Kreativ durch die Krise
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Kreativ durch die Krise

TV-Kritik

3sat-Doku „Kreativ durch die Krise“: Corona trifft auf Kunst

Die TV-Doku auf 3sat „Kreativ durch die Krise“ zeigt Künster, die sich von der Corona-Krise nicht unterkriegen lassen. Die TV-Kritik.

  • TV-Kritik zur Doku „Kreativ durch die Krise
  • Die Doku auf 3sat bringt den Zuschauern den durch Corona* hart getroffen Kulturbetrieb näher
  • In unterschiedlichen Ländern haben Künstler jedoch ganz verschiedene Probleme

Es geht zum Glück nicht um diesen zehnsilbigen Unternehmensberater-Aphorismus „Aus der Krise eine Chance machen“, der nun schon seit Jahren allenthalben nervötend aufgesagt wird. Es geht darum, dass Menschen, denen das Wasser ziemlich schnell bis an den Hals gestiegen ist, nicht untergehen, und es geht um die Frage, wie sie sich noch einige Zeit über Wasser halten können.

TV-Kritik: „Kreativ durch die Krise“ (3sat) – Die Corona-Zeiten sind hart

Denn die Zeiten sind hart, die aktuelle Pandemie hat weltweit den Kulturbetrieb hart getroffen, weil Kultur nun mal aus öffentlichen Ereignissen besteht und Öffentlichkeit zurzeit als Quelle von Ansteckungsgefahr gilt. Was also tun?

Die Dokumentation unternimmt eine kursorische Bestandsaufnahme der alarmierenden Zustände an verschiedenen Orten der Welt, die unterschiedlich betroffen sind. Im blank geputzten Singapur sieht man Kahchun Wong, den Chefdirigenten der Nürnberger Symphoniker, der vergleichsweise luxuriöse Probleme hat. Die Musiker des Nürnberger Orchesters scheinen auch keine allzu große Not zu leiden, sondern bekommen als Angestellte im Öffentlichen Dienst ihr Geld, beklagen Publikumsentzug und hoffen ungeduldig, bald wieder arbeiten zu können wie früher.

TV-Kritik zur TV-Doku „Kreativ durch die Krise“ auf 3sat: Was ist während Corona auf der Welt los?

Was aber ist los in Kenia, wo das kulturelle Leben ohnehin immer gegen Gewalt, Ungleichheit, gesellschaftliche Spaltung und Armut durchgesetzt und durchgehalten werden muss? In New York City, wo ein relevanter Teil des Kunstbetriebs der Vereinigten Staaten zu Hause ist und ein für unsere Verhältnisse erschreckendes Maß an staatlichem Desinteresse daran?

In Tel Aviv, wo unter dem eleganten Chic der Oberflächen tiefe gesellschaftliche Abgründe klaffen? In London, wo in den letzten Jahren alles privatisiert wurde, was nicht bei Drei auf den Bäumen war und wo nun die ausbleibenden Kulturtouristen große Löcher in alle Etats aller Kulturinstitutionen gerissen haben, die zu stopfen sich keine öffentliche Hand in der Pflicht sieht?

Die Pandemie hat viele Aktivitäten ausgebremst und zu einer ökonomischen Beruhigung auf dem ganzen Planeten geführt, aber die Ruhe ist irreführend. Denn erstens gibt es an keinem Ort tragfähige Ideen, wie man in der Ruhe produktiv weiter leben und weiter arbeiten könnte.

TV-Kritik: „Kreativ durch die Krise“ (3sat) – Die Wertschätzung der Politik in der Corona-Krise ist erschreckend

Und zweitens offenbart der Gesamtüberblick, den diese Dokumentation unternimmt, eine erschreckend geringe Wertschätzung der Kultur durch die Politik. Deutschland mit seiner vergleichsweise generösen öffentlichen Kulturförderung bildet hier die eine Seite eines Kontinuums, die fast ein wenig idyllisch wirkt vor dem Hintergrund der Erfahrungen, die Kulturschaffende in anderen Ländern zurzeit machen. 

„Kreativ durch die Krise“: 3sat, 13.06.2020, 19.20 Uhr.

Die Hölle, also das absolute Gegenteil unserer Idylle, findet sich in Brasilien. Dort scheint die Bolsonaro-Administration geradezu froh darüber zu sein, dass die Probleme, die sie mit einem innovativen Kulturbetrieb im Lande haben, sich gerade fast von selbst zu erledigen scheinen, weil der Kulturbetrieb und seine Exponenten verschwinden. Und die Zukunft ist so fern.

Von Hans-Jürgen Linke

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