei Deutschlandradio), Katrin Eigendorf (ZDF-Journalistin) und Prof. Volker Quaschning (Energieexperte) über die deutsche Abhängigkeit von Russland reden: Schuld sind natürlich immer die anderen.

Auf den Tag genau ein halbes Jahr dauert nun der Krieg in der Ukraine. Michael Kretschmer fordert da mehr Pragmatismus, denn: In den nächsten fünf bis zehn Jahren kann Deutschland nicht auf russisches Gas verzichten. Also muss seiner Meinung nach der Krieg „eingefroren werden“. Wie will er denn einen Krieg einfrieren, fragt Katrin Eigendorf konkret nach, denn sie selbst kann nur „Lebensmittel in ihrer Kühltruhe einfrieren.“ Was bedeutet es in einem laufenden Krieg den Forderungen nachzugeben? Die staatliche Souveränität der Ukraine aufzugeben und sie von Russland besetzten zu lassen, nur um die Ökonomie in Deutschland zu stützen?

Talk-Runde bei Markus Lanz im ZDF: Putin will keine Diplomatie

Katrin Eigendorf hat sechs Jahre in Russland gelebt und bekräftigt, dass Diplomatie nicht das ist, was Wladimir Putin will. Sie verweist auf die Rede des russischen Präsidenten im Bundestag 2001, die dieser sogar auf Deutsch gehalten hat, während er innerhalb seiner Landes schon dabei war, es „zu einem totalitären Staat umzuerziehen“. Warum hat das da niemand gesehen? Weil „man Russland nicht als das gesehen hat, was es ist.“

Eine Mischung aus Unwissenheit und Wunschdenken. Erst nach der „Zeitenwende-Rede“ von Olaf Scholz hatte sie die Hoffnung, dass jetzt vielleicht endlich begriffen wurde, mit wem sie es zu tun haben „und Konsequenzen daraus gezogen werden.“ Putin weicht von seiner „Maximalforderung keinen My ab“ und das bedeutet: Es kann viel geredet werden, aber es wird zu keiner Lösung kommen, denn alle „wollen verhandeln – bis auf Putin“.

Michael Kretschmer: Alles stehen in der politischen Verantwortung, um Frieden zu organisieren

Michael Kretschmer ist in der DDR aufgewachsen, er ist also auch jemand „der diese Russen erlebt hat“, erklärt er. Deutschland sollte sich „eine Anzahl von Verbündeten“ suchen: Länder, die auch „von dieser ökonomischen Verwerfung bedroht sind und kein Interesse daran haben, dass es so weiter geht.“ Aus seiner Sicht muss der Krieg „so schnell wie möglich“ beendet werden. Alles, was gerade passiert, ist in seinen Augen „ein wirtschaftlicher Niedergang“.

Russland hat zwar als Aggressor die erste Verantwortung „für alles“, und es „gibt keinen Grund, – auch keine billige Rechtfertigung – für diesen völkerrechtswidrigen Krieg“: „Aber wir alle sind Handelnde“, und vor allem bei jenen, die aktuell „in der politischen Verantwortung stehen“, sollte es die „erste Aufgabe sein, Frieden zu organisieren“, beruft er sich (wie auch die Ampel-Koalition) auf Willy Brandt (SPD).

Markus Lanz (ZDF): Kretscher schimpft – Preiserhöhungen von Gas und Strom seien „toxisch.“

Es braucht in seinen Augen wieder „eine Veränderung der politischen Grundrichtung“, aber das muss aus „der Mitte der Gesellschaft“ kommen und es mache ihm Sorgen, dass die aktuelle deutsche Politik es nicht schafft, sich auf eine „wirtschaftliche Art und Weise zusammenzuarbeiten“. Laut Michael Kretschmer wird „ein Energiesystem aus Sonne und Wind nicht funktionieren“, – die Preiserhöhungen von Gas und Strom seien „toxisch.“ Dagegen muss „man öffentlich das Wort erheben.“ Doch die Frage bleibt im Raum, wie er denn Wladimir Putin umstimmen will, der eben nicht verhandlungsbereit ist. „Es kann ja nicht sein, dass der erste Verlierer des Krieges der Klimaschutz ist“, versucht Michael Kretschmer eine absurd rhetorische Umschiffung von konkreten Lösungsansätzen.

Markus Lanz (ZDF) am 24. AugustGäste
Michael KretschmerCDU-Ministerpräsident in Sachsen
Nadine LindnerJournalistin u. a. bei Deutschlandradio
Katrin EigendorfZDF-Journalistin
Prof. Volker QuaschningEnergieexperte

Doch da spricht Prof. Volker Quaschning energisch Tacheles: Die alte Regierung hat ja „auf Öl und Gas gesetzt“, deshalb sei Deutschland nun von Importen aus Russland abhängig. Der Energieexperte bezeichnet die Energiepolitik der letzten 16 Jahre als „komplettes Totalversagen.“ In Sachsen wurde in diesem Jahr nur ein einziges Windrad gebaut – in dem Tempo „brauchen wir hundert Jahre, bis die Energiewende funktioniert.“

Markus Lanz (ZDF): Energiepolitik der letzten 16 Jahre war „komplettes Totalversagen“

Bei der neuen Regierung erkennt Prof. Volker Quaschning bei den vorgelegten Konzepten schon eher, wie es in den kommenden 15 Jahren gelingen kann, klimaneutral zu werden. Wenn er sich Michael Kretschmer anhört, hört er nur, wie dieser sich „im Prinzip vom Klimaschutz verabschiedet“ hat: Denn wenn er vorhersagt, dass Deutschland noch „zehn Jahre von Putins Gas abhängig“ ist, „dann treten sie damit sämtliche Klimaziele in die Tonne.“

„Diese Diskussion lässt sich wunderbar führen, wenn man in Berlin-Mitte wohnt“, aber die Menschen auf den Dörfern haben auch ein Mitspracherecht, blafft Michael Kretschmer zurück. Alle Gruppen müssen zusammenkommen, um eine Lösung zu entwickeln: „So würde ich das machen und so wäre es auch vernünftig.“ Punkt. Er ist immerhin Ingenieur, er möchte nicht, dass es „mit einer Deindustrialisierung endet.“ „Aber die Energie-Preise sind doch jetzt so hoch, weil sie keine Energiewende gemacht haben“, kontert Prof. Volker Quaschning erneut bei Markus Lanz (ZDF). In seinen Augen sind Michael Kretschmers Aussagen „nur eine Farce“. Da wird viel herumgeredet: Aber konkrete Ergebnisse passieren nicht. (Tina Waldeck)

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