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Trevor Noah bei der Arbeit. Bei der Oscar-Verleihung stellt er den Film Black Panther vor und nutzt die Gelegenheit für Witze auf Kosten des weißen Hollywoods.

Oscar-Verleihung

Trevor Noah trollt das weiße Hollywood

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US-Comedian Trevor Noah macht sich bei der Oscar Verleihung lustig – über weiße Stereotypen und die Ignoranz der Filmbranche.

Der südafrikanische TV-Moderator Trevor Noah hat seinen Auftritt bei der diesjährigen Oscar-Verleihung in Los Angeles genutzt, um sich über die Ignoranz und Oberflächlichkeit des nach wie vor weiß geprägten Hollywoods lustig zu machen.

Der Moderator der Late-Night-Comedy „The Daily Show“ stand bei der 91. Verleihung der Academy Awards eigentlich auf der Bühne, um „Black Panther“ anzukündigen. Die Verfilmung des Marvel-Comics über einen Superhelden aus dem afrikanischen, hochentwickelten Fantasieland Wakanda war für den Preis des besten Films nominiert. Traditionell werden alle zehn Nominierungen für den wichtigsten aller Oscars im Laufe des Abends einmal vorgestellt, inklusive Trailer und Laudatio.

Trevor Noah soll  „Black Panther“ ankündigen

Passend, dass Noah „Black Panther“ vorstellte. Der in Südafrika geborene Comedian ist seit 2012 eine feste Größe im Late-Night-Programm der USA. Seit 2015 ist er Moderator der in den USA berühmten politischen Satire-Sendung „Daily Show“. Dort brachte er mehrfach seine Begeisterung für den Film zum Ausdruck, unter anderem, weil dort Xhosa gesprochen wird, die Muttersprache Noahs und eine der elf Amtssprachen der Republik Südafrika.

Noah selbst hat übrigens auch eine kleine Sprechrolle in dem Film ergattert: er leiht seine Stimme der künstlichen Intelligenz namens „Griot“, entwickelt von Black Panthers Schwester Shuri. „Griot“ bezeichnet in Teilen Westafrikas Geschichtenerzähler und Sänger, die in der traditionell mündlichen Überlieferung der Region ihre Rolle als Lehrer und Unterhalter innehatten.

Erst Seitenhieb auf Mel Gibson, dann Xhosa-Sprichwort

Und unterhalten, das kann Noah tatsächlich, und das tat er auch bei den Oscars. Nachdem er Witze auf Kosten des notorisch mit antisemitischen und rassistischen Kommentaren auffallenden Mel Gibson machte, erzählte er von seinen Erinnerungen an seine Zeit als kleiner Junge in Wakanda – denn leben nicht alle Afrikaner irgendwie in Wakanda? – und wie er König T’Challa (der Herrscher über Wakanda und das Alter Ego des Black Panther) über sein kleines Dorf fliegen sah. 

Das hätte ihn jedes Mal an ein Xhosa-Sprichwort erinnert, welches er zitierte und dem Publikum übersetzte: „In Zeiten wie diesen sind wir stärker, wenn wir zusammen kämpfen anstatt getrennt voneinander.“ Das klang gut in den Ohren der Anwesenden, von denen mutmaßlich niemand Xhosa sprach , die sich aber die Kritik aus den vergangenen Jahren zu Herzen nehmen wollten.

Will Smith und Spike Lee drohten einst mit Boykott

2016 war die Preisverleihung mit dem Hashtag #OscarsSoWhite (Oscars so weiß) geschmäht worden, weil nahezu alle Nominierten weiß waren. Afroamerikanische Showgrößen wie Schauspieler Will Smith und Regisseur Spike Lee drohten mit Boykott. In diesem Jahr stand nun ebenjener Lee auf der Bühne und nahm für seinen Film „BlacKkKlansman“ eine Auszeichnung für das beste adaptierte Drehbuch in Empfang. Überhaupt mühten sich die Juroren scheinbar, ihre Versäumnisse in Sachen Diversität der vergangenen Jahre aufzuholen. Regina King (Beste Nebendarstellerin), Mahershala Ali (Bester Nebendarsteller) und Rami Malek (Bester Hauptdarsteller) nahmen ebenso kleine Goldstatuen mit nach Hause wie Hanna Beachler (Beste Ausstattung im Film Black Panther) und zahlreiche weitere, nicht-weiße Branchenvertreterinnen und –vertreter.

Und so gut die Übersetzung vom gemeinsamen Kampf gegen Spaltung und Rassenhass auch klang, so dreist gelogen war sie auch. Denn korrekt übersetzt sagte Noah: „Die Weißen wissen nicht, dass ich gerade lüge.“ Den Satz richtete er wohl vor allem an Menschen aus Afrika, die Hollywood in diesem Jahr einmal mehr eindrucksvoll für die eigenen monetären Zwecke glorifiziert hatte. Applaus gab es trotzdem.

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