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„Wer einmal stirbt, dem glaubt man nicht“ im Ersten: Tote haben’s auch nicht leicht

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Von: Tilmann P. Gangloff

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„Wer einmal stirbt dem glaubt man nicht“ am Samstag (4. Juni) um 20:15 Uhr im Ersten.
„Wer einmal stirbt dem glaubt man nicht“ am Samstag (4. Juni) um 20:15 Uhr im Ersten. © ARD Degeto/Torsten Jander

Herzerfrischend schwarzhumorige Komödie mit Heino Ferch und Julia Koschitz als Hinterbliebene, die nicht so verwitwet sind, wie sie glauben.

Frankfurt – Wenn todgeglaubte oder totgesagte Menschen plötzlich wieder auftauchen, muss das nicht immer eine gute Nachricht sein: Das ist der Kern der mitunter recht schwarzhumorigen Komödie „Wer einmal stirbt, dem glaubt man nicht“ von Uli Brée im ARD. Die Drehbücher des seit vielen Jahren in Österreich lebenden deutschen Autors („Die Spätzünder“) zeichnen sich ohnehin gern durch erfrischende Boshaftigkeit aus; seine Dialoge gehören zu den besten im deutschen Fernsehen.

Das gilt auch in diesem Fall. Allein die Sätze der Mutter des Helden triefen nur so vor Sarkasmus, vor allem, wenn es um ihre Schwiegertochter geht. Dabei soll man doch über Tote nichts Böses sagen: Ulf (Heino Ferch), der mit von der Mutter hartnäckig als „Schmonzetten“ gegeißelten Romanen viel Geld verdient hat, vermisst seit drei Monaten seine Frau Anke. Sie ist aufs Meer hinausgeschwommen und nicht mehr wiedergekommen; seither leidet er unter einer Schreibblockade.

„Wer einmal stirbt, dem glaubt man nicht“ im Ersten: Schwarzhumorige Komödie

Beim Behördenbesuch trifft er auf Clara (Julia Koschitz), die ihren Mann Enno für tot erklären lassen will, weil sie nicht ans Konto kommt; der Gatte ist bei einer Alpenwanderung in eine Gletscherspalte gestürzt. Clara ist Parfümeurin, hat aber Schnupfen, seit Enno weg ist. Das ähnliche Schicksal eint die beiden Hinterbliebenen. Sie verbringen erst einen Tag und dann einen Abend miteinander und kommen sich näher. Es bleibt allerdings beim Kuss, weil Ulf gerade noch rechtzeitig erkennt, dass sie nicht verliebt, sondern bloß verzweifelt sind und ihre Leidenschaft kein Liebes-, sondern ein Trauerspiel wäre.

RegieDirk Kummer
BuchUli Brée
KameraMathias Neumann
MusikStefan Bernheimer

Für den Film (eine Wiederholung aus dem Jahr 2020) gilt das zum Glück nicht. Der Auftakt klingt nach Romanze, aber Brée hat andere Pläne: Als Clara in Ankes Sachen stöbert, trifft sie fast der Schlag, denn sie findet ein Foto, das zwischen mehreren Menschen auch Enno zeigt – direkt neben Anke. Und nicht nur das: Die Hände der beiden berühren sich. Das ist der erste Knüller der Geschichte, zumal sich rausstellt, dass sie unmittelbar hintereinander verschwunden sind. Auch mit dem zweiten Clou ist nicht zu viel verraten, denn kaum haben die „Phantomwitwer“ entdeckt, dass sich die Verstorbenen offenbar nahestanden, kehren Enno (Roman Knižka) und Anke (Sabine Waibel) aus dem vermeintlichen Jenseits zurück. Nach und nach stellt sich raus: Claras Mann hat 1,5 Millionen Euro unterschlagen, und Anke, Filialleiterin einer Bank, hat ihm dabei geholfen.

Komödie im Ersten: „Ich bin so froh, dass ich tot bin“

Enno, der stets auf die falschen Pferde zu setzen scheint, seine Niederlagen dennoch hartnäckig jeweils als „kleines Zwischentief“ betrachtet, hat das Geld jedoch denkbar schlecht investiert. Deshalb ist das Pärchen wieder in Hamburg: Anke weiß, dass Ulf, um für den Fall der Fälle gewappnet zu sein, stets eine große Summe in seinem Tresor aufbewahrt. Auf diese Weise kommt sie, wie der Drehbuchzufall so spielt, pünktlich zur eigenen Trauerfeier, in deren Verlauf Ulf eine pathetische Rede hält, die aus einem seiner Bücher stammt. Ihr Kommentar: „Ich bin so froh, dass ich tot bin.“

Natürlich lässt sich nicht vermeiden, dass sich die vier Eheleute über den Weg laufen, was prompt zur Begleichung diverser Rechnungen führt. Und noch jemand ist nicht gut auf Enno zu sprechen: Die veruntreute Summe war Schwarzgeld von Menschen, mit denen man besser keinen Ärger bekommen sollte.

„Wer einmal stirbt, dem glaubt man nicht“

Samstag, 4. Juni, 20.15 Uhr, ARD, Mediathek

„Wer einmal stirbt, dem glaubt man nicht“ im Ersten: Gelungene Besetzung der Hauptfiguren

Regisseur Dirk Kummer, für sein Brandenburger Jugenddrama „Zuckersand“ (2017) mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet, hat zuletzt unter anderem „Warten auf’n Bus“ (2020) gedreht. Die famose RBB-Serie bestand praktisch ausschließlich aus Dialogen zwischen zwei Arbeitslosen, die an einer Bushaltestelle mit Gesprächen über Gott und die Welt die Zeit totschlagen. Mit „Wer einmal stirbt, dem glaubt man nicht“ kann Kummer zeigen, dass er auch schöne Bilder (Kamera: Mathias Neumann) zaubern lassen kann; allein das Licht ist in vielen Szenen ein Gedicht.

Für die Dialoge gilt das erst recht. Wenn Ulfs Mutter (Ursula Werner), eine Psychotherapeutin, schonungslos ihren eigenen Sohn analysiert, lässt sich nachvollziehen, warum sich der Mann allen Erfolgs zum Trotz durch eine gewisse Lebensuntüchtigkeit auszeichnet. Auch Clara gibt einige böse Sätze von sich. Die Besetzung gerade der beiden Hauptfiguren ist ohnehin mehr als gelungen; Heino Ferch und Julia Koschitz haben schon in Johannes Fabricks Drama „Wenn es am schönsten ist“ bewiesen, wie gut sie als Paar zueinander passen. Die Musik von Stefan Bernheimer ergänzt all’ die anderen Qualitäten des Films zu einer Komödie, die mitunter besten Boulevard bietet und garantiert ein Lächeln hinterlässt. (Tilmann P. Gangloff)

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