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„Theresa Wolff - Home Sweet Home“: Theresa Wolff (Nina Gummich) und Robert Brückner (Thorsten Merten) laufen über eine Brücke. Beide tragen weiße Schutzanzüge.
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Am Fundort der Wasserleiche rasseln die neue Rechtsmedizinerin Theresa Wolff (Nina Gummich) und der zuständige KHK Robert Brückner (Thorsten Merten) das erste Mal zusammen.

TV-Kritik

„Theresa Wolff – Home Sweet Home“ (ZDF): Leichen lügen nicht

  • Harald Keller
    VonHarald Keller
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In einer neuen Krimireihe des ZDF geht eine Rechtsmedizinerin auf Verbrecherjagd.

Frankfurt - In den ersten Minuten wandern gleich zweimal fünf Euro in die Klischeekasse. Die Kamera fliegt über eine Wasserfläche, eine Ermittlerin im Dauerlauf allein im Wald. Es darf schon verwundern, warum Autoren und Regisseure so selten Ehrgeiz auf eine originelle Einstiegssequenz verwenden.

Die trabende Läuferin ist Theresa Wolff (Nina Gummich), eine Rechtsmedizinerin. Am Wegesrand entdeckt sie eine Schweißfährte, folgt ihr in den Wald. Das Opfer ist ein Häschen, der Täter ein Wolf, der Frau Wolff unverwandt anblickt. Wolf und Wolff gesellt sich gern. Der gespielte Kalauer. Der später im ZDF-Film nochmals aufgenommen wird, aber zur insgesamt etwas unsortiert wirkenden Geschichte nichts Nennenswertes beiträgt.

„Theresa Wolff – Home Sweet Home“ (ZDF): Die Tote im See

Wolff hat das idyllisch gelegene Haus ihres verstorbenen Vaters bezogen, nachdem sie zur neuen Leiterin des rechtsmedizinischen Instituts in Jena berufen wurde. Zum unverhohlenen Missfallen des bisherigen und künftigen Stellvertreters Zeidler (Peter Schneider), der säuerlich dreinblickt, weil er selbst gern in den Chefsessel aufgerückt wäre.

In Berlin hat Wolff ihren Lebensgefährten zurückgelassen, einen Kollegen, mit dem sie sich auf dem Weg zur Arbeit per Videotelefonat über exotisches Gewürm austauscht.

Viel Zeit bleibt nicht dafür, denn der erste Fall ereilt sie bereits, noch ehe sie den neuen Arbeitsplatz erreicht hat. Zwei Taucher haben in einem Stausee ein Auto und darinnen eine Frauenleiche entdeckt. Ehe sich Theresa Wolff an die Untersuchung des Körpers macht, liefert sie eine Analyse des Blechsargs: „Bescheidene Motorisierung. Kein Statussymbol. Gebrauchsgegenstand. Pragmatiker.“

Kriminalhauptkommissar Robert Brückner (Thorsten Merten) schwant bereits, was auf ihn zukommt. Denn die Maxime der Medizinerin lautet: „Wer den Tod begreifen will, der muss erst mal das Leben verstehen.“

„Theresa Wolff – Home Sweet Home“ (ZDF): Ein blutiges Gewerbe

Folgerichtig ist Dr. Wolff eher selten im Sektionsraum oder Labor zu sehen. Aber wenn, dann geht es plastisch zu. Empfindliche Gemüter seien gewarnt. Wolff holt sich blutige Finger, Lunge und Leber werden nach der Entnahme unübersehbar ins Bild gerückt.

Verglichen mit der Inflation fantasievoll ausgeschmückter Autopsien im Krimigenre und dem verbreiteten fachfremden Kauderwelsch – „Pathologe“ statt Rechtsmediziner – geht es hier vergleichsweise realitätsnah zu. Es gibt einen zweiten Obduzenten, das ist Vorschrift, und eine Assistentin, die mit dem Skateboard unterm Arm antretende aufgeweckte Praktikantin Paula Weisshaupt (Lea Drinda), die als Figur dazu dient, dem Zuschauer allerlei Informationen zukommen zu lassen, aber im Ensemble durchaus einen berechtigten Platz einnimmt.

RolleDarsteller:in
Dr. Theresa WolffNina Gummich
Robert Brückner\tThorsten Merten
Melanie Uhlmann\tKristin Suckow
Steffen Köhler\tFlorian Bartholomäi
Nils Rust\tRoland Wolf

„Theresa Wolff – Home Sweet Home“ (ZDF): Im Alleingang

Nicht verzichten mochten die Autoren Peter Dommaschk und Ralf Leuther darauf, Theresa Wolff eine Marotte anzudichten. Sie murmelt oftmals vor sich hin und spricht mit den Toten. Keine ganz neue Idee und bei dieser ansonsten höchst patenten und kompetenten Protagonistin auch nicht so ganz überzeugend.

So gelingt es ihr beispielsweise, anhand einer Darmentzündung nachzuweisen, dass die Tote in einem bestimmten Weiher schwimmen gegangen war. Ein Umstand, der die Ermittlung einen guten Schritt voranbringt. In diesem Moment also spielt Wolffs Metier eine relevante Rolle, auch dann, wenn ihr der Nachweis gelingt, dass der Körper der Ermordeten, Ärztin von Beruf, Spuren langjähriger Misshandungen aufweist.

Ansonsten aber drängt sie sich dem Ermittlungsleiter Brückner als Begleiterin auf und unternimmt obendrein manchen Alleingang, die Dienstordnung ausreizend und sogar ignorierend.

„Theresa Wolff – Home Sweet Home“

Samstag, 9.10.2021, 20:15 Uhr, ZDF

„Theresa Wolff – Home Sweet Home“ (ZDF): Fortsetzung folgt

Problematisch ist, dass solche Vergehen – Einbruch, Manipulation von Beweismaterial – als lässlich dargestellt werden, da sie ja dazu dienen sollen, den Täter zu überführen. Nicht nur gefährdet Wolff ein rechtlich einwandfreies Anklageverfahren, sie nähert sich zugleich bedenklich der Grenze zur Selbstjustiz.

Häusliche Gewalt in Partnerschaften und in der Pflege ist ein wichtiges Thema, das in diesem Film nur leider an Wirkung verliert, da die Handlung am Ende umkippt in einen Vergeltungsfeldzug der Marke „Eine Frau sieht rot“. Ein überzogenes Finale. Es unterfüttert den Eindruck, dass der Charakter der Hauptfigur noch nicht vollständig ausgearbeitet ist. Aber sie wird Gelegenheit erhalten, sich zu finden. Die Dreharbeiten zur nächsten Episode haben bereits begonnen. (Harald Keller)

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