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Im Fluchtfahrzeug: Tilda Swinton als Julia mit Aidan Gould als Tom.
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Im Fluchtfahrzeug: Tilda Swinton als Julia mit Aidan Gould als Tom.

"Julia"

Terror und Fürsorge

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Verirrt auf den Spuren von John Cassavetes: Erick Zoncas glückloses Psychodrama mit Tilda Swinton.

Der französische Filmemacher Erick Zonca stolperte vor zehn Jahren aus dem Nichts ins Weltkino und verschwand bald darauf wieder ebendorthin. Was er zurückließ war ein Film, der 1998 in Cannes einen gemeinsamen Darstellerpreis für Elodie Bouchez und Natacha Régnier gewonnen und wie ein Stich ins Herz gewirkt hatte: "Liebe das Leben". Die Geschichte zweier 20-jähriger Frauen war in ihrer natürlichen Emotionalität und energetischen Wucht ein Gegenentwurf zu Quentin Tarantino, der eine ähnliche Kraft durch ausgefuchste Drehbucharbeit erreichte. Nach Zonca kam das Dogmakino, und es wurde weltweit abgeerntet, was sich an menschlichen Regungen mit Kameras festhalten ließ. Er selbst aber war nirgends zu finden.

Auf der jüngsten Berlinale meldete sich der Filmemacher mit diesem Film zurück, der nun in unsere Kinos kommt. "Julia" entstand in den USA und erinnert nicht nur in seinem Titel an John Cassavetes' Drama "Gloria". Tilda Swinton spielt die Titelfigur einer Alkoholikern, die von einer jungen mexikanischen Mutter angeheuert wird, um ihr Kind zu entführen, dessen Sorgerecht sie verloren hat. Der etwa zehnjährige Junge hat einen reichen Opa, und Julia ahnt schnell, dass es dabei mehr als etwas Mutterglück zu gewinnen gäbe. Mit äußerster Brutalität entführt sie das Kind, das sie meist gefesselt hält.

Terror und Fürsorge gehen eine beklemmende Verbindung ein. Julia trägt eine schwarze Karnevalsmaske und würde wohl auch mit geladener Pistole das Kind zum Zähneputzen anhalten. Frau Mahlzahn ist harmlos gegen Julia.

Auch Tarantino hätte die Szene mit dem Zähneputzen wohl hineingeschrieben, doch Zonca fehlt jede Distanz zu seinem psychologischen Naturalismus. Wenngleich sein Film in großen Bildern in wüste Landschaften führt, bleibt er eine abgefilmte Performance.

Die große Tilda Swinton ist sein einziges Ereignis, doch der schwache Film kann ihr Gewicht nicht tragen. Sie ist wirklich furchterregend echt als unberechenbar nervöse Alkoholikerin, so echt, dass man irgendwann keine Lust mehr hat, Julias so menschlich gezeichneter Unmenschlichkeit weiter zuzusehen. Alle dramaturgischen Entwicklungsmöglichkeiten hat sich Zonca mit dieser Figur verbaut, und so führt sein Road-Movie buchstäblich nirgendwo hin.

Julia, Regie: Erick Zonca, Frankreich 2007, 138 Minuten.

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