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„The True Story of Punk - Die Geburt“: Fünf junge Männer mit gefärbten, bunten Haaren und punkigen Outfits.
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Schräg, wild und laut: The Stooges mit Iggy Pop, MC5 oder die New York Dolls. Mit ihren kurzen, schnellen Songs und übersteuerten Gitarrenverstärkern gelten sie als Vorreiter des Punk.

TV-Kritik

 „The True Story of Punk“ (ZDFinfo): Punk ist nicht tot, er versteckt sich nur

  • Harald Keller
    vonHarald Keller
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In einer aufwändig recherchierten Dokumentarserie vermittelt ZDFinfo einen Überblick über die Geschichte der Punk-Kultur.

  • ZDFinfo zeigt die vierteilige Reihe „The True Story of Punk“.
  • Einer der Koproduzenten ist Iggy Pop.
  • Der Vierteiler ist nicht nur an Musikfans gerichtet.

Vorsicht ist angebracht, wenn eine historische Entwicklung auf ein einziges Datum oder Ereignis festgelegt werden soll. Geschichte ist ein fortschreitender Prozess, vorwiegend evolutionär, selten revolutionär. Das gilt insbesondere auf dem Gebiet der Popkultur. Auch die Musik und die Mode, die mit dem Begriff Punk belegt wurden, kamen nicht über Nacht in die Welt. Der Regisseur Jessie James Miller und seine fünf Koautoren widmen eine ganze Folge ihrer vierteiligen Reihe „The True Story of Punk“ allein der Vorgeschichte. Dabei haben sie in einem ihrer Koproduzenten einen verlässlichen Gewährsmann: Iggy Pop.

„The True Story of Punk“ (ZDFinfo): Harte Klänge aus der Autostadt

Der bürgerliche Name des 1947 geborenen Musikers lautet James Newell „Jim“ Osterberg. Er begann als Schlagzeuger mit den Stilrichtungen Blues und Psychedelic, mit The Stooges kam der Umschwung zur härteren Gangart. Die Inspiration stammte von den britischen Kinks und ihrem Hit „You Really Got Me“, der auch von anderen Punk-Größen als Referenz genannt wird.

Einflussreich wirkte auch Iggy Pops Herkunft. In der Autostadt Detroit mit ihrem rabiaten Fließbandrhythmus wurden immer schon härtere Töne angeschlagen. Von hier stammten auch MC5 – kurz für Motor City 5 –, dem Stil nach ebenfalls Punk, wild in jeder Hinsicht und vor allem hochpolitisch. Wie einflussreich diese zunächst kurzlebige Band war, lässt sich daran ablesen, dass Mitglieder von Bands wie The Damned, Soundgarden, Fugazi, Faith No More als Gastmusiker später deren Reunion-Konzerte begleiteten. Der verstorbene MC5-Gitarrist Fred Smith war der Ehemann von Patti Smith.

„The True Story of Punk“ (ZDFinfo): In New York braut sich etwas zusammen

Von Anfang an gab es enge Verbindungen mit New York. Die Stooges nahmen dort mit John Cale von Velvet Underground ihr Debütalbum auf. In den Siebzigern entwickelte sich in der damals in vielen Teilen verwahrlosten, bankrotten Metropole eine rege alternative Künstler-, Filmemacher- und Musikerszene mit unter anderem den New York Dolls, Wayne County (heute Jayne County), den Ramones, Blondie.

Bemerkenswert: Anfangs sträubten sich die Musiker gegen die Bezeichnung „Punk“. Verständlich. Punk stammt aus dem Knastjargon und steht für Lustknabe. In New York gab es ein Fanzine dieses Titels. Unerwähnt bleiben im Film The Tubes und ihr 1975 veröffentlichter Titel „White Punks On Dope“, mit Zeilen wie „Hang myself when I get enough rope“ der Weltanschauung der desillusionierten Fraktion sehr nahe. Demgegenüber bekannten sich die Ramones dazu, einfach nur Spaß haben zu wollen. Es ist gar nicht so einfach mit dieser Subkultur.

„The True Story of Punk“ (ZDFinfo): Szenetreffpunkt „Sex“

Wesentliche Wechselwirkungen gab es mit der britischen Hauptstadt London. Hier rührte sich, unter dem Eindruck von Jugendarbeitslosigkeit, Polizeigewalt, erstarrtem Establishment, eine avantgardistische, gesellschaftskritische Szene, in der bezeichnenderweise die Mode – die Boutique „Sex“ der Modeschöpferin Vivienne Westwood war ein Szenetreffpunkt – eine wesentliche Rolle spielte. Joan Jett, 1976 bei den Runaways, erklärt in der zweiten Folge der Dokumentarreihe: „Ich war im Glam-Outfit rübergeflogen und kam in Punk-Klamotten zurück.“ Die New York Dolls kauften in London ihre Bühnenkleidung. Jayne County wurde dort ansässig, Rob Tyner von MC5 ging mit der rotzigen britischen Pub- und Punkrock-Band Eddie & the Hot Rods ins Studio. Als die Ramones in London auftraten, waren Musiker vieler heute noch bekannter Punkbands begeisterte Zuhörer.

„The True Story of Punk“ (ZDFinfo): Nicht nur an Musikfans gerichtet

Schon dieser knappe Überblick verdeutlicht die komplexe Geschichte der Punk-Kultur, deren Vertreter sich nicht über einen Kamm scheren lassen. Jessie James Miller hat vier Folgen zu je 43 Minuten zur Verfügung. Das erlaubt den Autoren, einen größeren Bogen zu schlagen, Genauigkeit walten zu lassen und vieles zu vertiefen, was in anderen Darstellungen zu kurz kommt. Der Einfluss von Reggae auf den britischen Punk, die erweiterten Chancen für weiblich besetzte Bands, aber auch die blinde Brutalität in Konzerten der Hardcore-Bands, die selbst die Musikern einbezog.

Eine beklagenswerte Lücke: Die ‚punkigen’ US-amerikanischen Garagenbands der Sechziger und Siebziger gehören eigentlich auch zu diesem Sujet. Mit ihnen hätte sich eine eigene Folge füllen lassen. Dennoch ist dem Team eine nicht nur an Musikfans gerichtete ausgesprochen informative, aufwändig recherchierte und inszenatorisch gut gemachte Dokumentarserie gelungen, die in Folge 3 und 4 die Entwicklung bis beinahe in die Gegenwart fortschreibt. Wir begegnen der L.A.-Szene mit Vertretern wie den Circle Jerks und den Germs, den Bad Brains, Black Flag, D.O.A. aus Vancouver, L7, den Grunge-Bands aus Seattle, NOFX, Offspring, Green Day.

Zur Sendung

ZDFinfo zeigt die vierteilige Dokumentation en bloc am Samstag, 16.1., ab 10:30 Uhr und in der ZDF-Mediathek.

„The True Story of Punk“ (ZDFinfo): Mann muss den Punk nur ein wenig suchen

Da schließt sich dann wieder ein Kreis: Green Day haben mehrere Titel mit Iggy Pop eingespielt. Iggy ist einer der Zeitzeugen, weitere Anekdoten und Auskünfte stammen unter anderem von Debbie Harry, Marky Ramone, Henry Rollins, Jello Biafra, David Grohl und dem erschreckend aufgedunsenen Johnny Rotten. Von ihm stammt einer der traurigsten Sätze dieser Produktion: „Ich vermisse meine Freunde.“

Die letzte Episode endet mit einem knappen Ausblick und dem Resümee: Punk ist nicht tot. Man muss ihn nur ein wenig suchen.(Harald Keller)

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