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Janneke (Margarita Broich. v. l.) Fanny (Zazie de Paris) und Brix (Wolfram Koch). Bettina Müller/hR/Degeto
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Janneke (Margarita Broich. v. l.) Fanny (Zazie de Paris) und Brix (Wolfram Koch).

TV-Kritik

„Wer zögert, ist tot“ (ARD): Frankfurt-Tatort mit Liebe und Freiheit

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Der neue Frankfurt-Tatort der ARD spielt gekonnt mit vertrautem und beantwortet die alte Frage, ob Katzen oder Hunde besser sind.

Frankfurt – Der erste Tatort in der ARD nach der Sommerpause kommt vom Hessischen Rundfunk aus Frankfurt und angenehm direkt zur Sache. Vier Hunde entführen einen Schnösel, denn die Hundemasken der Betreffenden sind ausgesprochen überzeugend und der junge Mann spielt ein schönes Golf. Wer Tatort guckt, hat einerseits Augen im Kopf, andererseits kann er sich Vorurteile gegen Schnösel leisten. Meistens haut es hin.

Einer der Hunde kommt bei der Entführung ums Leben, die anderen schicken der Ex und dem Vater des Schnösels jeweils einen Finger, der allerdings nicht zum Schnösel gehört. Der Vater hat den Sohn unter Verdacht, ihn aufs Kreuz legen zu wollen. Er, der Vater, ist ein Jurist mit krimineller Energie, den Bernhard Schütz mit grandiosem Fingerspitzengefühl spielt. Die Augen ein bisschen zusammengekniffen, die Körperhaltung nonchalant, aber doch sprungbereit. An seiner Seite im Frankfurt-Tatort ein E.T.A.-Hoffmann-Lakai, Daniel Christensen, und eine smarte studentische Haushaltskraft, Tala al Deen. Der Vater ist ganz verknallt in sie, aber das kann er nicht ausdrücken, er reich, aber doch jämmerlich, sie schön und klug. Ein Tatort der unausgesprochenen Kleinigkeiten und Wahrheiten.

ARD: Tatort zeigt Frankfurt im Kammerspiel – ansehnlich und intensiv

Der entführte Sohn, Helgi Schmid, ist auch nicht ohne. Seine Ex, Britta Hammelstein, hat Verbindungen zu einem Kampfsportstudio für Frauen, in dem Christina Große den Ton angibt. Und wenn die Folge „Wer zögert, ist tot“ nur aus der Szene bestünde, in der Janneke und Brix, Margarita Broich und Wolfram Koch, den für starke Männer blamablen Werbefilm des Kampfsportstudios sehen, wäre diese schon ein Grund auf die ARD zu schalten. Janneke amüsiert sich still und unverlegen, Brix schaut neutral, erklärt später aber, er habe innerlich gelacht.

NameRolle
Margarita BroichAnna Janneke
Wolfram KochPaul Brix
Christina GroßeConny Kaiserling
Britta HammelsteinBille Kerbel
Helgi SchmidFrederick Seibold\t
Bernhard SchützKonrad Seibold
Tala al DeenLeila el Mansouri
Zazie de ParisFanny
Isaak DentlerJonas
Werner WölbernStaatsanwalt Bachmann\t

Eine subtile, beiläufige Szene im Tatort, darauf legt Regisseurin und Buchautorin Petra Lüschow es offenbar an, und es gelingt ihr, vieles von dem, was schnell komödiantisch über den Punkt gerät, eisgekühlt zu servieren. Wie die Ex den Finger, in der anderen Box Möhrchen für die Kinder. Brix albert nett mit den Kleinen herum, die auf sympathische Weise aus dem Geschehen herausgehalten werden. Es gibt offenbar eine verlässliche Babysitterin, die allerdings auch nervt. Viel wirkliches Leben, hier kammerspielhaft (gewiss aus Corona-Gründen, aber ansehnlich und intensiv) in einem völlig künstlich wirkenden Frankfurt und Umgebung dargeboten.

ARD geht mit Liebe und Freiheit an den neuen Frankfurt-Tatort heran

Auch Corinna Kirchhoff kommt ins Bild, als fabelhaft unwahrscheinliche Nachbarin des unangenehmen Vaters, der allerdings eh in einer ganz unwahrscheinlichen Gegend lebt. Wer baut und kauft denn solche Häuser, noch dazu vermutlich für eine Riesenstange Geld? Natürlich spricht hier im Tatort der Neid Frankfurter Mieterinnen und Mieter. Brix und seine Mitbewohnerin Fanny (Zazie de Paris) sind noch dazu auf Wohnungssuche. Fanny wird nachher im Kampfsportstudio ermitteln, ein uralter Krimi-Einfall, der aber – weil die Regisseurin und Autorin mit Liebe und Freiheit an die Sache herangeht – lakonisch ausgeführt wird.

„Tatort: Wer zögert, ist tot“

ARD, So., 20.15 Uhr.

Nachbarin Kirchhoff ist ferner die Besitzerin eines ungezogenen, vegetarisch lebenden Hundes namens Bobo. Der Vater hat eine weiße Katze, die er mehr liebt als seinen Sohn und auch mehr als die kluge Studentin. Für die weiße Katze, muss man sagen, wird es nicht gut ausgehen. Im ewigen Widerstreit zwischen jenen Menschen, die Hunde, und jenen, die Katzen lieben, schlägt sich die Folge „Wer zögert, ist tot“ relativ deutlich auf die Seite der Hunde.

Musik im neuen Frankfurt Tatort: Die Sahnehaube auf der Lässigkeit des ARD-Krimis

Und obwohl Lüschow in der ARD mit vertrauten Elementen und Schurken arbeitet, wird man mit dem Fortgang der Dinge, die sie sich ausgedacht hat, nicht unbedingt rechnen. Nicht im Einzelnen, nicht so.

Was aber hat es zu bedeuten, dass Brix, offenbar ein Kenner, das Red-Hot-Chili-Peppers-Album falsch datiert? Er datiert es doch falsch, oder?

Handverlesen die Musik des Frankfurt-Tatorts von Moritz Krämer, Patrick Reising und Francesco Wilking, die die Sahnehaube auf der Lässigkeit dieses Krimis darstellt. Sie erklingt auch in der Bar, in der Janneke, Brix und Fanny sich betrinken – Fanny betrinkt sich lange, Janneke und Brix betrinken sich kurz – und deren Theke aussieht wie das Stillleben eines Alten Meisters. Obwohl grauenhafte Dinge geschehen, geschehen auch solche, die zu schön sind, um wahr zu sein. Aber nur so ist es überhaupt auszuhalten, das Leben, die Ungerechtigkeit. (Judith von Sternburg)

Im ersten Tatort, der unter Corona-Bedingungen gedreht wurde, spielen schwarzer Humor und ein schwieriges Vater-Sohn-Verhältnis eine Rolle.

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