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The Kardashians: „Brennt sie alle verdammt noch mal nieder“

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Von: Moritz Post

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The Kardashians
Kris Jenner, Ben Winston, Khloé Kardashian, True Thompson und Kim Kardashian (v.l.n.r.) auf dem roten Teppich. © Image Press Agency/Imago Images

Die Kardashians sind nun bei Disney+ vertreten – eine TV-Kritik.

Sie haben das Reality-TV auf der ganzen Welt zu dem gemacht was es heute ist: Die Schwestern Kourtney, Kim und Khloé Kardashian, ihre Halbschwestern Kendall und Kylie Jenner und ihre Mutter Kris Jenner. In über 15 Jahren und zwanzig Staffeln hat der Familienclan in „Keeping up with the Kardashians“ die Champions League des Reality-Fernsehens weltweit definiert und 2021 das Ende der Show angekündigt. Nun sind sie wieder da und beim Streaming-Dienst Disney+ gelandet – willkommen zu: „The Kardashians“.

Wer – wie auch der Autor dieser Zeilen – zwar weiß, wer Familien-Clan-Chefin Kim Kardashian ist, zuvor aber nicht eine Minute der vergangenen zwanzig Staffeln der Dokusoap über die Kardashians geschaut hat, bleibt zunächst etwas ratlos zurück. Eine kohärente Handlung scheint es in „The Kardashians“ nicht zu geben. Zwar umspannt zu Beginn und Ende der neuen Folge der „Kardashians“ Kims Bekanntmachung, dass sie die Gastgeberin einer Folge der Late-Night-Show „Saturday Night Live“ sein wird. Letztlich hält die Kamera aber nur auf das nicht ganz so alltägliche Leben des amerikanischen Influencerinnen-Clans drauf, das zwischen Showgeschäft und überprivilegiertem Familienleben in viel zu großen Luxusvillen changiert.

„The Kardashians“ – Makeup-Marken, Mode-Labels und Beziehungsprobleme

Dazwischen scheinen die fünf Kardashian-Jenner-Geschwister mit Ihrer Mutter ausschließlich Probleme bewältigen zu müssen, die nur in ihrem ganz eigentümlichen, von der realen Welt losgelösten Mikrokosmos aus eigenen Makeup-Marken, Mode-Labels und Beziehungsproblemen zu existieren scheint. Wo die Kardashians leben, sind die Probleme der realen Welt nicht existent. Und trotzdem schauen ihnen alle zu! Und bescheren den Kardashians eine Werbeplattform, um deren Reichweite sie tausende von Influencer:innen beneiden.

Eines steht fest: Die Kardashians haben es mit ihrer Reality-Show, ihrem Geflecht unterschiedlichster Lifestyle-Firmen und mit ihren Instagram-Accounts geschafft, die Art und Weise der Werbung für Produkte zu revolutionieren und nebenbei Schönheitsideale und Modetrends zu bestimmen. Das muss man nicht gut finden – insbesondere hinsichtlich des höchst problematischen weil selbstverständlichen Umgangs der Familie mit Eingriffen beim plastischen Chirurgen zur Verwirklichung selbstgesetzten Vorstellungen von Schönheit und Makellosigkeit.

Die Familie Kardashian gibt das Heft des Handelns keine Sekunde aus der Hand

Nichtsdestotrotz nötigt das souveräne Agieren des Kardashian-Clans vor der Kamera in scheinbar intimsten Situationen einen faszinierenden Respekt ab: Die Familie Kardashian gibt das Heft des Handelns in der Show in keiner Sekunde aus der Hand. Auf diese Art und Weise entsteht für das Publikum das perfekte Verhältnis von Nähe zu den Protagonist:innen der Serie, ohne dass die Kardashians sich in ungewollter Form offenbaren oder etwas tatsächlich Persönliches preisgeben müssten. Ganz im Gegensatz dazu steht beispielsweise die Deutsche Reality-Show-Szene, in der C-klassige Darsteller von Shows wie dem „Bachelor“ die Karriereleiter zu Formaten wie „Adam sucht Eva“, „Love Island“, „Das Sommerhaus der Stars“ bis hin zu „Promi Big Brother“ hinabsteigen. Im Gegensatz dazu bieten die Kardashians Reality-TV mit Niveau.

Die Folge endet damit, dass Kim Kardashian mit ihrer Mutter und ihren Schwestern in ihrem Turnhallen-großen begehbaren Kleiderschrank sitzt und den Tränen nahe zu sein scheint – mit hundertprozentiger Sicherheit lässt sich das angesichts der Vielzahl der gesetzten Spritzen mit Botox und Hyaluronsäure zur Faltenunterspritzung und Auffüllung von Konturen in ihrem Gesicht nicht mehr sagen –, nicht weil etwas passiert wäre, das tatsächlich von Relevanz wäre. Vielmehr scheint (Achtung: Spoileralarm) ein Ungemach durch die Ankündigung Dritter von der Veröffentlichung eines weiteren Sextapes von Kim Kardashian zu drohen.

Die bekannteste Kardashian geht damit nach einem kurzen Gefühlsausbruch um, wie es Kardashians nun anscheinend so tun: „Brennt sie alle verdammt nochmal nieder!“, schreit Kim am Telefon ihrem Anwalt entgegen, der sich wohl hoffentlich um den Fall kümmern wird. Damit also zurück zur Selbstbeschäftigung – in der nächsten Folge von „The Kardashians“. (Moritz Post)

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