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Szenenbild aus "Stalker".

„Stalker“ (Sat.1)

Tödliche Verehrer

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Das Thema Stalking rückt ins Bewusstsein, schnelle Informationen aus dem Web lassen die Zahl der Fälle steigen. Aus den USA kommt dazu die Krimiserie „Stalker“.

Mit seinen „Scream“-Filmen begeisterte Kevin Williamson nicht nur das Genrepublikum, sondern erfreute auch die Kritiker, weil er hier die Muster des Horrorfilms einerseits gekonnt anwandte, andererseits durch seine Figuren zum Thema machen ließ – Gruselschocker mit Metaebene.

Filmhistorisch versiert war auch die Hauptfigur in Williamsons autobiografischer Kultserie „Dawson‘s Creek“, mit der unter anderem Katie Holmes und Michelle Williams bekannt wurden. Dawson Leery war, wie einst der junge Kevin Williamson, ein großer Spielberg-Fan und bemühte sich, in die Fußstapfen des großen Vorbilds zu treten. Was zum Teil gelang, aber auch mit herben Illusionsverlusten verbunden war.

Zwischen den Polen Grusel und epischer Erzählung bewegen sich auch Williamsons jüngere Arbeiten. Nachdem er mit Soaps über das Leben junger Erwachsener wie „Wasteland“ und „Hidden Palms“ glücklos blieb, schuf er mit „The Vampire Diaries“ und „The Secret Circle“ zwei Serien nach Vorlagen der Jugendbuchautorin L. J. Smith. „The Following“ um einen mörderischen Kult war dann wieder ein eigener Entwurf. Im letzten Jahr folgte die Serie „Stalker“, die mit nur wenigen Monaten Verzögerung bereits in deutscher Fassung von Sat.1 gezeigt wird.

Ungeliebter Partner

In „Stalker“ verzichtet Williamson weitgehend auf den Soap-Charakter, also Handlungsstränge, die sich über mehrere Episoden hinziehen, auch wenn es einige durchlaufende Motive gibt. Die Serie folgt der Arbeit einer kleinen Sondereinheit der Kriminalpolizei von Los Angeles, deren Fälle mit kontinuierlicher Belästigung und krankhafter Verehrung, dem Stalking, zu tun haben. Die Ermittler werden selbst tätig, können aber auch von anderen Stellen als Berater hinzugezogen werden. Im Zentrum des Geschehens steht Beth Davies (Maggie Q), die, dieses Moment wird vorerst nur angedeutet, selbst Opfer einer solchen Bedrohung war. Sie bekommt mit dem aus New York stammenden Jack Larsen (Dylan McDermott) einen neuen Mitarbeiter. Zu ihrem größten Missfallen. Sie hätte einen anderen Bewerber bevorzugt.

Larsens Bemühungen, Davies‘ Anerkennung zu gewinnen, bringen bisweilen einen humoristischen Touch in die Serienerzählung, die ansonsten von grimmigen Inhalten bestimmt wird. Ausgebreitet werden Fälle, in denen die Täter nicht mehr nur lästig fallen, sondern gewalttätig werden. Dabei spielen Williamson und seine Autoren gern mit den Mustern des Horrorgenres. Der Auftakt zur zweiten Folge beispielsweise glich sehr der berühmten Eröffnungssequenz aus dem ersten „Scream“-Film. Und immer wieder begegnen dem Zuschauer bekannte Standardsituationen: Der Angreifer scheint bereits außer Gefecht, der Polizist wendet ihm unvorsichtigerweise den Rücken zu – prompt steht der Täter wieder auf. In „Scream“ hat sich Williamson über solche Konventionen lustig gemacht. Jetzt bedient er sie, frei von Ironie.

Täter mit Seele

Die Episoden folgen einer gewissen Formel. Anfangs gibt es einen Verdacht, meist trügt der Schein, der Fall nimmt eine unerwartete Wendung. Wobei der Überraschungseffekt von der Krimierfahrung des Betrachters abhängt. Der Nervenkitzel des Thrillergenres wird immerhin angereichert mit der entsprechenden Psychologie. Das Verhalten der Täter ist Gegenstand von Analysen, die Ermittler besprechen die besonderen Befindlichkeiten, die psychische Disposition. Damit hebt sich die Serie positiv ab von jenen Formen der Horrorerzählung, die die Täter rein als tumbe Monstren zeigen und auf ihre Funktion als das Böse schlechthin reduzieren.

Dennoch hält sich der Anspruch in Grenzen, hier geht es eindeutig um den Massenappeal. Dies zeigt sich insbesondere im Vergleich mit der britischen Produktion „The Fall“, die über bislang zwölf Folgen anhand nur eines Falles die Psyche von Tätern und Ermittlern zum Gegenstand einer Kriminalerzählung macht. Den bedachtsam agierenden, gerade deshalb so fürchterlichen Stalker und mehrfachen Mörder spielt dort mit beeindruckender Intensität Jamie Dornan, der Darsteller des Christian Grey aus der Bestsellerverfilmung „Fifty Shades of Grey“.

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