Film-Kritik

„Der Große Panda“ auf Arte: Beschauliche Doku zeigt seltene Aufnahmen der bedrohten Art

Der Dokumentarfilm „Der Große Panda“ auf Arte begleitet einen kleinen drolligen Panda in China von seiner Geburt bis zu seiner Auswilderung. Der TV-Film überzeugt mit seltenen Aufnahmen der vom Aussterben bedrohten Tierart.

  • Der österreichische Dokumentarfilm „Der Große Panda“ läuft auf Arte.
  • Wissenschaftler*innen und ein Filmteam begleiten einen Großen Panda drei Jahre lang.
  • Der TV-Film zeigt den Panda von der Geburt bis zur Auswilderung.

Irgend etwas hat der Große Panda, was weit über seine bloß naturhaft-tierische Existenz hinausweist. Eigentlich ist er ja ein großer, muskulöser Kerl, der an die 150 Kilogramm wiegen und aufgerichtet seine zwei Meter messen kann. Aber er ist Vegetarier, seine schwarzweiße Gesichtsmaske bewirkt einen überaus hohen Niedlichkeitsfaktor, der über das, was Bären allgemein gegeben ist, weit hinausgeht. Hinzu kommen sein fester Platz auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten, seine daraus resultierende Schutzbedürftigkeit und seine abgelegenen Lebensräume in freier Wildbahn. Das alles macht ihn zu einem Lebewesen, das als Imageträger und globaler Botschafter Chinas von allergrößter Bedeutung ist.

TV-Film auf Arte: „Der Große Panda“ zeigt wild lebende Große Pandas

Jacky Poon und Mark Fletcher haben einen beschaulichen Dokumentarfilm geliefert, der mit verschneiten Wäldern, voluminösen Wolken, schroffen Bergen, grünem Bambus, vanillehaft süßlicher Musik und seltenen Aufnahmen von wild lebenden Großen Pandas eine hübsche Geschichte erzählt.

Die geht so: In einer Zucht- und Forschungseinrichtung namens Wolong wird ein männliches Pandababy geboren (wie süß! Gerade hundert Gramm wiegt es bei der Geburt und hat noch gar kein Fell!), wächst mit seiner Mutter auf und hat so gut wie keinen Kontakt zu Menschen (die wenigen Begegnungen mit Menschen laufen so, dass die Menschen sich mit schwarzweißen Kostümen und, ja, wirklich: Panda-Urin-Parfümierung als Pandas verkleiden), weil es ausgewildert werden soll. Das alles ist ausgesprochen herzig, das drollige Pandakind wächst und wird immer noch gesäugt, bis es fast drei Jahre alt ist, es spielt mit der Mutter und die Mutter mit ihm, zwischendurch wird eine Handvoll Bambus verzehrt, und der Kleine treibt allerlei Tierkinderschabernack.

TV-Kritik: Bemerkenswerte Aufnahmen der Tiere auf Arte – nur 2000 Pandas leben auf riesiger Fläche

Parallel dazu sieht man chinesische Ranger, die durch den Nationalpark in den Qinling-Bergen ziehen, Pandas beobachten und dabei interessante Dinge (wie Kommunikation über Gerüche, männliches und weibliches Paarungsverhalten) zu sehen bekommen. Sogar zwei junge Pandas werden auf Bäumen sitzend gesichtet. Das alles ist in der Tat bemerkenswert, weil im Gebirge auf einer ziemlich großen Wildnis-Fläche wahrscheinlich gerade noch um die 2000 Pandas leben, sich kaum mal freiwillig den Menschen zeigen und die Geburtenrate bei Pandas sehr niedrig ist.

TV-Film auf Arte: Junger Panda wird ausgewildert

Am Ende wird, wie vorgesehen, das Pandajunge im zarten, aber überlebensfähigen Alter von drei Jahren aus der Zucht- und Forschungsanstalt ausgewildert. Natürlich ist die Pandamutter tief deprimiert, der junge Bär dagegen macht einen unternehmungslustigen Eindruck. Und wenn er nicht gestorben ist, streift er heute noch durch die Qinling-Berge und kaut Bambusblätter.

Angaben zur Tierart
NameGroßer Panda, Pandabär, Riesenpanda
LebensraumBergwälder im Südwesten Chinas
OrdnungRaubtiere aus Familie der Bären
GewichtWeiblich: 70 - 100 kg
LebenserwartungIn Wildbahn: 20 Jahre
Länge1,20 bis 1,90 Meter
NahrungPflanzen
SymbolWWF
Anzahlknapp 2000 Exemplare, Status: gefährdet

Irgendwann demnächst, erfährt man noch, sollen die 40 Naturreservate der Region zusammengelegt werden und dann gemeinsam viel größer sein als der Yellowstone Nationalpark in den USA beziehungsweise mehr als zehnmal so groß wie das Saarland. Und ein paar Jahre später wird wohl die Kommunistische Partei ein Sicherheitsgesetz für das Naturreservat erlassen und alle Pandas, die nicht im Interesse der nationalen Sympathieproduktion arbeiten, mit Freiheitsentzug bedrohen.

„Der Große Panda“ wird am Donnerstag (09.07.2020) um 20.15 Uhr auf Arte gezeigt. Übrigens: Wenn „Der Große Panda“ zu Ende ist, läuft gleich im Anschluss „Der kleine Panda“ auf Arte.

Ein weiterer sehenswerter Dokumentarfilm („Der Maulwurf“) zeigt einen alten Herrn, der Undercover angeblichen Missständen in einem Seniorenheim nachgeht. Die Dokumentation „Algen. Ein unbekannter Rohstoff“ zeigt überraschende Erkenntnisse.

TV-Kritik: Die Arte-Dokumentation „Gerhard Schröder - Schlage die Trommel“ zeigt das Leben des SPD-Politikers aus einfachen Verhältnissen bis zum Aufstieg zur Macht und seine Aktivitäten als Alt-Kanzler.

Dir Arte-Reportage „Santeria auf Kuba“* führt ins kubanische Trinidad und macht mit dem Santeria-Kult bekannt – und das in zwei Aspekten distanzlos und unkritisch. *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Jacky Poon

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