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Sandra Maischberger.

TV-Kritik Maischberger

Themenbrei und entrückte Monologe

In der Talkshow von Sandra Maischberger sollte es um den Glauben gehen. Vermutlich. Das Ergebnis: Oh Gott!

Von Felix Ehring

Es ist zwar schwierig, das zu glauben, aber das Thema der gestrigen Ausgabe von Maischberger hieß tatsächlich: "Himmel, Herrgott! Wie viel Religion braucht man zum Leben?"

Himmel, Herrgott! Geht es noch allgemeiner? Die ARD hätte auch fragen können: Wie viel Arbeit und Freizeit braucht der Mensch? Wie viel Liebe? Die Antworten wären in jedem Fall gleich: Es kommt auf den Menschen an, und deshalb gibt es keine Antwort auf solche Fragen.

Bei Sandra Maischberger waren mehrere Gläubige versammelt, vor allem Katholiken. So ein Austausch unter Katholiken hätte spannend sein können, Gesprächsstoff gibt es ja genug. Aber die Redaktion dachte sich offenbar, das reiche nicht. Deshalb saßen auch die verschleierte und Muslima Nora Illi aus der Schweiz und die überzeugte Religionskritikerin und Schriftstellerin Karen Duve bei Maischberger.

Ein Graus

Duve beschrieb sich selbst als Agnostikerin, institutionalisierte Religionen scheinen ihr generell ein Graus. Sie war in der Runde die Vegetarierin unter den Fleischessern. Sie beklagte, dass in den Zehn Geboten nichts von Nachhaltigkeit und der Bewahrung der Erde stehe. Sie vertraue lieber der UN-Menschenrechtscharta. Es ging ihr um die politische Dimension von Religion, während die Gäste Frank Elstner, Norbert Blüm und die papsttreue Katholikin Sophia Kuby über ihren Glauben an sich sprachen.

Und eine aufgebrachte Uta Ranke-Heinemann (85) ging den ehemaligen Studienfreund Josef Ratzinger an und verlor sich mehrmals in entrückten Monologen, deren optische Darstellung ein Wollknäuel wäre.

Religiöse Hardlinerin

Herrje. Zwei bis drei der geladenen Gäste hätten eine interessante Sendung ergeben können: über die Herausforderung zu glauben, worüber Elsner sehr schön sprach, über die politische Verantwortung der Religionen, über das Konvertieren, Unzeitgemäßes im Katholizismus oder andere religiöse Fragen. Stattdessen wurde es ein Potpourri, ein Themenbrei wie so oft, wenn gefühlte zehn Gäste in eine gute Stunde gepresst werden. Und die Muslima Illi entpuppte sich nach einigen Fragen als die religiöse Hardlinerin, als die man sie eingeladen hatte. Aber wem nützt das, bitte?

Liebe Talkshow-Redaktionen: Reduziert doch endlich die Gästelisten, das täte vielen Sendungen gut. Maischberger macht jetzt eine Woche Pause. Denn nächsten Dienstag gibt es die Ersatzreligion in der ARD, auf die sich fast die ganze Welt einigen kann: Fußball, Länderspiel.

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