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Jessica Kosmalla II: Getröstet von Falke.

Tatort

Der Tatort „Die goldene Zeit“: Als man gern mal auf die Regeln pfiff

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Der Hamburg-Tatort „Die goldene Zeit“ lässt Falke mal kurz nostalgisch werden, aber die Gegenwart ist böse.

  • Hamburg-Tatort mit Wotan Wilke Möhring und Franziska Weisz
  • Falke wird ganz weich ums Herz angesichts des „alten Kiezkaters“ Lübke
  • Tatort nimmt sich Zeit für die Beziehung zwischen Lübke und Matei

War das eine goldene Zeit, als der junge Falke vom Kiez-Durchblicker Lübke unter die Fittiche genommen wurde? Als er mit seinem Kumpel Mehmet die „Billstedter Milch“ erfand, ein Glas Milch mit einem Klaren drin, denn den Alkohol sieht man der Milch nicht an. Als sie alle Katharina begehrten, Hure mit Herz. Jedenfalls war es eine lässigere Zeit, eine, die gern mal auf Regeln pfiff. Falke, Wotan Wilke Möhring, diesmal ziemlich wehmütig drauf, muss seinen Ex-Ersatzpapa Lübke trotzdem erinnern: „Wir haben nicht mehr 1990“. Man sieht förmlich das Ausrufezeichen.

Tatort „Die goldene Zeit“: Zwei Dinge stehen im Mittelpunkt

Zwei Dinge stellt der neue Tatort „Die goldene Zeit“ mit Möhring und Franziska Weisz als cooler, jedenfalls meist einen kühlen Kopf behaltender Julia Grosz in den Mittelpunkt: den Hamburger Kiez und ein hoffnungsloses Kind, das für kleines Geld (2000 Euro) einen Mord begeht, um Zuhause in Rumänien einen „TV für Tata“, einen Fernseher für seinen Vater kaufen zu können. Bogdan Iancu spielt diesen Jungen namens Matei kalkulierend („ich Profi“) und liebebedürftig, naiv, ein bisschen psychopathisch aber auch anhänglich wie ein Hundchen, außerdem dünn, blass, extrem hibbelig – er braucht Drogen, um zu tun, wofür er engagiert wurde. 

Und das ist im Buch Georg Lipperts, in der atmosphärisch kraftvollen Regie Mia Spenglers die Ermordung eines Luden. Möhring, Weisz und Lübke tippen angesichts des Toten zügig auf die albanische Mafia, die das Puff „Lovedome“ gern übernehmen würde. Der junge schneidige, vielleicht etwas über-coole Boss der Albaner tut nichts, um den Verdacht nicht auf sich zu lenken. „Ich tu, was nötig ist“, sagt er, ehe er Falke und Weisz höflich rausschmeißt. 

Tatort „Die goldene Zeit“: Kiezkater und Kind

Falke wird, wie gesagt, ganz weich ums Herz angesichts des „alten Kiezkaters“ Lübke, der Kneipe, die noch so aussehen dürfte wie vor 30 Jahren, der Erinnerungen an Mehmet, der angeblich nach Griechenland gegangen ist. Lübke, ein wuchtiger Michael Thomas, hat’s schon auch mit der guten alten Zeit, noch mehr aber mit dem Aufräumen, sprich Dreinschlagen, „geht sonst alles den Bach runter“. 

Das will schon auch sagen: Es geht wegen der ausländischen Zuhälter, Drogenhändler, Schutzgelderpresser den Bach runter; der einheimische Lude ist da irgendwie nicht so schlimm. Für dessen Familie hat Lübke gearbeitet, von denen fühlt er sich gebraucht, immer noch – außer von der schnäubischen Schwester des Ermordeten, die einmal zu oft betont, dass sie das Geld aus dem „Lovedome“ für ihre Stiftung zugunsten musikalischer Talente nicht braucht. Da gerät dieser Tatort in eine schon allzu ausgebaggerte Fahrrinne.

Dafür nimmt sich dieser Tatort Zeit für die Beziehung zwischen Lübke und Matei, die lange auf einer mörderischen Kippe steht. Die beiden haben keine Chance, aber sie nutzen sie. Falke freilich muss am Ende die Scherben zusammenkehren, die Hure trösten – und erfahren, dass Mehmet keineswegs in Griechenland in der Sonne liegt.

Von Sylvia Staude

„Tatort: Die goldene Zeit“, ARD, Sonntag, 09.02.2020, 20.15 Uhr.

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