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„The Many Saints of Newark“: Ein konventionelles weißes Gansterepos, mehr nicht.
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„The Many Saints of Newark“: Ein konventionelles weißes Gansterepos, mehr nicht.

„The Many Saints of Newark“

„The Many Saints of Newark“ im Kino: Was vor den „Sopranos“ geschah

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Die Vorgeschichte der Fernsehserie „Die Sopranos“ kann als Kino-Gangsterepos kaum befriedigen: „The Many Saints of Newark“ ist wenig originell.

Im gesitteten Mitteleuropa dauerte es bis in die knallbunten achtziger Jahre, bis in die entfesselte Postmoderne, bis es endlich jemand zu sagen wagte: Dass nicht weniger mehr sei, sondern mehr. Diese Weisheit hätte einem ein Tony Soprano längst verraten können – wäre der Gangster-Patriarch nicht erst für die Fernsehserie „The Sopranos“ Ende der 90er Jahre erfunden worden. Mehr, mehr, mehr; nie war Genug genug für die wachsenden Bedürfnisse der eigenen Sippe und der ganzen Gangsterfamilie. Kein Wunder, dass James Gandolfinis Serienfigur schon von der ersten Folge an eine Psychotherapie besuchte.

„The Many Streets of Newark“ blendet zurück in Tony Sopranos Teenagertage, gespielt von Gandolfinis Sohn Michael, geboren im selben Jahr wie die Fernsehserie, 1999. Und da nicht nur Straßengangster Dynastien lieben, halten zwei Väter der „Sopranos“ das Zepter: Serien-Erfinder David Chase schrieb das Drehbuch zusammen mit seinem langjährigen Drehbuchautor Lawrence Konner; Regie führt, wie bei etlichen Folgen Alan Taylor. Lange hatte Chase möglichen Fortsetzungen eine Absage erteilt als solle sich nichts in den Nachhall der Schwarzblende am Ende der letzten Folge mischen.

Der Weg auf die große Kinoleinwand belässt das Erbe einer der einflussreichsten Fernsehserien in diesem Sinne unangetastet. Aber er führt auch in einen neuen, anspruchsvollen Wirkungskontext. Fraglos werden Fans der Serie auch in die Kinos strömen, doch bewähren muss sich dieses Prequel nun in der Tradition großer Gangsterepen – in der Tradition von Francis Ford Coppola, Martin Scorsese, Sergio Leone oder Quentin Tarantino.

Die Ausstattung zumindest hält den Vergleich wenigstens zum späteren Scorsese, wenn der Film in bräunlich-warmen Farben in eine höchst unruhige Epoche führt: Vor dem Hintergrund der Ausschreitungen während des Kampfs um Bürgerrechte in den späten sechziger Jahren erscheint auch die italienische Einwanderkultur in anderem Licht. So kompromisslos die italo-amerikanischen Gangster ihren Lebensstil durchsetzen, müssen sie doch keine Diskriminierung fürchten. Anders als die Afroamerikaner, die nun auf den Straßen für ihre Rechte kämpfen. Wenn eine weiße Exekutive nun ihren Befreiungskampf kriminalisiert, wird schwarze Bandenkriminalität damit bewusst in einen Topf geworfen.

Was schmerzlich fehlt

Aber kann man im Jahr 2021 wirklich noch die Geschichte der Bürgerrechtsproteste lediglich als Hintergrund für ein konventionelles weißes Gangsterepos nutzen? Schwarze Protagonisten jedenfalls fehlen schmerzlich in dieser raschen Abfolge von - wie es scheint - skizzenhaften Serien-Inhalten, verschnitten zu einem nur scheinbar multiperspektivischen Prisma.

Die zentrale Figur ist Dickie Moltisanti (Alessandro Nivola), Christopher Moltisantis Vater, der vom jungen Tony Soprano bewundert wird. Dickie wiederum arbeitet sich ab an seinem missbräuchlichen Vater, gespielt von Ray Liotta in virtuoser Schurkenhaftigkeit. Als sich dieser von einem Italienurlaub eine junge attraktive Braut mitbringt, sind für einen drohenden Vatermord alle Weichen gestellt. Tatsächlich erweisen sich die brutal eskalierenden Straßenproteste als perfekte Tarnung, um unliebsame Menschen verschwinden zu lassen.

Auch das reduziert diese historische Perspektive zu einer Behelfskonstruktion für eine nicht wirklich originelle Gangstergeschichte. Die zwei Stunden Laufzeit wirken dabei wie der Zusammenschnitt einer viel längeren Fassung, man wäre nicht überrascht, wenn sie in absehbarer Zeit auf einem Streaming-Kanal auftauchen würde.

Man kann sich derzeit Sorgen machen über die Zukunft des Kinos angesichts der Beliebtheit von Netflix und Co. Dies ist das Bespiel eines glücklosen Zwitterformats, das weder als Kino- noch als Fernsehkunst wirklich überzeugt. Oder ist es nur der Pilotfilm einer kommenden Spin-Off-Serie? Alles scheint möglich und verwertbar – doch weit entfernt vom Ruhm, den die „Sopranos“ als Fernsehserie bis heute genießen.

The Many Saints of Newark. USA 2021. Regie: Alan Taylor. Mit Alessandro Nivola, Michael Gandolfini, Jon Bernthal, Vera Farmiga. 120 Min.

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