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Trump mit Journalisten und Fotografen im Oval Office. Chip Somodevilla/AFP

US-Medien

Trump und die Presse: Wie Bloomberg die eigenen Leute ins Dilemma stürzt

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US-Präsident Donald Trump verweigert der Nachrichtenagentur den Zutritt zu seinen Veranstaltungen. Dabei ist die Situation der Journalisten schon heikel genug.

Die Szene gehört zum Ritual jedes Wahlkampfauftritts von Donald Trump. Wenn sich der Präsident eine Weile in Rage geredet und seine angeblichen politischen Erfolge aufgezählt hat, lenkt er die Aufmerksamkeit des Publikums auf die Reporter, die hinter einem Gitter in der Mitte der Arena eingepfercht sind: „Da sitzen die Fake News, die das alles verschweigen“, pöbelt Trump. Die Menge buht und grölt und streckt den Journalisten den gesenkten Daumen oder den erhobenen Mittelfinger entgegen.

Nun eskaliert Trumps demonstrativer Kampf gegen die Medien weiter: Sein Wahlkampfmanager Brad Parscale kündigt an, dass Journalisten der Nachrichtenagentur Bloomberg News ab sofort keinen Zutritt mehr zu Kundgebungen und anderen Veranstaltungen von Trump erhalten. „Nachdem sie ihre Parteilichkeit offen eingestanden haben, wird die Trump-Kampagne keine Vertreter von Bloomberg mehr akkreditieren“, erklärte er.

Dass der Präsident der USA ein renommiertes Medienunternehmen mit weltweit 2700 Journalisten offen aussperrt, ist bemerkenswert. „Der Vorwurf der Parteilichkeit könnte nicht unzutreffender sein“, konterte Bloomberg-Chefredakteur John Micklethwait. Man habe stets fair über Trump berichtet und werde das weiter tun. Allerdings hat sich das Unternehmen selbst angreifbar gemacht, seit der Gründer und Mehrheitsgesellschafter Michael Bloomberg für die Demokraten in das Rennen um die Präsidentschaft eingestiegen ist. Seither befindet sich die Redaktion, die für tiefschürfende und verlässliche Berichterstattung bekannt ist, in einem schweren Gewissenskonflikt: Ihr eigener Inhaber schätzt Kritik an seiner Person nicht sonderlich. Gleichwohl soll sie unabhängig über den US-Wahlkampf berichten.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Multi-Milliardär Bloomberg, der mit dem Verkauf von Terminals für Finanzinformationen reich geworden ist, seine Mitarbeiter in ein Dilemma stürzt. Schon während seiner Amtszeit als New Yorker Bürgermeister von 2002 bis 2013 legte ein internes Regelwerk mit dem Namen „The Bloomberg Way“ fest, dass die Nachrichtenagentur nicht über „Vermögen oder persönliches Leben“ des Patriarchen berichtet.

Als Bloomberg Ende 2018 erstmals mit einer Bewerbung als Herausforderer von Donald Trump liebäugelte, erklärte er: „Ganz ehrlich: Ich will nicht, dass die Reporter, die ich bezahle, schlecht über mich schreiben.“ Allerdings kündigte er damals an, im Falle einer Kandidatur die Geschäfte an einen Treuhänder zu übergeben oder das Unternehmen ganz zu verkaufen.

Davon ist nun keine Rede mehr. Der 77-jährige Präsidentschaftsbewerber hat nur die operative Geschäftsführung an fünf Manager übertragen. Doch von seinem Medienimperium trennen will er sich offenbar erst, falls er in einem Jahr tatsächlich Trump besiegt. Einstweilen hat Chefredakteur Micklethwait eine eigenartige Handlungsanweisung gegeben: Die Redakteure sollen zwar über den Wahlkampf von Bloomberg und seinen demokratischen Mitbewerbern berichten, aber keine investigativen Recherchen über deren eventuelle Fehltritte oder Skandale anstellen. Auf Trump bezieht sich dieses Rechercheverbot ausdrücklich nicht.

Für den Präsidenten ist diese Ungleichbehandlung ein gefundenes Fressen. Seit langem schon unterstellt er der Presse, mit den Demokraten unter einer Decke zu stecken. „Der kleine Mike Bloomberg hat seine drittklassige Nachrichtenagentur angewiesen (…) nur auf Präsident Trump loszugehen“, wetterte er. Sein Wahlkampfmanager Parscale ergänzte, er sei unfaire Berichterstattung gewohnt: „Aber die meisten Medien verkünden ihre Befangenheit nicht so offen.“ Deshalb werde man die Bloomberg-Journalisten aussperren.

Auch unabhängige Beobachter halten die hausinterne Anweisung Bloombergs für problematisch. So kritisierte Margaret Sullivan, die Medienkolumnistin der „Washington Post“, schon vor einigen Tagen, der Milliardär habe „mitten in das journalistische Herz seiner Nachrichtenorganisation gestochen“.

Tatsächlich liefert er Trump einen willkommenen Vorwand für dessen immer ungehemmtere Angriffe auf die Pressefreiheit: Bereits im Wahlkampf 2016 hatte er Reportern der „Washington Post“, der „Huffington Post“ und des Magazins „Politico“ zeitweise den Zutritt zu seinen Veranstaltungen verwehrt.

Vor einem Jahr ließ er die Zugangsberechtigung des kritischen CNN-Korrespondenten Jim Acosta für das Weiße Haus einziehen, bis ihn ein Gericht zum Einlenken zwang. Bei den Trump-Kundgebungen wird die Stimmung derweil immer feindseliger. Einige Fernsehsender stellen ihren Berichterstattern inzwischen Personenschutz zur Seite.

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