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Dujardin ergatterte den Oscar  mit seiner Rolle als Stummfilmstar George Valentin: „Wenn George Valentin reden könnte, würde er sagen: Verdammt, genial, danke, großartig“.
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Dujardin ergatterte den Oscar mit seiner Rolle als Stummfilmstar George Valentin: „Wenn George Valentin reden könnte, würde er sagen: Verdammt, genial, danke, großartig“.

Oscar 2012

"The Artist" ist der große Oscar-Gewinner

Jean Dujardin schreit in der Oscar-Verleihung sein Glück heraus, Meryl Streep kommen die Tränen, George Clooney geht leer aus: „The Artist“ und „Hugo Cabret“ räumen je fünf Oscars ab. Frankfurt bekommt etwas vom Goldstaub ab. Unsere Filmexpertin beschreibt die große Nacht.

Von Anke Westphal

Oscar 2012 - das ist der Kampf Frankreich gegen die USA, ein Stummfilm in Schwarzweiß tritt gegen ein superbuntes, effektgeladenes Familienspektakel an und ein relativ unbekannter Regisseur gegen eine Kinolegende. Vor der 84. Oscar-Verleihung  hatte es zehn Nominierungen für „The Artist“ von Michel Hazanavicius gegeben und elf für „Hugo Cabret“ von Martin Scorsese. Ausgang ungewiss.

Die Sympathien waren dann doch deutlich auf der Seite von „The Artist“: Diese Geschichte über einen Stummfilmstar, der mit dem Tonfilm in Vergessenheit gerät, dann aber dank einer  treuen Verehrerin ein Comeback schafft, war zwar ebenso eine Hommage an die Jugendzeiten des Kinos wie „Hugo Cabret“, aber eben doch die ungewöhnlichere.

Am Ende einer Oscar-Gala voller Erwartungen erlebte man schließlich in der Nacht zum Montag in Hollywood einen Triumph des Wagemuts, ja des unternehmerischen Irrwitzes über die Perfektion der Könnerschaft. Auch wenn beide Filme jeweils mit fünf Oscars bedacht wurden von den Mitgliedern der Academy of Motion Pictures Arts and Sciences – die in den Königskategorien „Beste Regie“ und „Bester Film“ gingen an das Kabinettstückchen von Michel Hazanavicius.

Der kam zum Schluss natürlich mit seinem Team auf die Bühne, das Hündchen Uggy, das sich längst in alle Zuschauerherzen gespielt hat, eingeschlossen, und er dankte überschwänglich einem der ganz Großen des Kinos: Billy Wilder, das gleich drei Mal. Uggy seien solche Preise wohl gleichgültig; so gut sei der Hund dann doch nicht, dass er dies verstünde, meinte Hazanavicius zuvor. Diese Franzosen, sollen ja schrecklich eifersüchtig sein, hört man!  

Abgesehen von dieser kleinen Unsportlichkeit des so geehrten Regisseurs war es ein heiterer Oscar-Abend, durchzogen von einem angenehmen kinematografischen Geschichtsbewusstsein, das Nostalgie zu nennen billig wäre. Der retrospektive Touch zog sich ganz organisch, man kann auch sagen: unspektakulär Programm, angefangen beim Gala-Host Billy Crystal, der seine nicht ganz neue, aber charmante Ideen aus Vorjahren aufwärmte, indem er Szenen aus Kinohits des Jahres 2011, allerdings mit sich selbst in der Hauptrolle zeigte – was immerhin dazu führte, dass George Clooney ihn in  Anspielung  auf „The Descendants“ aus dem Koma wachküsste.

Oscar 2012 - Angelina Jolie gibt dem Vamp

Stars erzählten via Videoeinspielung von ihren ersten Kinoerlebnissen in der Kindheit; dazu verteilten Saalhostessen mit kleinen Bauchläden hier und da Popcorntütchen, während der Cirque du Soleil die Magie des Kinos artistisch nacherlebbar machte. Angelina Jolie gab schließlich als eine der Preis-Präsentatorinnen den klassischen Vamp in einem schwarzen Abendkleid, das praktisch bis zum Bauchnabel geschlitzt war – ein Aha-Moment á la „Gilda“.

Dabei hatte es erst recht betulich angefangen, aber Billy Crystal war ja auch kurzfristig eingesprungen. Denn vor der 84. Oscarverleihung traten sowohl der Produzent Brett Ratner als auch Eddie Murphy, der als Host durch die Show hätte führen sollen, von ihren Funktionen zurück: Ratner hatte sich unziemlich über Schwule geäußert; Murphy verhielt sich loyal. Für letzteren stand nun Crystal auf der Bühne – eine Rückkehr zum Bewährten; es war immerhin seine neunte Oscar-Moderation.

Seit einigen Jahren hatte es Bemühungen um eine Verjüngung der Gala gegeben, was 2011 zum Tiefpunkt führte, als die Schauspieler Anne Hathaway und James Franco ihr Publikum unendlich langweilten. Billy Crystal indes weiß, wie man diesen Host-Job zu erledigen hat.

Und Stoff gab es genug. Dass etwa das Kodak Theatre, seit langem der Veranstaltungsort der Oscars, wegen der  Insolvenz des Kamera- und Filmherstellers Kodak und daran angebundener Rechtefragen nicht mehr Kodak Theatre genannt werden darf, animierte den Komiker  zur Kreativität in punkto Namensfindung: „Chapter 11 Theatre“, „Your Name Here Theatre“, so ging es fort. Derzeit heißt der Bau „Hollywood & Highland Center“, was klingt, als wäre das eine Shopping Mall.

Hier also wurden nun die 84. Oscars vergeben. Es gab dabei viele rührende und sogar witzige Momente, etwa als Christopher Plummer seinen Oscar für den Besten Nebendarsteller entgegenahm: Mit 82 Jahren ist Plummer der älteste Oscar-Preisträger der Welt. „Wo warst du nur all die Jahre?“ fragte er seine Statue: „Du bist doch nur zwei Jahre älter als ich!“

Woody Allen holt seinen Oscar nicht selbst ab

Jean Dujardin, für seine Rolle in  „The Artist“ als Bester Darsteller geehrt, trompetete ein fulminantes „Merci! Formidable“. Und Meryl Streep hörte halb Amerika aufseufzen, als sie ihren nunmehr dritten Oscar in Händen hielt: „Nicht die schon wieder!“ Sie versprach, nie mehr als Gewinnerin auf dieser Bühne zu stehen. Woody Allen holte seinen vierten Oscar (für „Midnight in Paris“) gar nicht erst ab; von ihm stammt der denkwürdige Ausspruch: „Mit Auszeichnungen ist es wie mit Hämorrhoiden. Früher oder später bekomme jeder Arsch welche.“

Wim Wenders muss das nicht auf sich beziehen, denn er ging leer aus. Und weil die Kamera ihn nicht im Blick hatte, ist nun ungewiss, ob der deutsche Regisseur enttäuscht wirkte in jenem Augenblick, als nicht seine „Pina“ über die Choreografin und Tänzerin Pina Bausch den Oscar für den besten Dokumentarfilm gewann, sondern ein Film über American Football.

Pixomondo aus Frankfurt unter den Oscar-Gewinnern

Der insgesamt elfmal nominierte 3D-Film „Hugo Cabret“ von Martin Scorsese gewann seine fünf Oscar in Nebenkategorien Kamera, Spezialeffekte, Szenenbild, Tonschnitt und Tonmischung. Für die Effekte des Films war maßgeblich das Firmennetzwerk Pixomondo mit Hauptsitz in Frankfurt am Main verantwortlich.

Das bewegendste Statement kam von dem  iranischen Regisseur Asghar Farhadi, dessen Arbeit „Nader und Simin. Eine Trennung“ nach dem Goldenen Berlinale-Bären 2011 nun in Los Angeles mit dem Oscar als Bester nicht-englischsprachiger Film ausgezeichnet wurde. In Zeiten von Feindseligkeiten und Aggression spreche der Iran durch seine große Kultur.

Die Preisentscheidungen wurden übrigens vorwiegend von weißen Männern getroffen, denn die Mitglieder der Academy of Motion Picture Art and Sciences, die über die Oscars abstimmen, sind zu  94 Prozent weiß und zu 77 Prozent männlich. Das fand unlängst die Tageszeitung Los Angeles Times heraus. Afroamerikaner sind nur zu  2 Prozent in der Academy vertreten und Latinos sogar zu weniger als 2 Prozent.

Dafür weisen die Oscar-Wähler ein Durchschnittsalter von flotten 62 Jahren auf. Leute, die jünger sind als 50, machen gerade mal 14 Prozent der Academy-Mitglieder aus. Das heißt also: Alte weiße Männer, die zwar nicht die – deutlich jüngere und zudem multiethnische - Kinozuschauerschaft spiegeln, aber die Machtverhältnisse im Filmbusiness, bestimmen über die weltweit wichtigsten Filmpreise. Das ist ganz und gar wie anno dunnemals, 1929, als die Oscar-Gala noch schlanke 15 Minuten dauerte. Wie passend, dass in diesem Jahr ein Stummfilm gewann!

Lesen Sie hier, was die Stars während der Oscar-Verleihung twitterten:

(Hinweis: Die Storify-Plattform liefert derzeit falsche Zeitstempel. Alle Tweets stammen aus der Oscar-Nacht.)

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