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Eric Burdon im Jahr 2009.

„Eric Burdon – Rock’n’Roll Animal“, Arte

Eric Burdon: Die authentische Stimme

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„Rock’n’Roll Animal“, ein vielfältiger Film über Eric Burdon.

Newcastle upon Tyne im Nordosten Englands war geprägt von seinen Werften, eine Arbeiterstadt, raues Klima, hartes Leben. Doch aus dieser Umgebung stammen einige der wichtigen Künstler der britischen Rockmusik: unter anderem Mark Knopfler, Sting und, als Vorreiter, Eric Burdon. Der besang die Drangsal der Jugend Anfang der sechziger Jahre in „We gotta get out of this place“: „In diesem dreckigen Teil der Stadt, wo die Sonne sich weigert zu scheinen, sagen mir die Leute: Versuch’s erst gar nicht. Wir müssen hier raus, und wenn es das Letzte ist, was wir tun.“ Eric Burdon, Jahrgang 1941, gelang es. Der österreichische Musik-Experte Hannes Rossacher widmet dem Gründer der Band The Animals ein einstündiges Porträt, und auch wenn er sich sehr vom Fabulieren des alten Herrn betören lässt, ist dieser Rückblick auf knapp 60 Jahre Musikgeschichte sehenswert.

Der heute 77-Jährige, in diesem Film stets wie ein juveniler Rocker in schwarzer Lederjacke und Hoodie, erinnert sich an seine ersten Auftritte im örtlichen Jazzclub, mit Erlaubnis seines Vaters, bis halb elf dort zu bleiben, an eine Begegnung mit dem Marihuana rauchenden Louis Armstrong, und hat überhaupt viele schöne Geschichten zu erzählen, deren Wahrheitsgehalt wohl nicht unbedingt einer kriminalistischen Recherche standhalten würde...

Keine Tantiemen für den Superhit

Aber was man Eric Victor Burdon glauben kann: „Ich war verrückt nach Musik“. Er imitierte zunächst einen als weinerlich geltenden Sänger namens Johnny Ray, aber bald wurde er zu dem „Shouter“, als der er mit den Animals bekannt wurde. Kollegen überschütten ihn geradezu mit Lob: Er sei die „authentische Stimme des Arbeiters aus Newcastle“ gewesen, findet Sting. Und für Bruce Springsteen bildet der Text von „We gotta get out of this place“ alles ab, worüber er jemals gesungen habe.

Die Animals, mit denen er seinen Ruhm begründete, waren allerdings nur eine kurze Episode in Burdons Karriere. Denn die Band trennte sich, nachdem Alan Price die Tantiemen für ihren Welthit „The House of the Rising Sun“ allein eingestrichen hatte. Er könnte Price noch heute dafür umbringen, grollt Burdon: „Ich kann nicht glauben, dass wir’s vermasselt haben.“

Autor Rossacher setzt seinen Helden in abwechslungsreiche Bildgestaltung – auch wenn er arg der unter Dokumentaristen eigentlich verpönten Methode frönt, zum Text das entsprechende Bild zu zeigen. So ist tatsächlich ein Ei zu sehen, als Burdon erzählt, er sei der „Eggman“ in „I Am the Walrus“. Aber von Anekdoten dieser Art und Burdons Erinnerungen an Kollegen wie Jimi Hendrix („ließ mich nicht an sich rankommen“) oder die Flower-Power-Bewegung von Haight Ashbury („San Franciscan Nights“) lebt dieser Film, der die weniger erfolgreichen Jahre nach der Zusammenarbeit mit War ausspart und auch darin seine Sympathie für diesen Überlebenden des Rock dokumentiert.

„Eric Burdon – Rock’n’Roll Animal“, Arte, 22.05 Uhr.

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