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Der Mandolorianer (Pedro Pascal, l.); Kuiil (Nick Nolte, r.)

„The Mandalorian“ (ProSieben und Disney+)

„The Mandalorian“: Kopfgeldjagd weit draußen im Universum

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Der Streaming-Dienst Disney+ startet in Deutschland mit einem „Star Wars“-Ableger.

Aus dem Vorspann spricht ein gewisser Stolz. Darth Vader, R2-D2, C-3PO erscheinen in stilisierter Form. Figuren des „Star Wars“-Universums, die weltweit zum popkulturellen Bildungsgut gehören. Zitate aus den Kinofilmen wie „Komm auf die dunkle Seite“ gehören heute zum Sprachgebrauch. Die markanten Gestalten sind damit Markenzeichen einer auf Hoch- und Popkultur zugreifenden Mythologie, deren Komplexität bald nur noch mit philologischen Methoden, ersatzweise der Akribie leidenschaftlicher Fans erschlossen werden kann.

Als Außenstehender darf man aber auch einfach Spaß haben an der achtteiligen ersten Staffel der Serie „The Mandalorian“, die zeitlich fünf Jahre nach dem Geschehen des Films „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ angesiedelt ist. Der Mandalorianer, meist Mando gerufen, ist ein Kopfgeldjäger. Einer Tradition seines Volkes gemäß verbirgt er sein Gesicht in der Öffentlichkeit stets hinter einem Helm. Damit und mit seiner martialischen Rüstung ist er selbst im mit gemischten Rassen aus aller Herren Welten bevölkerten „Star Wars“-Kosmos eine auffällige Erscheinung. Wenn er eine Spelunke betritt, drehen sich die Köpfe. Präpotente Rowdys wollen sich mit ihm messen und versuchen ihn zu provozieren.

Es nimmt kein gutes Ende mit ihnen.

Ein Space-Western

Eine Szene, wie man sie aus Western kennt. Und sie steht nicht allein. Schon die wunderbare Titelmusik von Ludwig Göransson mit ihrem angedeuteten Hufgetrappel weist in diese Richtung, Göransson verneigt sich hier in Richtung des frühen Ennio Morricone. Die Steckbriefe werden mittlerweile in Form von Hologrammen ausgegeben, die Kopfgeldjäger sind mit Raumschiffen oder Gleitern unterwegs und haben mörderisch schnelle Androiden als Konkurrenten bekommen. Aber der Job ist derselbe geblieben. Wie damals, als Steve McQueen in der Serie „Der Kopfgeldjäger“ durch den Wilden Westen zog.

Man könnte weiter zurückgehen, zu umherziehenden Rittern, zu Samurai-Legenden und Piratengeschichten. Was nicht als epigonale Verwurstung aufzufassen ist, sondern als pfiffiges Neuarrangement mit eigenen Zutaten. Die Produzenten ködern mit attraktiven Schauwerten. Mit rasanter Action, imposanten Szenenbildern. Das Leben in den abseits der Zivilisation gelegenen Frontstädten wird liebevoll mit vielen Details, auch Verweisen auf andere „Star Wars“-Produktionen, ausgemalt. Die Dialoge sind knapp und trocken. Neben Mando wirkt Han Solo regelrecht gesprächig.

Bei der Besetzung ließen sich die Produzenten nicht lumpen. Kein geringerer als Regisseur Werner Herzog spielt Mandos Klienten. Ein fieser Zeitgenosse. Carl Weathers vermittelt die Aufträge, Nick Nolte spricht in der Originalfassung den hilfsbereiten Kuiil. Giancarlo Esposito wirft sich einmal mehr in die Rolle eines Schurken von Rang.

In stolzer Tradition

Entwickelt wurde die Serie von Jon Favreau, der in mehrfacher Hinsicht einen Bogen zurück zu den Anfängen der Saga schlägt. Der Vater der „Star Wars“-Saga, George Lucas, hatte sich erklärtermaßen von den Fortsetzungsromanen eines Edgar Rice Burroughs und von den Kinoserials der 1930er und 1940er Jahre inspirieren lassen, namentlich jenen mit Comic-Figuren wie Flash Gordon, Buck Rogers, Batman, Superman. Diese Abenteuer-Serials – es gab auch Fortsetzungs-Western, -Melodramen und andere Genres – waren Bestandteil der samstäglichen Matineevorstellungen der US-amerikanischen Kinos, wo ganze Generationen von Teenagern ihr Taschengeld ausgaben. Serials umfassten um die dreizehn Episoden von zwanzig bis dreißig Minuten Länge und offenem Ende. Erst mit der Schlussfolge kam der jeweilige Zyklus zu einem Abschluss. Im Hörfunk gab es ähnliche Erzählformen.

In der Tradition flotter Fortsetzungsgeschichten

„The Mandalorian“ nimmt die Tradition wieder auf. Auch hier sind die Episoden vergleichsweise kurz. Der Pilotfilm hat knapp neunundreißig Minuten, die zweite Episode nur mehr einunddreißig. Die dramaturgische Verwandtschaft mit ihrem genau festgelegten Verhältnis von Action- und Dialogszenen ist unverkennbar. Auch eine produktionstechnische Eigenart hat Favreau von den Vorbildern übernommen. Aus Kostengründen wählten die damaligen Produzenten bevorzugt verkappt auftretende Helden wie Zorro, The Lone Ranger, The Green Hornet, Batman. Denn in Szenen mit maskierten Helden konnten anstelle der teuren Stars billigere Doubles eingesetzt werden. In gleicher Manier wurde bei „The Mandalorian“ Hauptdarsteller Pedro Pascal zeitweise von anderen Darstellern vertreten.

Jon Favreau entschied sich für eine Mischung aus jeweils abgeschlossenen kleinen Erzähleinheiten und größeren Bögen. Mehr zu verraten wäre Spielverderberei. Einmal mehr gilt: Die Serie ist nur angemessen zu bewerten, wenn man alle Episoden gesehen hat.

Appetithappen im Free TV

In Deutschland startet die Serie mit einer ungewöhnlichen Programmierung. Die ersten beiden Episoden sind am Sonntag, 22. März, ab 20:15 Uhr bei ProSieben zu sehen. Wer weiterschauen will, muss dann den neuen Streaming-Dienst Disney+ buchen, der ab dem 24. März hierzulande verfügbar sein wird.

Damit erhalten die bisherigen Marktführer Netflix und Amazon einen potenten Mitbewerber. Disney hält unter anderem die Exklusivrechte an „Star Wars“, an Marvel-, und Pixar-Produktionen. Daneben besitzt das Unternehmen ein gewaltiges Archiv. Die Disney Studios sind seit 1923 in der Filmproduktion tätig und seit 1954 im Fernsehgeschäft, anfangs als Zulieferer, längst auch als Betreiber. Zu Disney gehören die Sender Disney Channel, das FX Network, National Geographic und seit 1996 die landesweite US-Senderkette ABC mit ihren Ablegern ABC News und Freeform, vormals ABC Family, wo man bereits Erfahrungen mit dem Streaming gesammelt hat. Serienepisoden wurden dort nach der linearen Ausstrahlung via Web verbreitet.

Disney+ startet also bereits mit einem umfassenden Programmvermögen, während andere Anbieter in Lizenzkäufe und Eigenproduktionen investieren müssen. Beim Streaming-Anbieter Netflix beispielsweise übersteigen derzeit die Programmkosten den Gewinn.

„The Mandalorian“: Zur Sendung

Sonntag, 22.3., ab 20:15 Uhr, ProSieben. Ab 24.3. bei Disney+.

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