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"Blutiger Tango" läuft am 26.10. um 20:15 in der ARD,

„Zielfahnder – Blutiger Tango“ im Ersten

TV-Kritik: Lange Nächte in Montevideo

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Spannend und atmosphärisch dicht: Ihr neuer Fall führt Zielfahnderin Hanna Landauer nach Südamerika.

Ein Wiedersehen, keine Fortsetzung: Vor drei Jahren lernte das Fernsehpublikum die Zielfahnderin Hanna Landauer (Ulrike C. Tscharre) kennen. Damals, im Film „Zielfahnder – Flucht in die Karpaten“, agierte sie an der Seite des LKA-Kollegen Sven Schröder (Ronald Zehrfeld) und jagte einen Gewaltverbrecher rumänischer Herkunft bis in dessen Heimat und tief in die Berge, wo Folklore und Outlaw-Romantik überhandnahmen und das Thema Zielfahndung zu Lasten der Krimispannung verloren ging. Jetzt gibt es, wieder aus der Feder von Rolf Basedow, einen neuen Fall für Hanna Landauer und mit Lars Röwer (Hanno Koffler) einen neuen Partner. 

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Sie spüren dem deutschen Ehepaar Gisela und Uwe Tetzloff (Heike Makatsch und Jörg Hartmann) hinterher. Beide hatten gemeinsam mit einer unbekannten dritten Person einen Industriellen entführt und zehn Millionen Euro Lösegeld erpresst. Die Tetzloffs konnten in Panama gefasst werden, der Komplize und die Beute blieben verschwunden.

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Nach neunjähriger Haft sind die beiden nun wieder auf freiem Fuß. Landauer und Röwer heften sich an ihre Fersen in der Hoffnung, den Mittäter und das erpresste Geld doch noch ausfindig machen zu können. Über die Niederlande geht es nach Lateinamerika und dort im Zickzack durch diverse Länder. Das Paar wechselt die Identität und sucht die Verfolger abzuschütteln. Es gelingt ihnen ein ums andere Mal, aber Landauer und Röwer bleiben hartnäckig und entdecken die Tetzloffs mit Geschick und Glück schließlich in Montevideo. Die Gesuchten verhalten sich weiterhin vorsichtig. Der asthmakranke Uwe Tetzloff verlässt kaum einmal das Haus. Gisela Tetzloff aber zeigt mehr Verve. Sie holt nach, was sie in den Jahren der Haft verpasst zu haben meint, frönt ihrer Leidenschaft für den Tango und lebt ihre sexuellen Bedürfnisse aus. Außerhalb ihrer Ehe.

Tanzen bis zum Morgengrauen

Auf Gisela Tetzloffs Spuren kreuzen die deutschen Zivilpolizisten durch Montevideos Nachtleben. Es sind selten schicke Lokale, sondern versteckte Clubs, in die sich selten Touristen verirren. Und ihre Eroberungen schleppt Gisela Tetzloff in ein schäbiges Stundenhotel. In der Inszenierung von Stephan Lacant, der Dominik Graf im Regiestuhl ablöste, taucht die Kamera (Philipp Sichler) förmlich ein in das nächtliche Zwielicht aus Straßenlaternen, Leuchtreklamen, Autoscheinwerfern, in manchen Momenten ein unwirkliches Nocturno. Schummriger noch die Beleuchtung in den Tanzlokalen. 

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Live-Musik ertönt, die Stimmung ist erotisch aufgeladen. Hanna Landauer lässt sich darauf ein, tanzt angestrengt Stunde um Stunde, bis der Morgen graut und die Füße schmerzen. Eine bewundernde Bemerkung Röwers pariert sie lakonisch, sie habe sich vorbereitet. Geredet wird wenig, und wenn, dann ohne Umschweife. Nur zwischen den Tetzloffs kommt es einmal zu einem leidenschaftlichen Ausbruch. Er ist eifersüchtig, sie wirft ihm anhaltendes Versagen vor – die psychologische Komponente wird hier nicht vernachlässigt.

Belauerte Verfolger

Das Lokalkolorit, oft wird spanisch gesprochen, erscheint stimmig. Selbst der inhaltlich legitimierte gelegentliche Blick aufs Meer ist frei von Postkartenkitsch, und in den abgelegenen Vierteln muss man jederzeit mit Straßenräubern rechnen. Die Nächte sind schwül, die Ermittler angespannt, zugleich abgekämpft und übermüdet. Die Zuschauerschaft bangt mit: Werden sie ausgetrickst, abgehängt, ausgestochen? Und es gibt einen weiteren Faktor, der für Spannung sorgt: Die deutschen Polizisten werden selbst überwacht.

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Offenbar lauert im Hintergrund eine dritte Partei, die über sie an das Lösegeld gelangen will. Organisiertes Verbrechen? Weitere ehemalige Komplizen, von denen man bislang nichts wusste? Autor Basedow und Regisseur Lacant liefern ein auf der emotionalen und psychologischen Ebene durchdachtes Kriminalstück ab, das trotz der „blutigen“ Ankündigung im Titel ohne Gewaltkitschexzesse auskommt und damit auf dem prominenten Sendeplatz am Samstagabend als spannender Unterhaltungsbeitrag zu überzeugen vermag.

„Zielfahnder: Blutiger Tango“, Samstag, 26.10., 20:15 Uhr, Das Erste

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