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„Ticket ins Paradies“: RomCom zum Fremdschämen

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Von: Marc Hairapetian

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Julia Roberts als Georgia und George Clooney als David in einer Szene des Films „Ticket ins Paradies“ (undatierte Filmszene). Der Film kommt am 15.09.2022 in die deutschen Kinos.
Julia Roberts als Georgia und George Clooney als David im Film „Ticket ins Paradies“. © Vince Valitutti/dpa

„Ticket ins Paradies“ präsentiert Julia Roberts und George Clooney auf dem Tiefpunkt ihrer Karriere.

Frankfurt – Achtung, dieser Film ist eine Mogelpackung! Daran ändert auch das vermeintliche Hollywood-Traumpaar Julia Roberts und George Clooney nichts, das zwar schon in diversen Firmen wie „Oceans Eleven“ (2001), „Geständnisse - Confession o a Dangerous Mind“ (2002) oder „Money Monster“ (2016) gemeinsam vor der Kamera stand, aber noch nie einander Liebende gemimt hat.

„Ticket ins Paradies“ soll eigentlich auf der indonesischen Insel Bali spielen. Gedreht wurde aber im australischen Bundesstaat Queensland in den Städten Brisbane und Gold Coast sowie vor der Ostküste auf den Whitsunday Islands (deutsch: Pfingstsonntagsinseln). Zugegebener Maßen sieht es da auch schön aus, doch das ölige Spiel der beiden Hauptdarsteller und die vorhersehbare RomCom (Abkürzung für „Romantic Comedy“) sind alles andere als paradiesisch.

„Ticket ins Paradies“: Julia Roberts und George Clooney auf dem Tiefpunkt der Karriere

Sie können sich auf den Tod nicht ausstehen, dabei waren sie mal miteinander verheiratet: Wann immer die beiden Ex-Eheleute David (George Clooney) und Georgia (Julia Roberts) einander begegnen, rollen beide zuerst mit den Augen, um sich anschließend gegenseitig sofort verbal niederzuknüppeln. In prähistorischer Vorzeit war das mal anders. Davon zeugt bis heute aber nur noch ihre gemeinsame Tochter Lily (Kaitlyn Dever).

Diese hat gerade ihren Uni-Abschluss geschafft und will nun erst mal mit ihrer Freundin Wren (Billie Lourd) auf Bali am Strand alle Viere von sich strecken. Doch als sie den einheimischen Gede (Maxime Bouttier) kennenlernt, ist es Liebe auf den ersten Blick. Den Gang zum Traualtar der beiden wollen Georgia und David natürlich GEMEINSAM verhindern. Sie steigen in den nächsten Flieger, um ihre Tochter von einem Fehler zu bewahren, den die beiden einmal selbst begangen haben …

Die anno 2022 von „Mamma Mia! - Here We Go Again“-Regisseur Ol Parker erschreckend lahm inszenierte Verbeugung vor der klassischen Screwball-Komödie à la „Es geschah in einer Nacht“ (1934) oder „Blaubarts achte Frau“ (1938) präsentiert die einstige „Pretty Woman“-Attraktion und den „Sexiest Man Alive“ des Jahres 1997 auf den Tiefpunkt ihrer Hollywood-Karriere.

Außer einem auf Dauer geradezu debilen Dauergrinsen in den allerdings vorbildlich gealterten Gesichtern und belanglosen Dialogzeilen, die sie in einer Art Dauerstreit bis zum wenig überraschenden Happy End der Wiedervereinigung von sich geben, müssen sie wahrlich nicht viel machen. Das nährt den Gedanken, dass die Zwei selbst einen schönen Urlaub während des Drehs auf dem fünften Kontinent hatten. 

TitelTicket ins Paradies (Ticket to Paradise)
ProduktionslandUSA
BesetzungJulia Roberts, George Clooney, Kaitlyn Dever u.a.
Filmstart15.09.2022
RegieOl Parker
DrehbuchDaniel Pipski, Ol Parker
Länge104 Minuten
AltersfreigabeFSK 6

Julia Roberts spielt in „Ticket ins Paradies“ wie die Parodie von Julia Roberts

Julia Roberts spielt wie die Parodie von Julia Roberts: Etwas zickig und genervt von dem faden Liebesgehabe um sie herum. George Clooney kann als Möchtegern-Cary-Grant selbigem nicht das Wasser reichen. Und Ol Parker ist eben nicht Frank Capra oder Ernst Lubitsch. Das dramaturgische Genre-Gerüst der beiden Lustspiel-Genies wird zwar auch bei ihm aufgestellt, wichtige Zutaten wie Tempo, Verve, Zuspitzung und vor allem Unberechenbarkeit der Ereignisse vermisst man schmerzlich bei seiner Inszenierung.

Unfreiwillig entlarvt Kaitlyn Dever das zum Fremdschämen stumpfe Treiben ihrer Filmeltern, wenn sie diese fragt: „Habt Ihr einen Pakt geschlossen, Euch erst nach mir umzubringen. Lieber Gott, schick uns einen Asteroiden!“ (Marc Hairapetian)

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