+
Corona-Krise bei Maybrit Illner Spezial: Familienministerin Franziska Giffey (Mitte) will keine „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ mit der Isolation von Älteren.

TV-Kritik

Corona bei „Anne Will“ (ARD) und „Maybrit Illner“ (ZDF): „Die absolute Katastrophe“

  • schließen

Die Corona-Krise hat auch die Talkshows fest im Griff. Auf der einen Seite die Ungeduldigen, auf der anderen die Warner - und die Erkenntnis: Corona wird Thema bleiben.

  • Das Coronavirus Sars-CoV-2 ist Thema bei Anne Will (ARD) und Maybrit Illner (ZDF)
  • Viele neue Nachrichten in der Corona-Krise gab es in beiden Talks nicht
  • Eine Erkenntnis: Noch immer arbeitet infiziertes Personal in Pflegeheimen

Nochmal ein Doppelpack an Talkshows zur Corona-Pandemie. Bei der ARD fragte Anne Will. „Wo steht Deutschland?“, bei Maybrit Illner Spezial ging man einen Schritt weiter und sprach über die nähere Zukunft. Und die ist nicht rosig. Das ist nicht eben neu, und der Nachrichtenwert der beiden Sendungen hielt sich denn auch in Grenzen. 

Dass es an Masken und Schutzkleidung fehlt, ist bekannt. Dass Jens Spahn, CDU, Gesundheitsminister, sich nicht dazu durchringen konnte, das Tragen von Masken allgemeinverbindlich zu machen, hat vermutlich eben mit dem Mangel an Schutzausrüstung zu tun. Aber immerhin: Olaf Scholz, SPD, Finanzminister, verkündete bei Anne Will, man werde Unternehmen finanziell unterstützen, die in die Produktion einsteigen. 

TV-Kritik zu „Anne Will“ (ARD) und Corona: Infiziertes Personal in Pflegeheimen

Dass die Pflegekräfte erstens überlastet und zweitens unterbezahlt und drittens „nicht genügend wertgeschätzt“ sind (so Eva Olerth, Altenpflegerin und Autorin des Buches „Albtraum Pflegeheim“), ist bekannt. Der Zustand in der Pflege sei eine „absolute Katastrophe“. Olerth forderte 4000 Euro brutto als Einstiegsgehalt. Ursula Hönigs, vom Berufsverband wünschte sich „Strategien, mit dem Wahnsinn umzugehen“. Bei Anne Will wurde bekannt, dass immer noch infiziertes Personal eingesetzt werde in Pflegeheimen. 

Aber immerhin: Olaf Scholz ließ erkennen, dass er durchaus für eine höhere Bezahlung in dieser Berufsgruppe sei. Allerdings wies er zugleich darauf hin, dass es dann eben „für alle“ teurer werde. Und der Hinweis von Familienministerin Franziska Giffey, SPD, auf Tarifverhandlungen zeigte bei Illner nur das Dilemma auf. Denn 80 Prozent der Pflegekräfte arbeiten gar nicht unter Tarifbedingungen. 

TV-Kritik „Maybrit Illner“ (ZDF): Wie mit der zweiten Corona-Welle umgehen?

Virologe Alexander Kekulé sah sich bei Anne Will in der Rolle des „Feuerwehrmannes“. Schön und gut, dass die Politik sich bemühe, aber „wir müssen jetzt was haben“. Er hält es aber zugleich nicht sinnvoll, den „Lockdown“ zu verlängern

Ist schon die aktuelle Lage nicht gerade ermutigend (trotz der langsam steigenden Zahl der Verdoppelungen von Infektionen), werden wir „die schwierigsten Fragen noch vor uns haben“, sagte Grünen-Chef Robert Habeck bei Illner. Denn wenn, wie Alexander Kekulé sagte, „wahrscheinlich noch die zweite Welle“ komme, stellt sich um ein Vielfaches drängender die Frage: Wie umgehen mit den besonders gefährdeten Menschen, wenn andererseits ein Teil Gesellschaft darauf dringt, „zur Normalität“ zurückzukehren (was immer das dann ist)? 

TV-Kritik zu Corona-Krise in TV-Talkshows: Palmer provoziert, Habeck wiegelt ab

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer, um Provokationen nie verlegen, will Menschen isolieren, die älter als 65 sind. Von dieser Art der Umkehrisolation, bei der Jüngere und scheinbar weniger Gefährdete ihr Berufsleben wieder aufnehmen und die Wirtschaft wieder angekurbelt wird, die tendenziell Bedrohten aber isoliert werden sollen, hält sein Parteifreund Habeck „gar nichts“. Ein „Wegsperren“ kommt für ihn nicht infrage. 

Auch Franziska Giffey wandte sich gegen eine solche „Zwei-Klassen-Gesellschaft“. Habeck verwies auf das Risiko einer zu frühen Lockerung: Wenn das schief gehe, wer wolle dann etwa einem Sohn erklären, warum das Leben seiner Mutter nicht erhaltenswert gewesen sei? FDP-Chef Christian Lindner, der auf rascher Lockerung beharrt, wird es wohl nicht tun. 

TV-Kritik zu „Anne Will“ (ARD) und „Maybrit Illner“ (ZDF): Corona bleibt ein Thema

Aber auch der Grüne Habeck sah die Schwierigkeit, wenn die Beschränkungen auf nicht absehbare Zeit fortgesetzt würden. Das halte die Gesellschaft nicht aus. Aber dauern wird es. Olaf Scholz formulierte gewohnt vorsichtig, Corona werde noch „mindestens zwei Jahre ein Thema sein, das wir beachten müssen.“ Wenn das mal reicht... 

Maybrit Illner hatte das Schlusswort der 101-jährigen Liesel Heise überlassen, die in ihrer Altersweisheit wünschte, „dass diese Notlage die Menschen zu den Dingen zurück führt, die wirklich notwendig sind.“

Von Daland Segler

Maybrit Illner, ZDF, von Sonntag, 5, April, 22.25 Uhr.

Anne Will, ARD, von Sonntag, 21.45 Uhr.

Corona-Talk bei Maybrit Illner: Christian Lindner offenbart mal wieder seine Ignoranz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion