feu_tato-rebland5_250920
+
Die Kommissare mit dem Opfer am Ort, wo es geschah.

Tatort „Rebland“

Sie will kein Opfer sein

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
    schließen

Unaufgeregt erzählt der Tatort „Rebland“ von einer Vergewaltigung und wie das Leben auch der verdächtigen Männer auseinanderbricht.

Schreiben Frauen andere Bücher? Machen sie andere Kunst? Drehen andere Filme? Nicht unbedingt. Aber was „Rebland“ zu einem besonderen Tatort macht, das hat schon auch damit zu tun, dass eine Frau, Nicola Armbruster, das Drehbuch geschrieben hat, dass eine Frau, Barbara Kulcsar, Regie führte. Denn es geht in „Rebland“ um Vergewaltigung: Man sieht Victoria Trauttmansdorff nach einer Party auf einem Weingut im Dunkeln verschwinden – das Taxi war voll, sie hat es ja nicht weit, der Weg ist ihr vertraut –, das ist eine allzu bekannte TV-Krimi-Eröffnung. Aber weder endet die Geschichte dieser Frau, Trauttmannsdorff heißt hier Beate Schmidbauer, damit, dass sie als Leiche zwischen Weinstöcken liegt. Noch gibt man ihr typische Opfer-Eigenschaften mit. Noch aber tut man so, als hätte ein Verdacht keine Auswirkungen auf das Leben der Männer, die von der Polizei unter die Lupe genommen werden. Kollegen bekommen es mit, Nachbarinnen bekommen es mit.

Eine Party im Weinberg also, Beate wird angequatscht von einem komischen Typen. Aber: „Bloß weil er ein komischer Typ ist, ist er kein potentieller Vergewaltiger“, das weiß auch die Polizei. Eva Löbau als Franziska Tobler, Hans-Jochen Wagner als Friedemann Berg ermitteln nach ihrem Fasnet-Exzess diesmal mit, in doppeltem Sinn, angenehmer Nüchternheit. Sie werden allerdings trotzdem mit ihrer Chefin, Steffi Kühnert als Cornelia Harms, aneinandergeraten.

Denn die Kommissare lassen sich von ihren französischen Kollegen verführen. Einen ganz ähnlichen Fall wie den Beate Schmidbauers gab es in Frankreich, dort aber darf man eine erweiterte Analyse der Täter-DNA machen: Also rausfinden, welche Haut-, Haar- und Augenfarbe der Täter wahrscheinlich hat, wie alt er ungefähr ist. Seit dem 13.12.2019 ist in Deutschland die erweiterte DNA-Analyse erlaubt, „Rebland“ spielt davor, Tobler und Berg, nicht eben mit Hinweisen verwöhnt, besorgen sich die französischen Erkenntnisse hintenrum, illegal. Betretenes Schweigen aber, als die Chefin wissen will, wie sie ausgerechnet auf diese drei Verdächtigen kommen.

Marek Harloff ist Mario Lewandowsky, Polizist und der „komische Typ“, der Beate Schmidbauer anmachte. Fabian Busch ist Klaus Kleinert, alleinerziehender Vater. Gerade hat er sich nach dem Unfalltod seiner Frau wieder berappelt, hat seine kleine Tochter zurückbekommen, jetzt wird das Jugendamt erneut aufmerksam. Schließlich Roman Knizka als Friseur Victor Baumann – ohnehin wendet sich seine Frau schon von ihm ab. Alle drei wollen partout keine Speichelprobe abgeben, wofür aber ihre Umgebung kein Verständnis hat. Sie sind doch unschuldig, oder?

Indessen zeigt Victoria Trauttmannsdorff eine Frau, die bei der gynäkologischen Spurensicherung – ach ja, das Höschen, natürlich – alles nüchtern, geradezu vernünftig zu machen versucht, die bei der Tatort-Begehung alles richtig zu machen versucht – aber nein, leider hat sie den Mann gar nicht gesehen, erinnert sich auch an keinen Geruch. Sie geht ihrem Job nach, sie ist Radiomoderatorin, sie möchte nicht anders als andere und nicht als Opfer behandelt werden. „Ich brauch keinen Therapeuten!“, sagt sie zu Harms, die sich auch als Freundin sorgt. Aber Armbruster und Kulcsar zeigen sie, wie sie den Verdächtigen, gleichsam wie eine Schlafwandlerin, nachspioniert.

„Tatort: Rebland“, ARD, So., 20.15 Uhr.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare