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Donald Trump verliert leider schnell die Lust an Themen, die keinen sofortigen Erfolg versprechen. 

Trump und Kim 

Vertane Chance

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Nach dem geplatzten Gipfel von Hanoi steht zu befürchten, dass es so schnell kein weiteres Treffen geben wird. Der Kommentar. 

Der geplatzte Gipfel von Hanoi lässt US-Präsident Donald Trump und den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un als Verlierer in ihre Heimat zurückkehren. Sie enttäuschten die zuvor geweckten Hoffnungen auf zumindest weitere kleine Schritte der Entspannung.

Der damit verbundene Frust alleine sorgt in der Regel für Unruhe. Trotz gegenteiliger Beteuerungen gefährdet dies die jüngsten Fortschritte zwischen den koreanischen Staaten einerseits und die Beziehungen zwischen Washington und Pjöngjang.

Die nordkoreanische Seite dürfte zudem das bekannte Muster fortsetzen und der Phase der Entspannung eine der Eskalation folgen lassen. Mit dieser Strategie führte die Diktatorenfamilie über Jahrzehnte das asiatische Land zwar nicht aus der Isolation – doch sicherte sie ihre Macht.

Die US-Seite steht nach dem Treffen so schlecht da, weil sie offenbar keine angemessene Antwort auf dieses nordkoreanische Vorgehen vorbereitet hatte. Denn normalerweise sind die Ergebnisse für solche Gipfel bereits vorab ausverhandelt. Bei der tatsächlichen Zusammenkunft wird in der Regel lediglich verkündet, was schon klar war.

Für Ungemach dürfte darüber hinaus Trumps Niederlage in Washington sorgen. Nicht so sehr, weil der beste Dealmaker nun keiner mehr ist. Vielmehr wollte Trump mit einem außenpolitischen Erfolg vom innenpolitischen Druck ablenken, der durch die schweren Vorwürfe seines ehemaligen Anwalts Michael Cohen in den letzten Tagen immens gestiegen ist.

Trump lenkt aber nicht nur gerne von einem Problem ab, er verliert auch oft die Lust an einem Thema, wenn es keinen Erfolg verspricht. Er arbeitet also nicht geduldig und hartnäckig an einem Problem. Doch genau das wäre für den Konflikt mit Nordkorea notwendig.

Schließlich hat niemand erwartet, dass die Denuklearisierung der Halbinsel bereits in Hanoi beschlossen und verkündet wird. Doch kleine Schritte der Entspannung wären ein Grund für Trump und Kim gewesen, weiter nach einer Lösung zu suchen.

Als einer der nächsten Schritte wäre es dann notwendig gewesen, China, Russland und Japan wieder an den Verhandlungstisch zu bitten. Nur mit diesen Ländern gemeinsam kann das Fernziel einer Denuklearisierung Nordkoreas angestrebt werden und das vielschichtige Problem gelöst werden. Doch dazu wird es noch lange nicht kommen. Denn das ergebnislose Treffen von Trump und Kim ist vorerst an einem toten Punkt angekommen.

Ob beide sich noch mal an dieses Thema wagen, ist fraglich. Trump will im kommenden Jahr einen Wahlkampf gewinnen. Da sind solche Themen mit wenig Aussicht auf Erfolg hinderlich. So gesehen haben Trump und Kim ihre Chance vertan. 

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