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"Ein starkes Team - Abgetaucht": Stefan (Fabian Busch) liegt auf einer heruntergekommenen Matratze in einem Keller. Frau Möbius (Ursula Werner) zielt mit einer Schrotflinte auf ihn.

TV-Kritik „Ein starkes Team“ 

Ein Miethai macht den letzten Atemzug

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Das ZDF zeigt den dreißigsten Film der erfolgreichen Krimireihe „Ein starkes Team“. Die TV-Kritik. 

In seinen besten Zeiten prägte der US-amerikanische Journalist und Schriftsteller Tom Wolfe das schöne Wort von der „Totem-Zeitung“. Gemeint waren Zeitungen, „die die Leute nicht kaufen, um sie zu lesen, sondern um sie zu haben, sie physisch zu besitzen, weil sie sich von ihnen in der eigenen Lebensauffassung bestätigt fühlen.“ Eine Filterblase, schon anno 1963 … Lange ist es her, die Zeitungen als solche haben an Prestigewert verloren. Ganz ähnlich könnte man heute von Fernsehserien sprechen. Von jenen, die man gesehen haben muss, die man gesehen haben sollte. 

Zumindest nach Meinung tonangebender Kreise. Einige dieser Serien sind kanonisiert und genießen offenbar Immunität gegenüber kritischen Einwänden. Jedenfalls liest man wenig über die krassen Logikmängel in der Serie „Kommissarin Lund – Das Verbrechen“, dass „Breaking Bad“ mindestens eine Staffel zu lang geriet oder dass „Deutschland ’83“ in den USA in der Spitze von 143.000 Zuschauern verfolgt wurde. Also kein „Riesen-Erfolg!“ war, wie „Bild“ reißerisch titelte und wie es bis heute in ähnlichem Sinne immer wieder kolportiert wird. Die RTL-Action-Serie „Alarm für Cobra 11“ übrigens wurde auch in die USA verkauft. Die 23. Staffel läuft dort derzeit mehrmals wöchentlich, dienstags zur Hauptsendezeit, synchronisiert auf dem spanischsprachigen Sender Vme.

TV-Kritik „Ein starkes Team - Abgetaucht“ (ZDF): Morde für Millionen

Die ZDF-Krimireihe „Ein starkes Team“ gehört nicht zu den ‚Totem-Serien’. Aber sie genießt den Zuspruch des Publikums. Nach ZDF-Angaben stieg deren Zahl sogar mit den letzten Ausgaben, mitunter bis über sieben Millionen. Auch Wiederholungen werden gerne gesehen. Ein erstaunliches Phänomen bei einer Reihe, die seit über fünfundzwanzig Jahren ausgestrahlt wird, mittlerweile achtzig Folgen umfasst und mehrere Personalwechsel unbeschadet überstanden hat. Die Jubiläumsepisode wurde von Leo P. Ard alias Jürgen Pomorin verfasst. Er zählt zu den Stammautoren des Formats, das ursprünglich auf Krystian Martinek und Neithardt Riedel zurückgeht. 

Nur eine Teil-Kontinuität, denn im Laufe der Jahre haben über zwanzig Autorinnen und Autoren Drehbücher zugeliefert, Grimme-Preisträger darunter, auch vielbeschäftigte Routiniers. Im Rückblick zeigt sich die Reihe entsprechend disparat. Es gab hochkarätige Filme wie „Der Verdacht“, in dem die frühere Hauptfigur Verena Berthold, dort besonders intensiv verkörpert von der mittlerweile verstorbenen Maja Maranow, der Fahrerflucht bezichtigt wurde. Und andere, denen man mehr Gehalt und Originalität gewünscht hätte.

TV-Kritik „Ein starkes Team - Abgetaucht“ (ZDF): Auf der Höhe der Zeit

Eines der Merkmale der Reihe, die sich oft als Stärke erweist, sind die jeweiligen aktuellen Bezüge. Im Film „Abgetaucht“ machen die Ermittler und auch das Faktotum Sputnik (Jaecki Schwarz) leidige Erfahrungen mit dem Berliner Wohnungsmarkt. In einer Therme wird ein Notar tot aufgefunden, der beruflich mit der Diensberg Immobiliengesellschaft im Bunde war. Ein Traditionsunternehmen, das aber, wie sich alsbald zeigt, seit jüngerer Zeit in zweifelhafte Geschäfte verwickelt war. Stefan Kopp, ein entlassener Angestellter der Firma, hatte Beweise für die Vergehen gesammelt. Nur gilt er als Mörder des Rechtsanwalts und befindet sich auf der Flucht. Kriminalhauptkommissarin Linett Wachow, von Hauptdarstellerin Stefanie Stappenbeck mit einer sympathischen, im deutschen Fernsehen eher raren Natürlichkeit ausgestattet, kennt Kopp aus gemeinsamen Schweriner Zeiten. 

Er hat ihr einmal das Leben gerettet. Das bringt sie in schwere Gewissensnöte und auch in Konflikt mit ihren Kollegen und dem stets überkorrekten Kriminalrat Reddemann (Arnfried Lerche). Wie immer gibt es ein paar Humortupfer, die meist dem grantigen Publikumsliebling Otto Garber (Florian Martens) und seinem alten Kumpel Sputnik zugeschrieben werden. Hier erfreulich dezent eingearbeitet, nicht buffonesk ausgestellt. Regie führt bei diesem Film Roland Suso Richter. Die Bildgestaltung ist ambitioniert, aber nicht extravagant. Experimentelle Ausschweifungen darf man von dieser Reihe auch weiterhin nicht erwarten, wohl hingegen solide Krimikost. Augenscheinlich etwas, was ein Gros des Publikums goutiert.   Von Harald Keller

„Ein starkes Team: Abgetaucht“, Samstag, 4.1.2020., 20:15 Uhr, ZDF

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