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Pandemie im TV - Als die Seuche Menschen tötet, bricht Chaos aus: Matt Damon im Viren-Thriller von Steven Soderbergh 2011.
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Pandemie im TV - Als die Seuche Menschen tötet, bricht Chaos aus: Matt Damon im Viren-Thriller von Steven Soderbergh 2011.

Corona im TV-Programm

Masken und Abstand? – Wie das Fernsehen mit der Pandemie umgeht

  • Isabel Wetzel
    vonIsabel Wetzel
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Umgeschriebene Drehbücher, Hygienemaßnahmen, Mund-Nasenschutz – die Corona-Krise hat die Film- und Fernsehbranche auf den Kopf gestellt. Wie reagieren ARD und ZDF darauf?

  • Die Corona-Pandemie ist allgegenwärtig. Einzig im Unterhaltungsfernsehen scheint Corona noch nicht angekommen zu sein.
  • In vielen Fällen ist die Entscheidung gegen eine Darstellung des „Pandemie-Alltags“ bewusst getroffen.
  • Flucht oder Konfrontation: Corona im TV-Unterhaltungsprogramm behandeln?

Frankfurt – In der Realität tobt weiterhin die Pandemie, doch auf dem Fernsehbildschirm herrscht weitestgehend eine Corona-freie Welt. Es herrscht ein Alltag wie im Februar 2020. Und das soll wohl auch erstmal so bleiben. Bekannte deutsche Serien wollen die Corona-Krise bis auf weiteres ignorieren, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab.

Das gilt für die „Rosenheim-Cops“ in Bayern über „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ (GZSZ) und „Berlin Tag & Nacht“ bis hin zum „Großstadtrevier“ im hohen Norden.

TV-Produktionen: Corona aus der Unterhaltung erstmal heraushalten

Viele TV-Serien werden erst fünf bis sechs Wochen vor dem Sendetermin gedreht. Das ist einerseits natürlich kurzfristig genug, um Corona zu behandeln, andererseits vielleicht aber auch schon zu langfristig um den schnellen und dynamischen Entwicklungen einer Pandemie gerecht zu werden.

Die Hamburger Medienwissenschaftlerin Joan K. Bleicher sieht dabei auch eine fehlende Flexibilität, die allerdings strukturbedingt ist: „Serien schaffen ja geschlossene fiktionale Erzählwelten, in denen Bezüge zu aktuellen Ereignissen wenig Platz haben. Auch die langfristige Produktion erschwert es, kurzfristig auf Phänomene wie Corona reagieren zu können“, sagt sie. „Die einzige deutsche Langzeitserie, die regelmäßig auf gesellschaftliche Entwicklungen reagierte, war die ‚Lindenstraße‘.“

Die Pandemie im TV: Kein Platz mehr für Corona bei ARD und ZDF

Bavaria Fiction, die unter anderem „Die Rosenheim-Cops“ (ZDF) und „Sturm der Liebe“ (ARD) produzieren, teilen mit: „Eine Pandemie passt inhaltlich nicht zur Ausrichtung der beiden Serien.“ Darum finde Corona dort nicht statt. „ ‚Sturm der Liebe‘ ist ein modern erzähltes Märchen; ‚Die Rosenheim-Cops‘ legen mit Witz und Charme vor der malerischen Kulisse des Alpenvorlandes den Bösewichtern das Handwerk.“ In beiden Serien sollen „die Zuschauer bewusst vom Alltag abschalten und in eine fiktionale Welt eintauchen, die Sorgen und Nöte der realen Welt bleiben außen vor“. Das Phänomen des „Eskapismus“.

Corona im Unterhaltungs-TV: Die Rolle des Eskapismus

Eine große Rolle spielt dabei sicherlich, dass kaum eine Nachrichtensendung ohne einen Bericht über das Pandemiegeschehen auskommt. Corona ist in der Realität allgegenwärtig. Und soll es in der Unterhaltung im TV gerade deshalb nicht sein. Thorsten Hennig-Thurau, Professor für Marketing und Medien an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster erklärt den Eskapismus. Es sei das Bedürfnis der Zuschauer aus der realen Welt zu flüchten. Man wolle allen nervigen Details und Beschränkungen hinter sich lassen und nicht mit der Realität konfrontiert werden. Und das nicht nur in Corona-Zeiten.

Damit begründet auch Johannes Züll von der Produktionsfirma Studio Hamburg, die unter anderem das „Großstadtrevier“ oder die Telenovela „Rote Rosen“ produziert, die Entscheidung gegen Corona im TV-Programm. Im Interview mit dem Radiosender „Deutschlandfunk“ (DLF) erklärt er: „Wir haben uns dann vor allem auch in Rücksprache mit den jeweiligen Redaktionen aufgrund auch des Themas Eskapismus und Wiederholbarkeit dagegen entschieden.“ Die Serien sollen schließlich auch dann noch gesendet werden, wenn - hoffentlich - kein Corona mehr ist. Dazu kommt, dass die Pandemie als Teil des Alltags nichts Neues für die Zuschauer birgt. Es ist mittlerweile eine allzu bekannte Situation.

Hygiene-Regeln am Set: Was hat sich durch die Pandemie verändert

Hinter den Kameras hat sich der Alltag am Set aber durchaus stark verändert. Auch wenn die Corona-Krise nicht explizit behandelt wird, ist es implizit doch auch ein Thema. Denn auch die Darsteller müssen sich an Abstands- und Hygieneregeln halten. Dazu wurden strenge Hygienepläne ausgearbeitet, teilweise sogar die Sets umgebaut.

Es gibt überall Desinfektion, personalisierte Arbeitsgeräte und in den meisten Produktionen müssen sich die Schauspielerinnen und Schauspieler nun selbst um Haare und Make-Up kümmern. Oder eben Maske tragen. Hinter den Kulissen ist der Mund-Nasenschutz Pflicht. Und bei einigen Serien finden auch die Proben mit Masken statt. Doch gedreht wird dann letztendlich ohne. In der fertigen Folge soll man die Masken, die in der Realität inzwischen fast überall das Stadtbild prägen, nicht sehen.

„Küssen verboten“ - Wie bei Serien beim MDR derzeit gearbeitet wird

Doch wie soll man vor der Kamera Nähe aufbauen, wenn man hinter der Kamera Abstand halten muss? Wenn sich zwei Darsteller in einer Serie näherkommen sollen, ist das in aller Regel kein Problem. Doch zu Corona-Zeiten ist alles anders. Abschiede verlaufen ohne Umarmungen, gefeiert wird auf Abstand. Aber immer möglichst so, dass der Zuschauer das nicht merkt. Nähe wird über die Dialoge, intensive Blicke und eindeutige Andeutungen hergestellt.

Die MDR-Fernsehfilm-Chefin Jana Brandt erklärte gegenüber dem Internetmagazin „DWDL.de“: „Wir haben kluge, kreative Kamerafrauen und -männer sowie hochmotivierte Regisseurinnen und Regisseure, die mit Detailaufnahmen und intelligenter Kameraführung den Szenen Intensität verleihen und einen emotionalen Fluss erzeugen.“

Markus Lanz (ZDF), Anne Will (ARD) und Co. – Die Pandemie zeigt sich auch hier

Etwas anders sieht es bei den Talkshows - also einem nicht-fiktionalen Informations- und Unterhaltungsprogramm - im deutschen Fernsehen aus. Sei es Markus Lanz im ZDF, Anne Will oder Hart aber Fair im Ersten oder eine andere Fernsehdebatte. Hier sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie deutlicher zu sehen. Das Publikum im Studio bleibt beispielsweise komplett fern. Waren im Februar noch voll besetzte Studios charakteristisch, sitzen Markus Lanz und Co. mit ihren Gästen nun in leeren Studios. Außerdem heißt es zwischen den Gästen auch: Abstand halten! Doch auch hier trägt vor der Kamera niemand Maske.

Walter Kohl während der Corona Pandemie zu Gast bei Markus Lanz: Ein leeres Studio und reichlich Abstand.

Doch ein Thema? - 9 Jahre alter Film wird während der Corona-Krise plötzlich zum Erfolg

Und trotz, dass man Corona bisher weitgehend aus dem Unterhaltungsprogramm im Fernsehen heraushält, erwarten die Produzenten, dass die Pandemie in Zukunft viel Stoff für TV- und Filmproduktionen bieten wird. Die Fernsehwelt bleibt vielleicht auch erst einmal coronafrei, weil die Pandemie noch nicht vorbei ist. Johannes Züll (Studio Hamburg) sagt: „Ich glaube, die Geschichte ist noch gar nicht zu Ende erzählt. Wie würden Sie die Geschichte erzählen? Was wäre das Ende der Geschichte? Und das können Sie mir, glaube ich, auch nicht beantworten.“

Doch ein Film hat die Geschichte bereits auf eine Art zu Ende erzählt. Contagion (Englisch für „Ansteckung“) ist ein Thriller aus dem Jahr 2011, der eine Pandemie eines tödlichen Virus thematisiert. Und der 9 Jahre nach seinem Erscheinen noch einmal zum Streaming-Hit wird. Der Thriller spielte 2011 trotz hochkarätiger Starbesetzung gerade einmal 136 Millionen Dollar ein – zu denen sich nun aber wohl doch noch die eine oder andere zusätzliche Million gesellen dürfte. 

Contagion
Erscheinungsdatum (Deutschland)20. Oktober 2011
RegisseurSteven Soderbergh
GenreThriller
Bruttoumsatz $ 136,5 Millionen US-Dollar
ZusammenfassungFSK 12, 106 Minuten

Voraussicht auf die Pandemie - und die Nachlese wird kommen

In dem Moment, als sich herausstellte, dass Covid-19 nicht nur ein chinesisches Problem bleiben würde, sondern die ganze Welt betrifft, erschien Soderberghs Thriller wie eine Voraussicht auf das, was uns erwartet. Übertragung durch Fledermäuse, Isolation, Verschwörungstheorien – in vielerlei Hinsicht scheint der Film Verläufe der Corona-Krise vorhergesehen zu haben. iwe

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