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Frank Capra Arte Portrait
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Drei Oskars und sechs Nominierungen erhielt Frank Capra in den 1930er-Jahren. Arte zeigt nun ein Porträt des Filmemachers.

Frank Capra

TV-Kritik: „Frank Capra – Der amerikanische Traum eines Cineasten“ auf Arte

  • Harald Keller
    vonHarald Keller
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Vom Gelegenheitsarbeiter zum Erfolgsregisseur: Ein Arte-Porträt der bis heute einflussreichen Filmlegende Frank Capra führt zurück in Hollywoods goldene Ära.

  • Arte zeigt ein Porträt des Filmemachers Frank Capra und dessen bewegten Lebens.
  • Capra verstand es wie kaum ein anderer, Tragik und Komödie zu verbinden.
  • Als Beiprogramm bringt Arte einen der bekanntesten Filme von Frank Capra.

Es gibt nicht viele Regisseure, deren Name eine filmische Stilrichtung definiert und dabei einem Markenzeichen gleicht. Wenn Cinephile den Begriff „capraesk“ verwenden, ist klar, was gemeint ist. Mehr noch: Man hat unversehens markante Filmbilder vor Augen. Claudette Colbert, wie sie vor dem Augen eines zutiefst verblüfften Clark Gable den Rock hebt, um ein Auto zum Anhalten zu bewegen. James Stewart, der im US-Senat eine Marathonrede hält. Cary Grant, der im Wohnzimmer seiner beiden liebenswürdigen, aber mordlustigen Tanten eine Leiche entdeckt. Oder nochmals James Stewart, im Winter auf einer Brücke über einem reißenden Fluss, dem Freitod nahe.

Das Porträt bei Arte zeigt: Frank Capra war zu mutig für seine Zeit

Komik und Tragik liegen oft nah beieinander in den Spielfilmen des 1991 verstorbenen Hollywood-Regisseurs Frank Capra. Schon früh hatte er erkannt: Wenn die Zuschauer lachen, sind sie empfänglicher für tiefgründigere Inhalte. Belohnt wurde das Publikum zudem verlässlich mit einem Happyend. In dem 1933 nach einem Roman von Grace Zaring Stone gedrehten Melodram „The Bitter Tea of General Yen“ wich Capra ausnahmsweise von der bewährten Regel ab – die Liebenden werden getrennt, der männliche Teil des Paares findet den Tod. Deshalb und weil Capra und sein Drehbuchautor Edward E. Paramore Jr. es wagten, die für Hollywood-Filme geltenden Rassenschranken zu durchbrechen, wurde der Film trotz aller künstlerischen Meriten ein Flop. Capras Hoffnung auf eine Auszeichnung bei der folgenden Oscar-Verleihung erfüllte sich nicht. Noch nicht.

Claudette Colbert und Clark Gable wollten nicht mit Frank Capra arbeiten

Der Triumph gelang ihm zwei Jahre später mit einem Film, dem weder die Produzenten noch die Hauptdarsteller besondere Bedeutung beigemessen hatten. Namhafte Stars lehnten die Mitwirkung ab. Claudette Colbert und Clark Gable sagten widerwillig zu und waren bei den Dreharbeiten nur halb bei der Sache. Es schien, als sollten sie recht behalten. Die Columbia Pictures sparten bei der Werbung, die ersten Einspielergebnisse waren mäßig.

Dann geschah eines dieser Filmwunder. „Es geschah in einer Nacht“, stilbildend als eines der ersten Roadmovies, machte die Runde in kleinen und ländlichen Kinos und kam dort bestens an. Mund-zu-Mund-Propaganda verhalf der Komödie zu einem Aufschwung auch in den Premierenkinos und machte sie zu einem Kassenknüller. Die Branche erkannte die handwerklichen Qualitäten – 1935 war „Es geschah in einer Nacht“ mit fünf Auszeichnungen der große Gewinner bei den Academy Awards. Inklusive Oscars für die beiden widerspenstigen Hauptdarsteller Claudette Colbert und Clark Gable.

Durch Zufall kam Frank Capra ins Filmgeschäft

Dieser umfassende Erfolg verdankte sich allerdings nicht allein den günstigen Umständen. Er basierte auf enormem handwerklichen Können und einem ausgeprägten Verständnis der Filmkunst, wie die Autoren Patrick Glâtre und Dimitri Kourtine in ihrem exzellenten Filmporträt aufzeigen. Auch die Biografie Capras, der 1897 als Francesco Rosario Capra auf Sizilien geboren wurde, und als fünfjähriger Migrant in die USA kam, blieb nicht ohne Auswirkung auf seine Filme. Capras Familie, die Eltern waren Analphabeten, lebte in sehr bescheidenen Verhältnissen und litt unter Ressentiments.

Francesco Capra finanzierte Schule und Ingenieursstudium mit Gelegenheitsarbeiten. Nach dem Abschluss diente er kurz in der Armee und hielt sich anschließend erneut mit wechselnden Tätigkeiten über Wasser. Eine davon führte ihn in ein kleines Filmstudio. Ein Metier, in das er in den kommenden Jahren immer wieder zurückkehren sollte. Er erlernte das Handwerk, von der Requisite über den Schnitt bis zur Regie, schrieb Handlungsentwürfe und Gags. Zehn Jahre später war er einer der gefragtesten Regisseure Hollywoods.

Zur Sendung

„Frank Capra – Der amerikanische Traum eines Cineasten“, Dienstag, 29.12.2020, 22:20 Uhr, Arte, Mediathek (verfügbar bis 26.02.2021)

Die fantasievoll ausgeschmückte Memoiren von Frank Capra

Patrick Glâtre und Dimitri Kourtine beginnen ihren Film mit einem liebevoll gestalteten monochromen Vorspann im Hollywood-Stil der Vierzigerjahre. Einleitend nehmen sie Bezug auf Frank Capras Autobiografie „The Name Above the Title“, machen aber verdienstvollerweise gleich deutlich, dass Capra auch in seinen Memoiren seinem erzählerischen Talent freien Lauf ließ. Da ist so manches ohne Rücksicht auf die Wahrheit auf szenische Wirkung hin geschrieben, was die Autoren sanft und sympathisierend korrigieren. Für sich schon ein spannender Aspekt.

Aber auch ohne kunstvolle Dramatisierung liefern Frank Capras Leben und sein Schaffen Stoff für einen fesselnden Film. Der Aufstieg aus einfachsten Verhältnissen, seine zahlreichen filmtechnischen Innovationen, die Rückschläge. Zeitlebens kämpfte Capra mit Depressionen, in der McCarthy-Ära wurde er kommunistischer Umtriebe verdächtigt und reagierte auf unrühmliche Weise. Kundig arbeiten Glâtre und Kourtine wiederkehrende Motive heraus, machen auch für Laien anschaulich, wo Capra dem filmischen Erzählen zu neuen Impulsen verhalf, wie er seine Exzellenz erlangte.

„Ist das Leben nicht schön?“ von Frank Capra als Beiprogramm bei Arte

Angesichts der Laufzeit von 52 Minuten ein dicht gepacktes Porträt. Nachvollziehbar, dass Capras nicht unbedeutendes Verhältnis zum Katholizismus zu kurz kommt und der Capra zugeschriebene Patriotismus nicht ausreichend diskutiert wird. Weniger verzeihlich: Wenn die Autoren Capras mählichen Rückzug aus dem Filmgeschäft in den Fünfziger- und Sechzigerjahren skizzieren, lassen sie seine Tätigkeit für das aufkommende Fernsehen völlig unerwähnt. Der studierte Ingenieur drehte eine Reihe unterhaltsamer animierter Dokumentarfilme, die nach der TV-Auswertung als Lehrmaterial ausgegeben wurden und in dieser Sparte ebenfalls nicht ohne Einfluss blieben. Da scheint ein gewisser Snobismus an, der dem Kino einen höheren künstlerischen Rang zumisst als dem Fernsehen, obwohl doch beide in den USA seit je wirtschaftlich eng miteinander verschränkt sind.

Als Ergänzung zeigt Arte vorab um 20:15 Uhr Capras erfolgreiche weihnachtliche Tragikomödie „Ist das Leben nicht schön?“. Verständlich, aber der Blick auf das Werk hätte sich eher durch seine selten gezeigten Spielfilme weiten lassen, darunter der Abenteuerfilm „Das Luftschiff“ und das Erwachsenenmärchen „In den Fesseln von Shangri-La“. Historisch interessant wären die während des Zweiten Weltkriegs im Militärdienst produzierten Propaganda- und Aufklärungsfilme gewesen, darunter der von Ernst Lubitsch übernommene „Here Is Germany“ und „Your Job in Germany“. (Harald Keller)

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