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Inga (Jeanette Hain), Roy (Martin Brambach) und Siggi (Matthias Bundschuh) haben etwas zu feiern. (von links nach rechts)

TV-Kritik

„Tödliches Comeback“ (ARD): Schürzenjäger und Schwerenöter

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Muntere Krimikomödie mit viel Musik und einem spielfreudigen Martin Brambach als kleinkrimineller Musiker, der vom Comeback träumt.

Der Titel ist eine Spur zu reißerisch. Es gibt zwar in der Tat einen Mord, aber in erster Linie erzählt „Tödliches Comeback“ die Geschichte eines Vaters, der sich nach vielen Jahren mit seinem Sohn versöhnen möchte. Weil das Drehbuch außerdem vom Duo Volker Einrauch und Lothar Kurzawa stammt und Hermine Huntgeburth die Inszenierung besorgt hat, ist der Film eine fröhliche Komödie mit tragischen Untertönen. Das liegt vor allem an der älteren der beiden Hauptfiguren, zumal Martin Brambach den alternden Musiker Roy Singer als Helden von trauriger Gestalt verkörpert. 

Einst hatte Roy mit seiner Band fast einen Hit; heute hangelt er sich mit seinem Partner Siggi (Matthias Bundschuh) von Auftritt zu Auftritt vor wenigen mäßig begeisterten Zuschauern. Eines Tages winkt Siggi und Roy die große Chance: Clubbesitzer Howard König (Thomas Kügel) lädt sie in seine Comeback-Show ein. Dafür müssen allerdings zwei Hürden überwunden werden: Das Antrittsgeld beträgt 15.000 Euro; und das Angebot gilt nur für die einstige Band des Duos, Roy’s Four. Bassistin Inga (Jeanette Hain), früher Roys Freundin, heute mit König liiert, würde mitmachen, zumal der Sieger der Show einen Plattenvertrag erhält, aber der Vierte im Bunde, damals mit acht Jahren der Star der Band, hat ganz andere Pläne: Roys Sohn Bruno (Ben Münchow) ist mittlerweile bei der Kriminalpolizei und will unbedingt zur Mordkommission, weshalb ihm seine Chefin (Lina Beckmann) dringend rät, jeden Kontakt zum vorbestraften Vater zu meiden. 

Damit hat Bruno kein Problem, die Verbindung ist ohnehin schon lange abgerissen, aber dann kommt seine Mutter (Margarita Broich) nach einem Autounfall mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus. Bruno informiert Roy und gerät prompt in einen kriminellen Strudel, der die Karriereambitionen ebenso zunichte macht wie seine Hoffnungen auf eine Beziehung mit der klugen Kollegin Kyra (Elisa Schlott).

„Tödliches Comeback“: eine Geschichte von Verlierern 

Die Filme des Autoren- und Produzentenduos Einrauch und Kurzawa sind grundsätzlich sehenswert, erst recht, wenn sie von Einrauchs Frau Huntgeburth inszeniert werden; zuletzt zum Beispiel „Eine Hand wäscht die andere“ (2014), eine wunderbar doppelbödige Komödie mit Ulrich Noethen als Steuerprüfer. Die Geschichten des Trios haben fast immer einen melancholischen Kern, und auch „Tödliches Comeback“ erzählt im Grunde die Geschichte von Verlierern. 

Brunos Stiefvater (Michael Lott) hält den jungen Mann für einen Versager und mobbt ihn nach Strich und Faden; die Kollegen bei der Kripo sind nicht viel besser. Einziger Lichtblick in seinem Leben ist Kyra, aber die attraktive Kommissarin will grundsätzlich keine Beziehung mit einem Polizisten. Roys Perspektiven sind auch nicht besser, ganz gleich, wie sehr er sich mit sorgfältig gestutztem Oberlippenbärtchen und Toupet um Grandezza bemüht; jenseits der Bühne stehen ihm dafür regelmäßig die letzten verbliebenen Haare zu Berge.

Mit Loser-Gen auf die Welt gekommen: Siggi (Matthias Bundschuh, l.) und Roy (Martin Brambach).

Martin Brambach hat eine unverwechselbare Art, verkrachte Existenzen zu verkörpern, und Roy fügt sich prima in diese Riege ein; unnachahmlich, wie er zusammenbricht, nachdem er ein paar Minuten lang versucht hat, mit der joggenden Inga Schritt zu halten. Dass der Gitarrist mal einen gewissen Ruf als Schürzenjäger und Schwerenöter hatte, lässt heute allein noch sein strahlendweißer Anzug erahnen; den übergroßen Kragen des schwarzen Hemdes trägt er selbstredend überm Revers. 

Ohnehin hatten Masken- und Kostümbild bestimmt großen Spaß, die Figuren aus dem Showbusiness herzurichten; Jeanette Hain wurde zur Femme fatale, Roeland Wiesnekker mit einer waghalsigen Elvis-Tolle versehen. Er spielt den betrügerischen früheren Manager der Band, Roman Seidel; Roy knackt seinen Safe, um das Antrittsgeld für die Comeback-Show zu bezahlen. Bruno sorgt zwar dafür, dass Seidel sein Geld zurückbekommt, doch dann wird der Ex-Manager erschlagen. Die Beute ist weg, und natürlich muss der Polizist davon ausgehen, dass sein Vater auch diesmal dahintersteckt.

Huntgeburth inszeniert die Geschichte mit leichter Hand

Die Geschichte bringt also alles mit, was eine gute Tragikomödie braucht, zumal das Drama stets immer nur einen kleinen Schritt entfernt ist; gerade für Bruno ist die Fallhöhe besonders tief, denn er hat sein Leben ja noch vor sich. Huntgeburth, 2005 für die Knacki-Romanze „Der Boxer und die Friseuse“ mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet, inszeniert die Geschichte mit leichter Hand und tut gut daran, ihr vorzügliches Ensemble laufen zu lassen. Bundschuh, Hain, Kügel und Wiesnekker sind nicht minder sehenswert als Brambach und Münchow, und Elisa Schlott ist ohnehin eine Bereicherung für jeden Film. 

Die Mitwirkenden können sich allerdings nicht nur sehen lassen, sie müssen ja auch singen, und gerade Ben Münchow, Sänger in der Hamburger Band Kollektiv 22, macht das ganz vortrefflich. Der Schauspieler hat sein Talent schon in seiner ersten Hauptrolle als verstörter junger Mann in dem Krimi „Die Sonne stirbt wie ein Tier“ (2015), ein „Tatort“ aus Ludwigshafen, bewiesen. Musik spielt naturgemäß ohnehin eine große Rolle in diesem Film, schließlich hat sie großen Anteil daran, dass sich Kyra doch noch in Bruno verliebt; ein Polizist mag als Partner nicht in Frage kommen, ein Popstar allerdings sehr wohl. Das Duo Biber Gullatz und Andreas Schäfer hat schon für viele vorzügliche Kompositionen gesorgt und trifft auch hier den richtigen Ton, aber bei der Liedauswahl haben sich Huntgeburth, Einrauch und Kurzwawa ebenfalls hörbar viele Gedanken gemacht.

„Tödliches Comeback“, Mittwoch, 17.4., 20.15 Uhr, ARD

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