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AfD-Parteichef Tino Chrupalla im ARD-Sommerinterview
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AfD-Parteichef Tino Chrupalla im ARD-Sommerinterview: Kein Problem mit Rechtsradikalen.

TV-Kritik

AfD-Chef Tino Chrupalla im ARD-Sommerinterview: „Was habe ich damit zu tun?“

  • VonMichael Meyns
    schließen

Tino Chrupalla von der AfD weicht im ARD-Sommerinterview unangenehmen Fragen aus. Doch Interviewer Matthias Deiß lässt ihn nicht einfach von der Angel. Die TV-Kritik.

Soll man mit Rechten reden? Diese Frage stellen sich nicht nur die öffentlich-rechtlichen Sender spätestens seit dem Zeitpunkt, da die selbst ernannte Alternative für Deutschland in sämtlichen Landesparlamenten der Republik und auch im Bundestag vertreten ist. Zur kommenden Bundestagswahl schickt die AfD nun sogar einen Spitzenkandidaten ins Rennen, Tino Chrupalla, vor seiner Politkarriere Malermeister, inzwischen Bundessprecher seiner Partei.

Nachdem er im letzten Sommer von Theo Koll im ZDF-Sommerinterview eher sanft angefasst wurde, stand er heute bei der ARD Matthias Deiß, stellvertretendem Studioleiter des ARD-Hauptstadtstudios, Rede und Antwort – und sah sich einem deutlich härteren Gegner gegenüber.

Zunächst hakte Deiß etwas pedantisch Thema für Thema ab und arbeitete sich durch das Wahlprogramm der AfD. Los ging es mit Corona und der Haltung der AfD zu Impfungen. Chrupalla betonte, das Impfungen freiwillig erfolgen sollten, zumal angeblich der Nutzen der Impfungen noch unklar sei.

Unter Tino Chrupalla: Zustimmung der AfD deutlich gesunken

Dass seit seinem Amtsantritt die Zustimmung der AfD von 15% auf 10% gesunken ist, versuchte Chrupalla als Momentaufnahme abzutun und hielt sich am Mantra der Partei fest, dass sie in den ostdeutschen Bundesländern Volkspartei sei.

Deutschland soll raus aus der EU, heißt es im Programm der Partei, doch wie passt das mit dem Fachkräftemangel im Land zusammen? Langsam wurde ein Muster deutlich, denn erneut versuchte Chrupalla abzulenken und die Frage auf das Problem der Schulabgänger zu lenken, die keinen Ausbildungsplatz bekommen.

NameTino Chrupalla
ParteiAfD
PositionParteivorsitzender
MandatMitglied des Bundestages

Klarer wurde er dann beim Thema Klimawandel, das nicht erst durch die jüngsten Wetterextreme ganz oben auf der Agenda ist. Beziehungsweise zumindest sein sollte, denn Chrupalla wollte Hochwasser und Orkane nicht einfach auf den erhöhten CO² Ausschuss, also den Menschen zurückführen. Überschwemmungen hätte es schon immer gegeben, Berlin lag vor tausend Jahren unter Eis etc. Alles nicht so schlimm also?

AfD-Chef übt präsentiert sich im Sommerinterview der ARD in gewohnter Schwammigkeit

In schon gewohnter Schwammigkeit ging es schließlich beim Thema Spendenaffären weiter, Parteichef Jörg Meuthen und besonders Chrupallas Co-Spitzenkandidatin Alice Weidel sahen sich hier zuletzt harschen Vorwürfen ausgesetzt. Doch selbst, dass Weidel und ihr Landesverband Baden-Württemberg fast 400.000 Strafe zahlen muss, verleitete Chrupalla nicht zu einer klaren Haltung: „Was habe ich damit zu tun?“ fragte er nur.

Bericht aus Berlin – Das Sommerinterview mit Tino Chrupalla

ARD, von Sonntag, 8. August, 18.05 Uhr. Abrufbar in der ARD-Mediathek.

Langsam kam Dieß jedoch in Fahrt und begann nachzuhaken und auf konkrete Antworten zu pochen, doch noch entzog sich Chrupalla auf fast komische Weise jeder klaren Aussage: In der 60 Sekunden-Runde, in der die Fragen nach Möglichkeit mit Ja, Nein oder einem kurzen Satz beantwortet werden sollen antwortete er auf die Frage, ob Hans-Georg Maaßen zurück an die Spitze des Verfassungsschutzes soll: „Nicht meine Baustelle“, was man ja noch verstehen kann. Doch so ging es weiter: „whatsapp oder telegram?“ - „Je nachdem.“ „Wofür haben Sie sich zuletzt entschuldigt? Sehr lange Pause, dann ein etwas verschämtes „Weiß ich jetzt nicht mehr.“ „Bester Kanzler der deutschen Geschichte?“ - „Konrad Adenauer.“ Immerhin.

Tino Chrupalla hat kein Problem mit Rechtsradikalen: AfD-Chef im ARD-Sommerinterview entlarvt

Dass es sich durchaus lohnen kann, zu insistieren und eine Frage, drei, vier mal zu wiederholen, bewies Dieß schließlich zum Ende des Gesprächs: Auf der Landesliste der AfD-Sachsen stehen hinter Tino Chrupalla Kandidaten wie Jens Maier oder Siegfried Droese, denen man sogar mit Erlaubnis deutscher Gerichte rechtsextremistische Haltungen nachsagen darf. Selbst Partei-Chef Jörg Meuthen hat sich von einigen dieser Kandidaten distanziert, eine halbwegs klare Position, zu der Chrupalla nicht in der Lage scheint. Erst auf die wiederholte Frage, ob er als Teil des Parteivorstandes, der die Liste mit diesen Kandidaten aufgestellt hat, sich erneut der Stimme enthalten würde, antwortete Chrupalla schließlich und endlich mit einem ziemlich kleinlauten: Ja.

Zwei Dinge lassen sich also aus diesem Sommerinterview mitnehmen: Zum einen, dass der Parteichef der AfD kein Problem damit hat, wenn seine Partei Rechtsradikale aufstellt und zum anderen, dass es durchaus möglich ist, Rechte mit einer Klarheit und Schärfe zu interviewen, dass sich am Ende die AfD selbst entlarvt. (Michael Meyns)

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