Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

TV-Kritik

Triell zur Bundestagswahl: Baerbock lässt Laschet alt aussehen - CDU-Mann ratlos

  • Daland Segler
    VonDaland Segler
    schließen

Beim dritten Triell zur Bundestagswahl 2021 wird die Differenz zwischen konservativ und fortschrittlich stärker sichtbar. Die TV-Kritik.

Die Frage beim dritten Aufeinandertreffen der Kandidat:innen im TV war ja: Würde sich etwas ändern im Vergleich mit den Sendungen zuvor, würde eine(r) der Drei eine andere Strategie fahren? Die Antwort lautet: eher nicht. Und das war vielleicht auch zu erwarten. Aber immerhin wurden die Unterschiede zwischen den Konservativen und den Fortschrittlichen besser sichtbar. Das lag vor allem an Annalena Baerbock, die noch entschiedener, noch lebendiger als zuvor auf Angriff setzte – und dabei auch ihren möglichen künftigen Koalitionspartner Olaf Scholz (SPD) nicht schonte.

Man hat das Verhalten der grünen Co-Chefin so interpretiert, als habe sie sich vom Gedanken verabschiedet, sie könne Bundeskanzlerin werden. Das mag so sein, aber was wäre die Alternative gewesen? Den Herren das Feld zu überlassen? Sie machte im Gegenteil die Mängel in den Vorstellungen von Olaf Scholz und Armin Laschet deutlich – und das ohne allzu oft darauf hinzuweisen, wer in den vergangenen zwei Dekaden an der Regierung beteiligt war.

Das dritte Triell zwischen Olaf Scholz, Annalena Baerbock und Armin Laschet vor der Bundestagswahl 2021.

Triell (Sat 1) zur Bundestagswahl 2021: Ausgeleiertes von Armin Laschet (CDU)

Aber ein halbwegs aufgeklärtes Publikum dürfte auch ohnedies wahrgenommen haben, dass der CDU-Vorsitzende ausführlich darüber hinwegredete, dass seine Partei die Verantwortung trägt für all die Dinge und Zustände, die jetzt und gleich und sofort geändert werden müssen. Kein Wunder, dass er wieder nicht gut abschnitt in den Umfrage-Ergebnissen nach der Sendung.

Die hatte aber auch ungünstig begonnen für den Christdemokraten, denn es ging um soziale Fragen. Und während Scholz und Baerbock sich für den Mindestlohn von zwölf Euro aussprachen und das auch stichhaltig begründeten, kam von Laschet nur der nun wirklich ausgeleierte Hinweis, mehr „Wachstum“ schaffe Arbeitsplätze, also: die Wirtschaft stärken. Als er dann auch noch dem Konkurrenten vorwarf, der rede nur so, weil Wahlkampf zur Bundestagswahl 2021 ist, konnte Scholz einen Wirkungstreffer landen, indem er sagte, es gehe ihm um „die Würde der Menschen“.

Die beiden Moderatorinnen, Linda Zervakis, vor kurzem noch bei der Tagesschau, und Claudia von Brauchitsch, vor nicht allzu langer Zeit noch in Diensten der CDU (!), versuchten ihre Nervosität mit besonders nassforschen Fragen („ Wieviel Tote braucht es noch, bis wir mit Klimaschutz beginnen?“) zu überspielen. Leider fielen sie den Dreien auch ab und zu ins Wort, und völlig schief ging die Sache mit der Redezeit. Von Brauchitsch rechnete zwischendrin vor, dass Laschet am meinten geredet hatte und forderte daraufhin von Baerbock, sich kürzer zu fassen. Sie korrigierte ihren Fehler zwar später (ohne um Pardon zu bitten), aber am Ende gab es dann gar keinen Vergleich der Redezeiten mehr. Immerhin ließen sich die Damen es nicht nehmen zu gendern (auch in den Einspielern wurde diese Form gewählt).

Triell zur Bundestagswahl 2021 aus Sat 1: Annalena Baerbock fährt Armin Laschet in die Parade

Beim Thema Steuererhöhungen fuhr dann Baerbock dem CDU-Mann energisch in die Parade: Er habe dreimal falsche Dinge gesagt, weil er der Konkurrenz unterstellte, die würde die gering Verdienenden belasten. Baerbock und Scholz waren sich etwa in der Frage des Umgangs mit Beziehern von Hartz IV nahe, während der Christdemokrat auf Sanktionen bestand.

Beim Klimaschutz gelang Linda Zervakis ein origineller Einstieg, als sie ein Micky-Maus-Heft von 1993 hochhielt, das den Raubbau am Regenwald zum Thema gemacht hatte. Laschet wähnte sich bestätigt, weil damals Klaus Töpfer als CDU-Umweltminister einiges in Bewegung gesetzt hatte – allerdings unter dem Spott auch einiger Parteifreunde, wie Baerbock anmerkte. Die Tatsache, dass seither so wenig geschehen ist, überspielte Laschet dann mit dem Satz „Der Prozess ist dann weitergegangen.“

„Das Triell“

ProSieben, Kabel 1, Sat.1, von Sonntag, 19.9., 20.15 Uhr.

Von Brauchitsch stellte dann die so oft gehört falsche Frage; Was kostet der Klimaschutz? Statt zu fragen, was kostet es, wenn wir den Klimaschutz aufschieben. Und die 30 Milliarden Euro für eine einzige Katastrophe wie jüngst in NRW und Rheinland-Pfalz sind zudem eine hinreichende Antwort. Von den Moderatorinnen als das wichtigste Thema angekündigt, wurde der Komplex Klima dann aber recht abrupt beendet.

Triell zur Bundestagswahl 2021 (Sat 1): Weder Migration noch Rezo-Video Thema

Einigkeit herrschte beim Umgang mit den Pflegekräften und der Corona-Krise, wobei Annalena Baerbock darauf hinwies, dass Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den angekündigten verbesserten Personalschlüssel habe „verschwinden“ lassen. Ganz von der Themenliste gestrichen hatte die Redaktion das Thema Migration. Und man hätte auch gerne gewusst, was die Drei zum jüngsten Video von Rezo sagen, der die Korruption besonders bei CDU-Parlamentariern angeprangert hatte.

Eine Attacke, die er wohl gerne erneut gefahren hätte, blieb Armin Laschet allerdings verwehrt: die Frage nach Wirecard und CumEx. Denn die Kontrahentinnen durften diesmal am Ende einander befragen, und da war es Annalena Baerbock – und nicht Laschet – die von Olaf Scholz wissen wollte, was er gegen Geldwäsche zu tun gedenke. Während der Sozi den CDUler fragen konnte, warum er die Vermieter bei den Heizkosten schonen will und so, wie zu Anfang, wieder eine Blöße der Christdemokraten aufdeckte. (Daland Segler)

Rubriklistenbild: © Willi Weber/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare