Ein junger Braunbär in Slowenien.
+
Ein junger Braunbär in Slowenien.

TV-Kritik

Arte-Reportage „Die Rückkehr der Bären“: Geliebt, gejagt, gefürchtet

  • Harald Keller
    vonHarald Keller
    schließen

„Die Rückkehr der Bären“: Eine Arte-Reportage berichtet über Europas größtes Raubtier, dessen Nutzen und seine Feinde.

  • Die ZDF-Arte-Koproduktion berichtet über die Bemühungen, Bären in Europa wieder heimisch zu machen.
  • Die Reportage stellt die Strategien vor, wie das Zusammenleben von Mensch und Bär gelingen kann.
  • Auch Bilder von Bären in freier Wildbahn gibt es zu sehen.

Kleine Kinder knuddeln gern ihre Teddybären. Bärchen ist ein Kosewort, im Zoo genießen die Besucher ihre Angstlust am Rande des Bärengeheges. Freilebende Bären verenden in den Drahtschlingen von Wilderern oder werden aus Prestigegründen umgebracht. Dieses widersprüchliche Verhältnis zu den größten Raubtieren Europas hat sich nicht geändert, sogar neue Ausprägungen erfahren, seit die Pelzträger in Gegenden mit ausreichendem Waldbestand wie den Pyrenäen, den Abruzzen, den Karpaten, im Baltikum und in Skandinavien wieder angesiedelt werden. In den französischen Pyrenäen möchten die Einheimischen den ausgewilderten Tieren am liebsten mit Gewehr und Fangfallen zu Leibe rücken, denn für die Bären sind die weidenden Schafe ein Festessen. Oder sie verursachen eine Panik unter den Herden. Auf den schmalen Weiden über steilen Abgründen kann die wilde Flucht nur tödlich enden.

Die Filmautoren Jürgen Hansen und Simone Stripp berichten in ihrer 53-minütigen Reportage, einer ZDF-Arte-Koproduktion, über die Bemühungen, Bären in Europa wieder heimisch zu machen. Eigentlich sind die Staaten sich einig. 1992 wurde die Habitatrichtlinie verabschiedet, ein europaweit einheitliches Umweltrecht, das der Förderung der biologischen Vielfalt dienen soll. Ein wichtiges Unterfangen, da immer mehr Arten aussterben. Jede einzelne Spezies aber hat ihren Platz und ihre Funktion im Kreislauf der Natur. Das gilt auch für die Bären. Im Herbst verputzen sie Heidelbeeren, scheiden deren Keime mit ihrem Kot wieder aus und tragen so zur Verbreitung der Pflanzen bei. Eine wirksame Symbiose, fachsprachlich Zoochorie genannt. Da die Tiere auch Aas nicht verschmähen, übernehmen sie zugleich eine Art Reinigungsfunktion in den Wäldern.

Das Autorenduo stellt verschiedene Strategien vor, wie das Zusammenleben von Mensch und Bär gewährleistet werden kann. In Osteuropa hat man bereits wirksame Schutzmaßnahmen für Nutz- und Haustiere ersonnen. Leider fand man auch einen Weg, mit den dickfelligen Zeitgenossen Geschäfte zu machen: Angebliche „Problembären“, eine willkürlich verwendete Bezeichnung, werden gegen Bezahlung für den Abschuss freigegeben. Ein Angebot, das wohlhabende Trophäenjäger aus dem Westen gern in Anspruch nehmen.

Gar nicht mehr so kuschelig und „süß“: Braunbär in Slowenien.

Auch wohlmeinendes Verhalten kann fatal sein: Vorbeifahrende Autofahrer werfen den Bären Futter zu, ein ausgesprochen dummes Verhalten, denn so werden die Tiere auf die Straßen gelockt. Es kommt zu Unfällen, bisweilen reagieren die Bären angesichts der bedrohlich wirkenden Autos panisch und aggressiv, werden so zur Gefahr für die Menschen.

Bären in freier Wildbahn: Kalte Schulter für den Macho

Natürlich dürfen Bilder aus freier Wildbahn nicht fehlen. Vier Kameraleute waren beteiligt, indirekt haben sogar die Bären selbst gefilmt – zu Forschungszwecken werden ihnen GPS-Halsbänder und Minikameras angelegt, um ihre Wege zu verfolgen und ihr Verhalten verstehen zu lernen.

Die Naturaufnahmen fördern zuweilen Überraschendes zutage. Da unterbricht ein grimmiger alter Bärenbulle das neckisch-spielerische Paarungsritual zweier Jungpetze, verscheucht den unterlegenen Nebenbuhler und beansprucht das Weibchen mit besitzergreifender Dominanz für sich. Aber die Dame hat nichts übrig für derartiges Machoverhalten und lässt den wüsten Rabauken abblitzen. Selbst der animalische Fortpflanzungsinstinkt hat offenbar gewisse Grenzen …

„Die Rückkehr der Bären“, Samstag 22.8., 20:15 Uhr, Arte

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare