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Schon auch cool: Ott (Carol Schuler) und Grandjean (Anna Pieri Zuercher) im Schweizer Tatort „Schoggiläbe“. Foto: Sava Hlavacek/ARD/Degeto/SRF
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Schon auch cool: Ott (Carol Schuler) und Grandjean (Anna Pieri Zuercher) im Schweizer Tatort „Schoggiläbe“.

TV-Kritik

Tatort (ARD): „Schoggiläbe“ – Die bösen Frauen von Zürich

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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„Schoggiläbe“, der zweite Tatort für Ott und Grandjean.

  • Die ARD zeigt heute (Sonntag, 28.02.2021) den Tatort „Schoggiläbe“.
  • Anna Pieri Zuercher und Carol Schuler ermitteln in Zürich.
  • Zürich muss das Klischee spielen, das sonst gerne Frankfurt überlassen bleibt.

Am Anfang stehen Grandjean und Ott da wie einst Cagney & Lacey, wenn nicht zum ersten Mal ein Kollege bei der Beförderung den Vorzug erhalten hatte. Jedoch sind die 2020er nicht die 1980er Jahre und ist Zürich nicht New York – leider, da die derzeitigen Fernsehwiederholungen früher Folgen der inzwischen an sich steinalten Serie vorbildlich forsch und erfrischend wirken. Dabei will auch das Zürcher Tatort-Duo etwas erzählen, auch hier geht es um Lebensentwürfe und die Frage, was das bedeutet und mit sich bringt: Polizeiarbeit.

Tatort „Schoggiläbe“ mit Anna Pieri Zuercher und Carol Schuler läuft heute in der ARD

Dass die Antworten sich im Zuviel etwas verholpern, ist in einer zweiten Tatort-Folge – nach „Züri brennt“, dem ersten Auftritt von Anna Pieri Zuercher und Carol Schuler – noch immer verständlich. Vor allem bei Ott, der Tochter aus viel zu reichem Hause, ist alles sehr kompliziert, und die nicht beförderte Grandjean – noch dazu vom Navi schamlos an der Nase herumgeführt – will schon wieder weg aus der unfreundlichen Stadt.

In einer merkwürdigen Episode misslingt den beiden Frauen eine Festnahme selbst für Tatort-Verhältnisse überdurchschnittlich. Nach viel Geschrei ist dann auch noch Otts Schusswaffe nicht geladen, offenbar aus Prinzip. Mit mehr Glück als Verstand geben Grandjean und das Buch von Stefan Brunner und Lorenz Langenegger ihr Gelegenheit zur Läuterung. Man sieht sie bei einer ersten Schießübung. Warum fasst sie sich nach den ersten Schüssen ans Dekolleté?

Am Tatort: Kommissarin Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher, re.) und ihre Kollegin Tessa Ott (Carol Schuler)

Tatort „Schoggiläbe“ heute in der ARD: Zürich ist ein hartes Pflaster

Auffallen würde das wohl nicht weiter, wenn in der Inszenierung von Viviane Andereggen nicht wie im ältesten „Inspector Barnaby“ gleich zwei besonders böse Zürcherinnen, Großmutter und Enkelin, ihre (unterschiedlichen) finsteren Pläne verfolgen würden.

Frauen haben es faustdick hinter den Ohren und ihre Sinnlichkeit kaum im Griff, und Zürich, das soll wirklich jeder merken, ist ein hartes Pflaster auch für die Reichen.

RolleDarsteller:in
Isabelle GrandjeanAnna Pieri Zuercher
Tessa Ott\tCarol Schuler
Anita Wegenast\tRachel Braunschweig
Noah Löwenherz\tAaron Arens
Charlie Locher\tPeter Jecklin
Mathilde Chevalier\tSibylle Brunner
Claire Chevalier\tElisa Plüss

Der Tatort ist die schweizerisierende Holzhüttenvilla eines Schokoladenfabrikanten, der nun in seinem Blut liegt, erschossen und erschlagen, ein Massaker. Er war homosexuell und klinisch depressiv, es bleibt offen, was von beidem die stramme alte Mutter, Sibylle Brunner, nun noch schlimmer fand. Hauptsache ist, dass sie jetzt das strauchelnde Unternehmen – noch schlechter, deutet sich an, geht es nur den Uhren-Firmen, die Schweiz, eingetrübtes Paradies – wieder an sich reißen kann. Dem Publikum wiederum bleibt überlassen, wen es mehr fürchtet: Sie oder die engelhaft eisige Enkelin, Elisa Plüss.

Tatort „Schoggiläbe“ heute in der ARD: Es ist eben doch noch elender, arm zu sein als reich

Obwohl Ott, die diese Welt von früher kennt und verachtet, im Firmenfoyer zwanglos aus dem Schokoladenbrünnchen trinkt, schlägt „Schoggiläbe“ aus den Reizen der Branche keine Funken. Ebenso wenig aus dem Sprachlichen (ein vermutlich unlösbares Problem). Stattdessen kommt es zu Verwicklungen mit einem überforderten, aber lange flüchtigen Unbekannten mit Schiebermütze. Die er übrigens beharrlich nicht ablegt, trotz des Fahndungsfotos, das ihm klassisch aus der Zeitung des ÖPNV-Sitznachbarn entgegenprangt.

Zur Sendung

„Tatort: Schoggiläbe“, ARD, Sonntag, 28.02.2021, 20.15 Uhr.

Auf dieser Seite der Geschichte, zeigt sich, dominiert das Tragische. Es ist eben doch noch elender, arm zu sein als reich. Neben Reichen, zum Beispiel, flämmelt wenigstens direkt der nächste Wohnzimmerkamin, wenn es einmal darum geht, fix ein Testament zu verbrennen. Das ist aber vielleicht der Moment, in dem der nicht unspannende Tatort* endgültig ins Ungefähre abrutscht.

Während Zürich das Klischee spielen muss, das sonst gerne Frankfurt überlassen bleibt (dort aber meistens ohne „altes Geld“), eilen alle Geschichten einem Ende entgegen, als sollte dokumentiert werden, dass man in der Schweiz nicht nur unerwartet schnell ist, sondern geradezu flitzt. Schweizer Franken fliegen durch die Luft. Grandjean bleibt, garantiert. (Judith von Sternburg) *giessener-allgemeine.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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