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"Chiko"

Tut weh

Ein furioses Filmdebüt von Özgür Yildirims.

Von HEIKE KÜHN

Falls Konkurrenten die Faust nicht verstehen, die er ihnen ins Gesicht rammt, hat sich der Neuling im Drogengeschäft seinen Namen auf den Unterarm tätowieren lassen. "Chiko" steht da geschrieben, und Chiko aus der Nähe zu kennen, tut weh. In Özgür Yildirims furiosem Filmdebüt "Chiko", für das er auch das buchstäblich an die Schmerzgrenze gehende Drehbuch geschrieben hat, ist die Schlagkraft der erfundenen Identität Programm.

Wie er wirklich heißt, möchte Chiko vergessen machen. Ein weißer Mercedes und willige Frauen krönen seine Träume von der Integration in den Hamburger Drogen-Adel. Seine größte Sorge gilt dennoch der kranken Mutter seines Freundes Tibet. Denis Moschitto spielt den Aufsteiger mit furchterregender Ambivalenz. Geld und Gewalt müssen warten, während Chiko Tibets Mutter ins Krankenhaus bringt. Drogenboss Brownie ist von Chikos Chuzpe beeindruckt und gibt ihm eine Chance. Der strategisch weniger begabte Tibet, den Chiko auf den Weg zum kriminellen Erfolg hinter sich herschleift, vertickt Brownies Shit auf eigene Rechung und wird erwischt. Soll Chiko den Freund, der von Brownie verstümmelt wird, rächen? Mit der Loyalität zu Brownie winkt auch die Liebe der Prostituierten Meryem. "Chiko" handelt von fatalen Entscheidungen, die das übliche Gut-Böse-Schema sprengen. Das Leben als Drogen-Dealer ist kompliziert, nur die Gewalt ist eindeutig: immer zu viel des Guten. Özgür Yildirims Filmdebüt funkelt vor Intelligenz und gezogenen Messern.

Eine authentische Brutalität beherrscht die Verhältnisse, die nicht so (eindeutig) sind. Moritz Bleibtreu spielt mit perfider Jovialität Obermacker Brownie, der Folterer, Musikproduzent und liebevoller Familienvater ist. Volkan Özcan zieht sich als Tibet auf eine aggressive Infantilität zurück, die den Zusammenhalt der Familie einklagt, während sie den Tod seiner Mutter verschuldet. Reyhan Sahin, bekannt als "Lady Bitch Ray" ,gibt in ihrer Rolle als Prostituierte Meryem zu bedenken, dass Geld und Hass allein auch nicht glücklich machen. Im wirklichen Leben schreibt die Lady übrigens an einer Doktorarbeit über die "Semiotik der Kleidung". Da könnte sie in der brillanten Ausstattung von "Chiko" fündig werden.

Chiko, Regie: Özgür Yildirim, Deutschland 2008, 92 Minuten.

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