Donna Leon (ARD): Kommissar Brunetti verabschiedet sich.
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Donna Leon (ARD): Kommissar Brunetti verabschiedet sich.

Schluss nach 19 Jahren

TV-Kritik zu „Donna Leon: Stille Wasser“ in der ARD: Der Commissario braucht Erholung

  • Harald Keller
    vonHarald Keller
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Das Erste beendet die Reihe um Donna Leons venezianischen Ermittler Guido Brunetti.

Neunzehn Jahre lang war der von der gebürtigen US-Amerikanerin Autorin Donna Leon erdachte venezianische Commissario Guido Brunetti Stammgast auf deutschen Bildschirmen. Sechsundzwanzig Filme wurden in – oft sehr freier – Anlehnung an Leons Romanvorlagen gedreht. Anfangs zwei, später einer pro Jahr, ihrem Veröffentlichungsturnus angepasst. 

In den ersten vier Filmen trug Brunetti das Gesicht Joachim Króls. Seit 2003 wird er von Uwe Kockisch verkörpert. Die Weltbürgerin Donna Leon hat lange in Venedig gelebt und kennt die dortigen Verhältnisse, nicht nur im Hinblick auf die Geografie. Die Filme nach ihren Büchern kennt sie kaum und legt, so lässt sich älteren Interviews entnehmen, auch keinen Wert darauf.

Donna Leon in der ARD: Brunetti bekommt das Alter zu spüren

In seinem sechsundzwanzigsten Fall bekommt Brunetti die berufliche Beanspruchung und das Alter zu spüren. Blass getönte, surreal angehauchte Rückblenden erzählen von einem Zusammenbruch. Nicht lebensbedrohlich, wohl eher psychosomatisch, ein Schwächeanfall. Aber die Klinikärztin rät dringend zur Schonung. In Gesprächen mit Ehefrau Paola (Julia Jäger) klingt an, dass Zweifel am Sinn seiner beruflichen Tätigkeit für die Krise mitverantwortlich sein könnten.

Die Autoren Stefan Holtz und Florian Iwersen loten diese Problematik nicht weiter aus. Es gibt eine Auflösung des inneren Konflikts, aber die ist mit leichter Hand gestrickt. Komplexität gehört nicht zum Erfolgsrezept dieser Reihe.

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Zunächst geht Brunetti in den Erholungsurlaub. Nicht weit weg, auf die Insel Sant'Erasmo. Der Lido bleibt in Sichtweite. Brunetti freundet sich mit Davide Casati (Hermann Beyer) an, einem Hobby-Imker. Der beobachtet seit einiger Zeit ein mysteriöses Bienensterben und will die Ursache ergründen, schickt tote Insekten und Wasserproben an ein Labor. Den Gemüsebauern der Insel passt das gar nicht. Sie fürchten Geschäftseinbußen, wenn sich verbreiten sollte, dass ihre Produkte gesundheitsschädlich sein könnten.

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Als Casati vermisst wird, schwant Brunetti nichts Gutes. Tatsächlich finden er und ein Kapitän der Wasserschutzpolizei den Gesuchten tot im flachen Wasser. Auf den ersten Blick ein Unfall, in Brunettis Augen aber sehr verdächtig, zumal Casatis Boot Spuren einer Kollision aufweist. Erst zögert Brunetti, aber dann kann er nicht anders und nimmt Ermittlungen auf. Ende der Schonzeit.

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An interessanten Themen fehlte es dieser Reihe nicht, und das gilt auch für die finale Episode. Nur sind die jeweiligen Straftaten zumeist Anlass für eine vertraute Routine, in der die wiederkehrenden Personen, Brunettis treuer Adlatus Vianello (Karl Fischer), die resche Sekretärin Elettra Zorzi (Annett Renneberg), der beflissene Sergente Alvise (Dietmar Moessmer), erwartungsgemäß ihre Rollenmuster erfüllen. Die verlässlich in die Millionen gehende Zuschauerschaft darf auch darauf bauen, dass Guido Brunetti pittoreske Straßenzüge abschreitet und vor allem pro Folge mehrfach durch die venezianische Lagune kreuzt. Organisatorische Voraussetzungen spielen gerade in „Stille Wasser“ gar keine Rolle. Bei Bedarf hat der Commissario immer passend ein Polizeiboot oder ein dreirädriges Rollermobil zur Verfügung. Dass das typisch italienische Fahrzeug dort Ape, Biene, heißt, ist wohl eher eine zufällige Anspielung.

Diese Willkür der Drehbuchgestaltung zeigt sich auch im privaten Bereich der Brunettis. Sohn Raffi (Patrick Diemling) hat sich für ein Auslandssemester in den USA angemeldet, macht einen Rückzieher, fährt am Ende doch. Da müssen die bürokratischen Abläufe an den Hochschulen und im Vorfeld längerer USA-Aufenthalte um des emotionalen Effektes willen hinter der geplanten Szene zurückstehen.

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Wie es aber mit Brunetti und seiner beruflichen Krise ausgeht, ob das Ende unwiderruflich ausfällt oder die Türen für eine etwaige Fortsetzung, für Specials oder ein Spinoff geöffnet bleiben – Brunetti im überfluteten, von Touristen verschmähten Venedig des Jahres 2019 wären doch eine reizvolle Vorstellung –, wird, keine Sorge, an dieser Stelle natürlich nicht verraten.

Von Harald Keller


„Donna Leon: Stille Wasser“, Mittwoch, 25.12., 20:15 Uhr, Das Erste

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