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Sandra Bullock in „The Unforgivable“ in einer Hauptrolle, die ihr keine Freude machen dürfte.
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Sandra Bullock in „The Unforgivable“ in einer Hauptrolle, die ihr keine Freude machen dürfte.

„The Unforgivable“

„The Unforgivable“ im Kino: Denen man nicht vergibt

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Nach „Systemsprenger“ gibt Regisseurin Nora Fingscheidt auf Netflix ein enttäuschendes Hollywood-Debüt: „The Unforgivable“ mit Sandra Bullock.

Siegfried Kracauer, der große Filmkritiker, begann seine Besprechung von „Mata Hari“ mit einem Satz über die Hauptdarstellerin: „Da geht man ins Kino, um die Garbo zu sehen, doch in welch einem Unfug muss man sie ertragen.“

Wer den Thriller „The Unforgivable“ bei Netflix einschaltet, um Sandra Bullock zu sehen, wird sich ähnliches denken. In letzter Zeit hatte diese Schauspielerin nur noch wenige Gelegenheiten, ihr Talent in einer tragenden Hauptrolle einzusetzen. Tatsächlich spielt sie sich tapfer durch diese formelhafte Geschichte einer nach zwanzig Jahren aus der Haft Entlassenen: Wie schwer man sich in den USA mit Resozialisation tut, lässt sich schon daran ermessen, dass viele Bundesstaaten mit der Giftspritze noch immer ein todsicheres Mittel dagegen haben. Der Filmtitel überschreibt das Drama dann auch mit dem Nimbus der Unverzeihlichkeit, als wollte man es mit Dostojewski aufnehmen. Nach einer alten Hollywoodkonvention erweisen sich zu Filmhelden verurteilte Straftäter und -innen im Laufe der Handlung besser doch noch als unschuldig – allein, um es dem nicht-verzeihenden Teil des Publikums nicht allzu schwer zu machen.

Arg viele Hindernisse

Es kann dankbar sein für Filmstars, gerade in konventionellen Stoffen zu unverhoffter Größe aufzulaufen, doch hier sind einfach zu viele Hindernisse im Weg. Neben dem Drehbuch, einer Adaption einer britischen Miniserie von 2009 („Unforgiven“), gehört da eine leider überambitionierte Regie: Ausgerechnet Nora Fingscheidt, die Regisseurin des meisterhaften Dramas „Systemsprenger“, steht hinter der kruden, mit Rückblenden-Sequenzen verzettelten Dramaturgie.

Von den Qualitäten dieses in langer Vorbereitung erreichten Schauspielerfilms ist hier trotz hervorragender Besetzung nichts zu finden. Geradezu verschenkt wirken in Nebenrollen Vincent D’Onofrio und Viola Davis, die nun das Haus bewohnen, in dem die Bullock-Figur einst als Teenager allein mit ihrer kleinen Schwester lebte. Bei der Räumung kam ein Polizist ums Leben, was sie ins Gefängnis brachte (Bullock muss eine Figur verkörpern, die gut zehn Jahre jünger sein sollte als sie selbst). Zufällig ist der jetzige Bewohner ein philanthropischer Anwalt, der dabei helfen möchte, die Schwestern wieder zu vereinen.

Doch noch weitere Handlungsstränge wollen in diese zum Einzelfilm verdichtete Seriendramaturgie gezwängt werden: Dem Versuch, sich gegen alle Vorurteile ein Leben aufzubauen, und einer zaghaften Liebesgeschichte steht ein kruder Racheplot gegenüber – die Söhne des toten Polizisten drängt es nach Vergeltung.

Warum tun sich talentierte Menschen so etwas an? Man muss noch Hans Zimmer hinzuzählen, dessen Name über einer obskur wummernden, glücklos emotionsheischenden Filmmusik steht.

Ist es wirklich so ruhmreich, auf den Wogen eines verdienten Erfolgs wie dem auch in den USA erfolgreichen „Systemsprenger“ einen Netflix-Auftrag anzunehmen? Nur wenige Spielfilmproduktionen haben die Erwartungen eingelöst, mit denen der Streaming-Dienst angetreten ist. Die meisten Filme, die Netflix produziert, sind unterfinanzierte Genrefilme, für die es früher den Markt „direct-to-video“ gegeben hätte. Es muss einem klar sein, was hier zu erwarten ist. Gerne werden junge Filmemacher engagiert, die zwar einen Namen haben, aber noch keine allzu hohen Gagenforderungen stellen. „Unverzeihlich“ ist das natürlich nicht, aber doch entbehrlich – wenigstens auf der Seite des Publikums.

The Unforgivable. USA 2021. Regie: Nora Fingscheidt. 118 Min.

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