Die Sumoringer Byamba und Hiroki kämpfen gegeneinander.
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Die Sumoringer Byamba und Hiroki kämpfen gegeneinander.

TV-Kritik Arte

Eine Arte-Dokumentation über gesunde Pummelchen und kränkelnde Supermodels

  • Harald Keller
    vonHarald Keller
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Die Arte-Dokumentation versammelt Erkenntnisse zum Thema Ernährung. Die Doku beleuchtet, warum Fett nicht in jedem Fall gesundheitsschädlich sein muss und weshalb pummelige Babys gesunde Babys sind.

  • Die Arte Dokumentation „Auf der Suche nach dem guten Fett“ beschäftigt sich mit dem Thema Ernährung.
  • Extrembeispiele von Supermodels bis zu Sumo-Ringern werden in der Doku beleuchtet.
  • Die Dokumentation thematisiert auch, warum korpulent sein nicht in jedem Fall gesundheitsschädlich sein muss.

Die Schwarmintelligenz hieß früher Allgemeinwissen, und beide liegen gelegentlich falsch. Zum Beispiel gilt es, geläufige Ansichten zum Thema Fettpölsterchen und Fettleibigkeit zu revidieren, wie Sarah Holt in ihrer umfassenden Dokumentation „Auf der Suche nach dem guten Fett“ überzeugend aufzeigt. Schon das verbreitete Patentrezept, Übergewicht sei mit viel Bewegung und Ernährungsreduktion zu bekämpfen, ist nicht in jedem Falle richtig. Und manchmal sogar der Gesundheit abträglich.

Arte-Doku „Auf der Suche nach dem guten Fett“ – Schwergewichtig und doch gesund

Der Beitrag, gemeinschaftlich in Auftrag gegeben von Arte France und dem US-amerikanischen Bildungskanal WGBH Boston, wurde sehr aufwendig produziert. Als Extrembeispiel für Menschen mit großem Fettansatz dienen japanische Sumo-Ringer mit „Kampfgewichten“ von um die 250 Kilo. Nach gängigen Maßstäben sehen diese in Fettwülste eingehüllten Wuchtbrummen nicht gesund aus. Aber die Autorin kommt wenig später mit einer Überraschung um die Ecke: Sumo-Ringer leiden selten an Krankheiten, die sich normalerweise mit Übergewicht verbinden, darunter Bluthochdruck und Diabetes.

Doku auf Arte: Model verweigert sich Hungerkur

Umgekehrt wirken Frauen mit sogenannten Model-Maßen, hochgewachsen und dürr, nicht nur zerbrechlich – sie sind es tatsächlich. Die von vielen Model-Agenturen geforderte rabiate Gewichtsabnahme macht krank. Die aus Husum stammende, in New York als Model tätige Hartje Andresen hat es buchstäblich am eigenen Leib erfahren. Die Knochen werden porös, die Nägel brüchig, die Haut rissig. Andresen verweigert sich heute den Anforderungen der Branche. Und wird trotzdem gebucht.

Ausgerechnet das vielgeschmähte Fett beugt den genannten Mangelerscheinungen vor. Und es bewirkt noch mehr, denn das menschliche Körperfett ist ein Energiespeicher und auch ein Organ, das durch Hormonausschüttungen komplexe Körperfunktionen steuert wie die Arte-Doku „Auf der Suche nach dem guten Fett“ zeigt.

Arte-Doku „Auf der Suche nach dem guten Fett“: Spurensuche in Tansania

Um diese Zusammenhänge zu veranschaulichen, ist das Team der Arte-Doku unter anderem nach Tansania gereist, an die „Wiege der Menschheit“, wo die Volksgruppe der Hadza noch wie unsere Vorfahren vom Jagen und Sammeln lebt und deshalb zum Studienobjekt westlicher Wissenschaftler wurde. Auf der Suche nach Nahrung legen die nomadischen Hadza täglich viele Kilometer zurück. Zivilisationskrankheiten kennen sie nicht.

Anders Danny Cahill aus den USA. Er war Teilnehmer der auch in Deutschland bekannten Fernsehshow „The Biggest Loser“ und verlor in einer Rosskur sagenhafte 239 Pfund. Heute nur noch Erinnerung, denn der Körper forderte sein Recht. Mittlerweile ist Cahill wieder korpulent. Warum das nicht in jedem Fall gesundheitsschädlich sein muss und weshalb pummelige Babys gesunde Babys sind, erfährt man in dem Film „Auf der Suche nach dem guten Fett“, der bereits in der Arte-Mediathek abgerufen werden kann.

Arte-Doku „Auf der Suche nach dem guten Fett“

Samstag, 17.10.2020, 22:00 Uhr auf Arte

Von Harald Keller

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