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„Inas Nacht“: Immer noch politisch unkorrekt und provokant

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Von: Tina Waldeck

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Gastgeberin Ina Müller (Mitte) begrüßt zur 170. Folge von „Inas Nacht“ Torsten Sträter und Elena Uhlig.
Gastgeberin Ina Müller (m.) begrüßt zur 170. Folge von „Inas Nacht“ Torsten Sträter und Elena Uhlig. © NDR/Morris Mac Matzen

Ina Müller begrüßt in ihrer Talk- und Trink-Sendung „Inas Nacht“ zwei Gäste in der Hamburger Hafenkneipe „Zum Schellfischposten“.

Frankfurt - Es geht wieder los! Bei „Inas Nacht“ swingt Kabarettist und „Stilikone der Übergrößen“ Torsten Sträter elegant herein und wird sogleich von Ina Müller am Hals beschnuppert: Sie können sich riechen. Bereits zum dritten Mal ist er nun schon bei ihr zu Gast und trinkt auch schon mal Alkohol, da hat er mittlerweile dazugelernt: In dieser Sendung muss „man schon aus Prinzip trinken wollen“.

In der Corona-Zeit hat er Erfahrungen mit Auto-Kinos gemacht und auf dem Ikea-Parkplatz genauso ins Leere gesprochen wie jetzt bei „Inas Nacht“, denn anstoßen ist hier oft wichtiger als zuhören. „Das ist die letzte wirklich journalistische Sendung“, witzelt Torsten Sträter über den Mummenschanz. Er hat sich ein Batman-Auto bauen lassen, – als Kabarettist verdient man(n) offensichtlich gut –, er liebt den Superhelden: An Halloween geht er auch im Kostüm raus. Kann er mit allen Utensilien nicht nach Hamburg ziehen, fragt Ina Müller sehnsüchtig. Einmal mit Batman betrunken um die Häuser ziehen: Lifetime Goals.

Ina Müller begrüßt bei „Inas Nacht“ in der ARD den Kabarettisten Torsten Sträter

Aber langsam ist es wirklich Zeit für Musik. Frank Sinatra hört ihr Gast gerne, auch klassische Musik. „Im Batman-Kostüm?“ „Du musst davon herunterkommen“, scherzt Torsten Sträter. (Nicht nur davon.) Auch Gregory Porter mag er gerne: Dieser war auch schon 2016 bei „Inas Nacht“ zu Gast und diese erinnert sich, aber sie liebt auch Lola Young, die sie nun ankündigt. Ina Müller liebt die Musikerin auch „für das Dingelchen, was sie da in der Nase hat“, aber zu Schönheitsidealen kommt sie später nochmal.

Inzwischen gesellt sich Schauspielerin Elena Uhlig dazu, die eigentlich keinen Alkohol trinkt, aber „sie ist so nervös, dass sie trinken möchte“. Die beiden umarmen sich und tänzeln herum, so wie „damals in den 90ern“. Hat sie Torsten schon begrüßt, – also beschnüffelt? Inas Parfüm ist extra aus Indien importiert: „Wie Weihnachten, nur in sexy“, mutiert der Kabarettist im Verlauf der Sendung immer mehr zum erfreulichen Sidekick.

Zu Gast in der 170. Folge von „Inas Nacht“ (ARD) im Ina Müller

Torsten SträterKabarettist
Elena UhligSchauspielerin
Lola YoungMusik-Act
Teddy SwimsMusik-Act

„Inas Nacht“ (ARD): Schauspielerin Elena Uhlig war auch mal ein „dünner Schuss“

Ein Teenie-Splatter-Movie war der erste (Kino)Film von Elena Uhlig und Torsten Sträter betreibt mit zwei Freunden einen Film-Podcast, also kennt er ihn möglicherweise: „Swimming Pool, der war total beschissen.“ „Die Deutschen haben generell eine unselige Geschichte, was Horrorfilme angeht.“ Vielleicht doch lieber zu Liebesfilmen wechseln? Mit Torsten (als Batman?) einen zu schauen, stellt sich Ina Müller genial vor, bevor sie von den dortigen (Sex)Klischees direkt wieder zurück auf das Schönheitsideal von Frauen kommt: Immerhin war die bekennende Legasthenikerin Elena Uhlig auch mal „ein dünner Schuss“ und wog dreißig Kilogramm weniger. Aber in 24 Jahren soll das Rubens-Modell ja wieder modern sein (hat Ina gelesen), doch „dann sind wir tot“, das findet sie „so scheiße“.

Über zu viel Gewicht muss die Moderatorin sich doch keine Sorgen machen, findet Elena mit einem Seitenblick und greift sich dann demonstrativ an ihre Speckröllchen: Sie würde sich auch für den Playboy ausziehen, „da würde ich zeigen, wie geil ich bin“, aber nur, wenn sie nicht retuschiert wird. Passend dazu kommt nun Teddy Swims mit einem wunderbar performten (You Look) „Amazing“ und verkörpert das in seiner Art phänomenal authentisch. „Never change a running system“ in dem Kneipen-Flair, das langsam alt wird und am Zeitgeist vorbeischrammt, aber sich mit solcher Musik feinen frischen Wind hineinholt.

„Inas Nacht“ (ARD): Fremdschämen, Belustigung und immer wieder Hamburger Charme

„Eigentlich hab ich gar keine Lust“, aber Ina Müller macht das eben, „weil wir das ja immer so machen.“ In einem Nebensatz wirft die Moderatorin das Problem der repetitiven Sendung lose wie alles andere in den Raum. „Man wird älter, man wird fauler.“ Mit etwas angestaubtem Sex-Appeal will „Inas Nacht“ immer noch provokant und politisch unkorrekt sein: Immer noch bedient sich die Sängerin gekonnt einem bestimmten Niveau.

„Inas Nacht“ mit Torsten Sträter und Elena Uhlig

11. August 2022, ARD, zu sehen in der Mediathek (Video verfügbar bis 11.08.2023)

Zwischen dieser mit Alkohol eingebrannten Authentizität ist es manchmal Fremdschämen, manchmal Belustigung und immer wieder Hamburger Charme innerhalb der genormten Lokalität, mit grandiosen (kurzen) Performances, die diese Sendung immer noch (schwankend) durch die Nacht tragen. (Tina Waldeck)

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