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Das Ermittlungsteam: Lisa (Jeanne Goursaud), Freddy Breyer (Robin Sondermann), Kriminalkommissarin Judith Mohr (Christina Hecke) und Kommissar Zerner (Rudolf Kowalski, v.l.)

„In Wahrheit: Still ruht der See“, arte

Alles schon gesehen

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Der dritte Teil der Saarland-Krimireihe kehrt zu den Machern der Pilotfolge zurück, findet aber immer noch nichts, was ihn aus dem Krimi-Mittlemaß abhebt.

So richtig hat keiner verstanden, warum „In Wahrheit“ vor zwei Jahren zu einer Reihe geworden ist. Die Einschaltzahlen waren solide, die Darsteller sind durchgehend lobenswert, aber... warum das alles? Die deutschen Fernsehkrimilandschaft leidet nun beim besten Willen keinen Mangel an toughen, aber einfühlsamen Kriminalkommissarinnen, die mit ihren Kollegen vor milieuträchtige Häuser vorfahren, einige Dialogzeilen Verhör auf drei angestrengte Minuten auswalzen und dann wieder ins Auto steigen und weiterfahren. Und das Saarland als Handlungsort ist nun auch nicht gerade unterrepräsentiert in der deutschen Fernsehlandschaft.

Vielleicht war der Grundgedanke einmal, dass „In Wahrheit“ die international so erfolgreiche „True Crime“-Welle in die Bundesrepublik bringen könnte. Der Reihentitel wies ja ursprünglich mal darauf hin, dass hier reale Fälle zumindest als loses Vorbild dienen sollten. Aber von diesem Vorsatz redet seit der Pilotfolge keiner mehr, und selbst da war jeder wahre Kern so zugekleistert mit der müden, behäbigen Standard-Krimidramaturgie, dass es eh keinen Unterschied mehr gemacht hätte.

Dritter Fall von Kommissarin Mohn ohne Inspiration oder Originalität

Wer die Kraft und die Herrlichkeit von echten True-Crime-Erzählungen wie den Podcasts „Serial“ oder „Zeit Verbrechen“ miterlebt hat, der versteht, dass der große Reiz dieser Formate genau darin liegt, dass reale Menschen sich eben nicht der erwarteten Spannungsstruktur unterordnen. Echte Menschen handeln abrupt, rabiat und schockierend. Und echte Ermittlungen sind manchmal sterbenslangweilig und manchmal tödlich überraschend – gänzlich ohne Rücksicht auf Zuschauererwartungen oder Drei-Akt-Struktur. Ein Fernsehkrimi mit klassischer Dramaturgie, der echte Fällen erzählen will, hat ähnlich wenig Daseinsberechtigung wie ein Kultur-Spartensender, der die Prime-Time-Krimis der großen Sendestationen nachäfft.

Für diese dritte Folge hat man Miguel Alexandre zurückgeholt, der wie schon in der Pilotfolge als Regisseur, Kameramann und Co-Autor (zusammen mit Harald Göckeritz) firmiert. Alexandre hat als mehrfach preisgekrönter Fernsehfilmregisseur einige echte Meisterwerke zu verantworten, aber wie schon im ersten Fall von Kommissarin Mohn hat man nicht das Gefühl, dass er dem Genre des Fernsehkrimis irgendeinen Funken an Inspiration oder Originalität hinzuzufügen hat. Die Ermittlung besteht aus den üblichen langatmigen Dialogszenen mit allerhand ausweichenden Blicken, das Milieu (eine kleinkriminelle Jugendbande) spricht und verhält sich so, wie man sich als verrentnerter Fernsehzuschauer die böse Jugend von heute vorstellt, die Flashbacks an Mohns eigene Jugend in einem ghetto-artigen Stadtviertel sind brav überbelichtet und in Zeitlupe.

Kurz: Das hat man alles schon gesehen. Die Kommissarin heißt Roth, Block, Mohn oder Blond, das Auto fährt vor, die Blicke werden ausweichend, das Auto fährt wieder weg, in der Mitte nimmt man den fest, der so böse ist, dass er's sicher nicht wahr; und am Schluss erklärt der eine, von dem man's eigentlich eh dachte, warum er's gemacht hat. Still ruht der See, schnarchend ruht der Zuschauer.

„In Wahrheit: Still ruht der See“. Sendetermine: Freitag, 19. April 2019 um 20.15 Uhr und Mittwoch, 1. Mai 2019 um 13.50 Uhr auf arte.

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