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Ein Screenshot von der Sendungsaufzeichnung von „Maischberger. Die Woche.“ (ARD) zeigt die Moderatorin Sandra Maischberger mit ihren Gästen Jan Fleischhauer, Maren Kroymann und Oliver Köhr im Studio am Talk-Tisch sitzend.
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Bei „Maischberger. Die Woche.“ (ARD) ging es am 02.12.2020 unter anderem um die viel diskutierten Corona-Regeln für die Kulturbranche

TV-Kritik „Maischberger. Die Woche“, ARD

Corona-Debatte bei Maischberger (ARD): Jan Fleischhauer nennt Lockerungen verrückt und unerträglich

  • Teresa Vena
    vonTeresa Vena
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Bei „Maischberger. Die Woche.“ sind sich die Gäste in der ARD einig: Die Bundesregierung lasse gute Erklärungen für Corona-Regeln weiter missen. Die TV-Kritik.

  • In der ARD waren am Mittwochabend (02.12.2020) sechs Gäste bei Sandra Maischberger zu Gast.
  • In „Maischberger. Die Woche“ wurde viel über den strengen Teil-Lockdown für Kulturschaffende und die Corona-Strategie der Bundesregierung diskutiert.
  • Mediziner Karl Lauterbach (SPD) und FDP-Politiker Wolfang Kubicki vertraten bei Maischberger in der ARD auffällig gegensätzliche Standpunkte.

Berlin - Corona ist und bleibt das Thema, das die öffentliche Meinung zurzeit am meisten beherrscht. So erstaunt es nicht, dass es auch bei der heutigen Sendung maischberger. die woche um die Pandemie und ihre vielseitigen Auswirkungen ging. Mit der Schriftstellerin Elke Heidenreich und der Kabarettistin Maren Kroymann waren zwei Kulturschaffende anwesend, die mit ihren Erfahrungen aus diesem Wirtschaftszweig zu Wort kamen.

Als weitere Gäste diskutierten mit Sandra Maischberger im Studio Karl Lauterbach, Bundestagsabgeordneter, SPD-Politiker und Epidemiologe, Wolfgang Kubicki, Bundestagsvizepräsident und FDP-Politiker, Oliver Köhr, ARD-Hauptstadtkorrespondent und Jan Fleischhauer, „Focus“-Kolumnist.

TV-Kritik zu „Maischberger. Die Woche.“ (ARD): Lauterbach und Kubicki im Clinch

Zur Einstimmung wies Sandra Maischberger auf den ereignisreichen AfD-Parteitag hin, bei dem Jörg Meuthen für einen milderen Kurs seiner Partei plädierte. Er habe sich dafür ausgesprochen, dass eine andere Sprache, eine weniger extremistische, Verwendung finden sollte. So gehe es beispielsweise darum, nicht mehr von „Corona-Diktatur“ zu sprechen. Dass sich Meuthen mit seiner Sicht innerhalb der Partei durchsetzen werde, glaubten die Anwesenden nicht. Jan Fleischhauer und Oliver Köhr waren sich aber einig, dass nur mit der Durchsetzung eines moderaten Kurses die Partei ihre Chance auf eine Beteiligung an der Regierung wahrnehmen könne.

Nach diesem kurzen Exkurs sassen sich Karl Lauterbach und Wolfgang Kubicki gegenüber. Das Gespräch nahm stellenweise den Charakter eines Streits an, in dem persönliche Eitelkeiten zum Vorschein kamen. Dies verhinderte, zumindest aufseiten von Kubicki, eine sachliche Diskussion. Viele neue Erkenntnisse kamen aber insgesamt nicht an den Tag. Kubicki adressierte an Lauterbach eine Reihe von Vorwürfen.

Zum einen habe dieser die Neigung, alarmistisch aufzutreten. So habe Lauterbach behauptet, dass für die Schulen noch über ein Jahr lang kein Regelunterricht gelten werde. Lauterbach konterte damit, dass seine Äußerungen vollkommen angemessen seien, denn so werde es auch kommen, an einen „normalen“ Unterricht sei für eineinhalb Jahre nicht zu denken. Die beiden Männer spielten sich in diesem Stile einige Bälle zu. Ein anderes Thema war die, wie es Kubicki nannte, Übergriffigkeit der Politik in Bezug auf die konkreten Maßnahmen. Dabei versteifte er sich auf die Schließung der Restaurants, die er für nicht gerechtfertigt hält.

„Maischberger. Die Woche.“ (ARD) in der TV-Kritik: Lauterbach mahnt zu Vorsicht

Lauterbach machte aber klar, dass es durchaus Studien gebe, die zeigten, dass das höchste Ansteckungsrisiko mit dem Corona-Virus genau in Fitnesszentren und eben Restaurants bestehe. Wenn Menschen in einem geschlossenen Raum zusammenkämen, viel redeten, die Maske abnähmen, was beim Essen und Trinken zwangsläufig der Fall sei, halte sich das Virus in der Luft auf. Selbst nach zwei bis drei Stunden, nachdem der Virenträger den Raum schon wieder verlassen habe, könne das Virus noch vorhanden sein und Ansteckungen verursachen.

Der Epidemiologe Lauterbach warnte im Übrigen aufs heftigste davor zu glauben, dass FFP2-Masken die ultimative Lösung gegen eine Ansteckung seien. Gegenüber den Alltagsmasken sei die Bilanz nicht derart unterschiedlich, aber vor allem solle man nicht glauben, dass man sich mit einer solchen Maske in Sicherheit wiegen und im sonstigen Verhalten nachlässig werden können. Ansteckungen fänden immer dann und dort statt, wo die Masken abgenommen würden.

Die Gäste bei „Maischberger. Die Woche.“ (ARD):

Name Alter Beruf/Position
Karl Lauterbach57SPD-Bundestagsabgeordneter, Epidemiologe
Wolfgang Kubicki68Bundestagsvizepräsident, FDP-Abgeordneter
Jan Fleischhauer58Autor, 'Focus'-Kolumnist
Elke Heidenreich77Schriftstellerin
Oliver Köhr 44ARD-Hauptstadtkorrespondent
Maren Kroymann71Kabarettistin

Die Kritik, die auch an Lauterbach herangetragen wurde, dass die Politik nicht angemessen mit der Situation umgehe, kam aus verschiedenen Lagern. Für Kubicki ging es dabei um einen Mangel an Verhältnismäßigkeit bei der Umsetzung der Maßnahmen, für Fleischhauer um ein Versagen, aus der Erfahrung anderer Länder zu lernen. Fleischhauer führte als Beispiel asiatische Länder auf, wie Taiwan und Südkorea, die durch eine rigorose Datenverfolgung die Corona-Pandemie in den Griff bekommen hätten. Man sei bereit, alle möglichen Rechte einzuschränken, aber traue sich nicht an den Datenschutz heran, meinte Fleischhauer. Lauterbach widersprach vehement, denn das Erfolgsrezept der erwähnten Länder sei in erster Linie der Tatsache geschuldet, dass man dort einen harten Lockdown für eine viel längere Zeit durchgesetzt habe.

TV-Kritik zu „Maischberger. Die Woche.“ (ARD): Einstimmigkeit bei Kritik an Regierung

Worin sich die Anwesenden einig waren, war die Feststellung der Fehlkommunikation der Regierung. Wenn Restaurants oder auch Kultureinrichtungen wegen Corona geschlossen würden, die über Monate hinweg ein Hygienekonzept vorgelegt hätten, bedürfe es einer Erklärung. Köhr bestätigte, dass auch ihm ehrliche und plausible Erklärungen fehlten. Er glaubte, dass es weitgehend um eine Überforderung der Politiker mit der Situation gehe, die seiner Meinung nach auch verständlich sei, könne man doch leider auf keine umfassende Erfahrungswerte zurückgreifen. Hoffnung legte Köhr auf einen Impfstoff gegen das Corona-Virus. Und Lauterbach konnte Mut machen, die bisher in Frage kommenden Präparate wiesen nur harmlose Nebenwirkungen auf, so dass sie bald zum Einsatz kommen könnten.

Die Kulturbranche sei einer der starken Leidtragenden der aktuellen Maßnahmen. Die Kultur liege brach, meinte Kroymann. Sie und ihre Kollegen seien vielleicht nicht systemrelevant, warf sie kämpferisch ein, aber dafür „emotionsrelevant“. Es fehle ihr an der Wertschätzung seitens der Regierung, die, ihrer Meinung nach, die Bedeutung von Kultur unterschätze. Hier wurde sie von Fleischhauer unterstützt, man habe geschaut, was nicht unbedingt notwendig sei, und das heruntergefahren.

„Maischberger. Die Woche.“ (ARD) in der TV-Kritik: Kultur muss hart zurückstecken

Die Lage sei für viele Kulturschaffende katastrophal, bestätigte Kroymann. Es gebe viele Berufsfelder, die bereits an sich unter prekären Bedingungen agierten, und die seien nun noch ausgeprägter. Sie verzichte gerne auf das Weihnachtsfest, wenn sie dafür nur ein paar Wochen früher wieder auf die Bühne gehen könne. Von den geplanten Lockerungen über die Feiertage hielten alle Gesprächsbeteiligten wenig. Diese Überhöhung des Festes sei unerträglich und die Lockerungen verrückt, meinte Fleischhauer. Nach den Feiertagen drohe eine dritte Ansteckungswelle, prophezeite auch Karl Lauterbach.

Die Sendung endet mit der Ankunft von Elke Heidenreich in einem heiterem Tonfall. Persönlich könne sie der Corona-Pandemie durchaus Positives abgewinnen, da es für jeden eine Chance sei, sich mit sich selbst zu beschäftigen und zu sich selbst zu kommen. Lesen und schreiben seien an sich einsame Tätigkeiten, doch langsam würde ihr die Energie ausgehen. Ihre Batterien habe sie immer mit der Kultur aufgeladen, bei einem Konzert oder im Theater beispielsweise. Ihre geplante Lesereise für das neue Buch „Männer in Kamelhaarmäntel“ fehle ihr ebenfalls. Unter den vielen schlagfertigen Aussagen, die Heidenreichs „Lust am Provozieren“, wie es Maischberger ausdrückte, einmal mehr unter Beweis stellten, war die kraftvollste: „Kultur macht uns erst zu Menschen.“ (Teresa Vena)

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